Wetzlar/Köln: Nicht nur heiße Luft: Neue Haartrockner versprechen auch Pflege

Wetzlar/Köln: Nicht nur heiße Luft: Neue Haartrockner versprechen auch Pflege

Häufiges Fönen schadet dem Haar. Wohl aus diesem Grund werben die Hersteller nun mit neuen Haartrocknern, die pfleglicher mit den Haaren umgehen sollen.

Wirklich gesund wird das Trockenpusten dadurch zwar nicht, sagen Experten. Ein gewisser Schonungseffekt lasse sich zum Teil aber feststellen.

Das Beste für das Haar ist und bleibt, es gar nicht der heißen Luft auszusetzen: „Haare mit dem Föhn zu trocknen ist grundsätzlich nicht so schonend, wie sie einfach an der Luft trocknen zu lassen”, sagt die Friseurmeisterin Stefanie Köhn aus Wetzlar. Allerdings habe nicht jeder immer die Zeit, darauf zu warten.

Außerdem helfe ein Föhn zwar nicht dabei, das Haar zu pflegen - er sorge aber dafür, dass es gepflegter aussieht, erläutert Köhn, die im Vorstand des Bundes Deutscher Haarformer (BDH) sitzt: „Schön gestyltes, glänzendes Haar wirkt immer attraktiver als ein luftgetrockneter Struwwelkopf.” Um das Fönen kommt also kaum jemand auf Dauer herum.

Wie sehr das Haar darunter leiden muss, kommt vor allem darauf an, wie heiß die Luft aus dem Puster ist. „Wenn die Temperatur zu hoch ist, wird die Haarstruktur nachhaltig geschädigt”, warnt Jens Dagné aus Worms, Vorstand der Friseurvereinigung Intercoiffure Deutschland.

Um die Hitze zu reduzieren und die Dauer der Behandlung zu verkürzen, hat sich die Industrie nun neue Techniken ausgedacht. Viele moderne Haartrockner arbeiten heute zum Beispiel auf Ionen-Basis. Dabei wird die Luft mit negativ geladenen Teilchen angereichert, die die Wassertropfen im Haar in kleinere Moleküle spalten.

„Das führt dazu, dass die Haare schneller trocken sind”, erläutert Friseurmeister Antonio Weinitschke aus Aachen, der auch Art-Direktor für Damenmode beim Zentralverband des Deutschen Frisurenhandwerks in Köln ist. „Und kürzeres Fönen schont das Haar.” Gleichzeitig verhinderten die Ionen das berüchtigte „Elektrisieren” des Haares. Durch Bürsten und Kämmen laden sich Haare positiv auf, stoßen sich gegenseitig ab und stehen dann oft lästig in alle Richtungen.

Die Ionen docken am Haar an und neutralisieren es. Dadurch werde die statische Aufladung reduziert. „Und die Oberfläche glänzt einfach mehr”, hat Köhn festgestellt. Ein weiterer Trick, das Haar auf gesündere Art trocken zu bekommen: Statt der Temperatur wird die Luftmenge gesteigert. Ein starkes Gebläse sorgt automatisch auch dafür, dass die Dauer des Frisierens deutlich kürzer ausfällt. „Lieber viel Luft als viel Hitze”, lautet Dagnés Fazit.

Manche Hersteller verwenden außerdem Keramikbeschichtungen an den Düsen, die die Wärme gleichmäßiger verteilen sollen. „Das alles pflegt die Haare zwar nicht, aber es behandelt sie deutlich schonender”, so wirbt zum Beispiel eine Sprecherin vom Hersteller Philips in Hamburg. Gezielte Pflege versprechen Modelle, die eine eingebaute Düse besitzen, aus der zeitgleich zur heißen Luft haarpflegende Vitaminkuren versprüht werden können.

Das sei Schnickschnack, urteilen die Friseure: „Dazu braucht es doch kein teures Spezialgerät”, findet Weinitschke. „Es ist viel günstiger, ein Hitzeschutzmittel zu kaufen und es vor dem Trocknen selbst auf dem Haar zu verteilen.” Solch eine feuchtigkeitsspendende Lotion lasse sich dann auch noch auf den individuellen Haartyp abstimmen, ergänzt Köhn. „Ein Fön, der das automatisch macht, ist absolut unnötig.” Und laut Weinitschke nutzen modernste Geräte wenig, wenn falsch mit ihnen umgegangen wird. Beim Fönen gelte: „Die Technik ist wichtiger als die Technologie.”


Tipps zum richtigen Fönen

Friseure raten dazu, vor dem Fönen immer ein Spezialprodukt auf die Haare zu geben, das sie vor dem Austrocknen schützt. Für Glanz sorgt dann neben einer hochwertigen Naturborstenbürste vor allem die richtige Technik: „Haare sind aufgebaut wie Dachziegel. Wenn ich gegen die Schuppenschicht föne, öffnet sie sich und wird rau”, erklärt Antonio Weinitschke vom Zentralverband des Deutschen Frisurenhandwerks in Köln.
Daher sollte der Luftstrom immer auf die Haarspitze gerichtet sein, nie auf den Ansatz. Damit das Haar nicht verbrennt, sollte der Fön außerdem nie auf höchster Stufe laufen und auch nicht zu dicht an das Haar gehalten werden: „Die heiße Luft muss immer entweichen können. Wenn sie sich staut, geht auf Dauer beides kaputt: Haar und Haartrockner.”

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