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Bad Elster/Dresden: Pfusch bei der Wasserversorgung leistet der Legionärskrankheit Vorschub

Bad Elster/Dresden : Pfusch bei der Wasserversorgung leistet der Legionärskrankheit Vorschub

Gefahr unter der Dusche? Das klingt absurd. Und trotzdem: Im warmen Wasser können Legionellen, kleine Stäbchenbakterien, schwimmen.

Sie sind für die meisten Menschen harmlos, aber geschätzte 15.000 bis 30.000 Deutsche erkranken jedes Jahr an einer Lungenentzündung, nachdem sie die Mikroben unbemerkt mit kleinen Wassertröpfchen eingeatmet haben. Den Behörden werden nur einige hundert Fälle gemeldet, weil die Infektion oft nicht richtig diagnostiziert wird.

Etliche Erkrankungen ließen sich verhindern, wenn das warme Wasser sachgerecht bereitgestellt würde. Die Bakterien vermehren sich im lauwarmen, vorzugsweise stehenden Wasser. Oberhalb von 55 Grad Celsius sterben sie ab.

Entsprechend der technischen Regeln müssen alle Boiler einmal am Tag auf sechzig Grad erhitzt werden, deshalb dürfte es die Bazillen aus der Brause eigentlich gar nicht geben. „Wenn das eingehalten wird, dann ist das Risiko ausgesprochen gering”, stellt Biologe Benedikt Schaefer vom Umweltbundesamt im sächsischen Bad Elster klar. Um herauszufinden, ob die Heizung ordnungsgemäß betrieben wird, rät er dazu, die Bedienungsanleitung zu studieren oder sich beim Installateur oder Hersteller zu vergewissern.

Wer beim Öffnen des Wasserhahns allerdings lange auf warmes Wasser warten muss, sollte allemal misstrauisch werden. „Da stimmt etwas nicht”, vermutet Legionellenexperte Schaefer: „Vielleicht ist die Zuleitung für das Warmwasser zu lang oder warmes und kaltes Wasser wird zu früh in der Leitung vermischt.” Jedenfalls kommen die handwarmen Gefilde den Mikroben sehr gelegen.

In öffentlichen Einrichtungen wie etwa in Schulen oder Schwimmbädern sollte man in diesem Fall um Klärung bitten. Wenn das Problem in der eigenen Wohnung auftritt, müssen der Betreiber der Heizung oder der Hausbesitzer es beseitigen.

Von einer sogenannten Legionellenschaltung rät Schaefer ab: „Das ist wird gerne verkauft, ist aber nicht notwendig.” Der Boiler wird dabei auf mehr als sechzig Grad erhitzt. Diese Temperaturschwelle wird dagegen im Standardbetrieb der Warmwasserversorgung nicht überschritten - aus gutem Grund. Materialien können bei zu großer Hitze schneller verschleißen, Kalk fällt aus und kann die Leitungen blockieren.

Wenn das warme Wasser mit Hilfe der Sonne erwärmt wird, ist besondere Vorsicht geboten. „In unseren Breiten kann mit der Sonnenenergie alleine nicht die erforderliche Warmwassertemperatur sichergestellt werden”, unterstreicht Schaefer. An wolkenverhangenen Tagen reicht sie nicht aus, um das Wasser auf mehr als fünfzig Grad zu erhitzen. Moderne Anlagen ziehen dann eine Gas- oder Ölfeuerung hinzu. Bei älteren Solarkollektorsystemen sollte man prüfen, ob diese dem modernen Stand der Technik entsprechen.

Schaefers Erfahrung nach liegt die Ursache für die Bakterien aus dem Leitungsnetz nicht selten innerhalb der eigenen vier Wände. Pfusch bei der Sanierung oder die Handgriffe eines unkundigen Heimwerkers machen den Legionellen in der Leitung erst Platz. Beispielsweise werden Waschbecken und Dusche zu weit entfernt vom Anschluss befestigt und über hintereinander geschaltete Metallschläuche mit Wasser versorgt. „Das ist verboten und äußerst problematisch hinsichtlich der Trinkwasserhygiene”, warnt Schaefer.

Nur jeweils ein einzelner Anschlussschlauch darf verwendet werden. Dieser muss mikrobiologisch geprüft und mit einem Prüfzeichen der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches, DVGW, zertifiziert sein.

Im Juli warnten amerikanische Mikrobiologen der Universität Boulder im Bundesstaat Colorado im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences” außerdem vor verseuchten Duschköpfen als Infektionsherd für die Legionärskrankheit. Doch in Deutschland werden hochwertige Geräte mikrobiologisch getestet und bei bestandener Prüfung mit einem Gütezeichen der DVGW versehen.

In einer dreimonatigen Untersuchung wird beobachtet, ob sich ein schleimiger Mikrobenfilm an der Brause bildet. „Wenn die Armaturen unauffällig sind, gibt es später auch kein Problem mit Legionellen”, macht Schaefer unmissverständlich klar. Wer billige Armaturen kauft, die nie geprüft wurden, kann dagegen tatsächlich unter der Dusche einen Bakterienschauer abbekommen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte und Kosten wie Mühen nicht scheut, erfährt beim örtlichen Gesundheitsamt, welches Labor das Leitungswasser auf Legionellen untersuchen kann. Auf gar keinen Fall sollte man dazu eigenmächtig eine Wasserprobe nehmen. „Das muss der Profi machen, sonst kann das Ergebnis fehlerhaft sein und vor Gericht hätte es kein Gewicht”, warnt Christian Lück vom Universitätsklinikum der Technischen Universität Dresden.

Falls man - allen Vorkehrungen zum Trotz - doch einmal unvermittelt an uncharakteristischen Beschwerden wie Gliederschmerzen, hohem Fieber, Verwirrtheit und Schmerzen beim Atmen leidet, „ist es so oder so höchste Eisenbahn, einen Arzt aufzusuchen oder ins Krankenhaus zu gehen”, mahnt Lück. Sofern es sich um eine Legionelleninfektion handelt, heilt diese, rechtzeitig therapiert, meist mit Antibiotika nach drei Wochen vollständig aus. Vor allem ältere und immunschwache Menschen sollten die Krankheitsanzeichen sehr ernst nehmen, da die Erkrankung unbehandelt auch tödlich ausgehen kann: Schätzungsweise jeder sechste Patient erliegt dem Leiden noch heute.

Legionellen: Woher die Krankheit ihren Namen hat

Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt die Legionärskrankheit den Umständen ihrer Entdeckung: Im Jahr 1976 erkrankten auf einem Treffen der American Legion, einer Veteranenorganisation der amerikanischen Armee, in einem Hotel in Philadelphia über 200 Teilnehmer an einer Infektion mit den typischen Kennzeichen einer Lungenentzündung. Gegen das sofort eingesetzte Penizillin schienen die Erreger jedoch resistent zu sein und etwa 30 der Erkrankten starben. Identifiziert wurden die Bakterien erst etwa sechs Monate später. Dann erhielten sie auch ihren Namen Legionella pneumophila.

Die Erkrankungswelle, zeigten spätere Untersuchungen, war von der Klimaanlage des Hotels ausgegangen, in dem der Kongress stattgefunden hatte. Rückwirkend konnten die Legionellen zudem für verschiedene andere Epidemien verantwortlich gemacht werden, darunter eine grippeähnliche Erkrankung im Jahr 1968 in Pontiac, Michigan. Diese Epidemie war gekennzeichnet durch hohes Fieber, ohne jedoch eine Beteiligung der Lunge. Derartige Varianten der Erkrankung werden heute noch als Pontiac-Fieber bezeichnet.

Infos im Internet

Das Robert-Koch-Institut hat einen Ratgeber zur Legionellose verfasst (siehe erster Link)

Eine sehr übersichtliche und gut strukturierte Webseite zur Legionärskrankheit bietet das Schweizer Bundesamt für Gesundheit. Unter anderem sind auch weiterführende Empfehlungen zu Übernachtungen in Hotels und zu Klimaanlagen gegeben (siehe zweiter Link).

Bücher

Rosemarie Karger, Klaus Cord-Landwehr, Frank Hoffmann: „Wasserversorgung”, Vieweg + Teubner Verlag, 2008, 34,90 Euro, ISBN: 978-3835102132.

Hans E. Müller: „Legionellen - Ein aktuelles Problem der Sanitärhygiene: Infektion und Bekämpfung”, Expert-Verlag, 2007, 45,00 Euro, ISBN: 978-3816927259