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Aachen: Neue Form der Strahlentherapie in der Euregio

Aachen : Neue Form der Strahlentherapie in der Euregio

Ein schweres Geschütz will das Universitätsklinikum Aachen demnächst auffahren, das schwerste, dass es gegen Krebs derzeit gibt.

Gemeinsam mit den Unikliniken von Maastricht und Lüttich planen die Aachener, ein Partikeltherapiezentrum zu errichten. Dabei handelt es sich um die modernste Form der Strahlentherapie, die mit wesentlich wirkungsvolleren und genaueren Strahlen als die herkömmliche Bestrahlung arbeitet. Wenn die noch offene Finanzierung des rund 120 Millionen Euro teuren Zentrums bis Herbst geklärt sein sollte, könnte es in drei bis vier Jahren im deutsch-niederländischen Avantis-Gelände bei Aachen in Betrieb gehen.

Mit Lichtgeschwindigkeit, fast

Bei dieser Therapie werden ganz andere Strahlarten als bisher verwendet, kleine elektrisch geladene Teilchen (daher Partikel-Zentrum), und zwar Protonen und Kohlenstoffionen. Als wesentlicher Vorteil des Verfahrens gilt, dass die Strahlendosis genau da - und nur da - ankommt, wo sie hin soll, beim Tumor.

Das umliegende gesunde Gewebe wird weit weniger geschädigt als jetzt, die Strahlendosis ist geringer, die Bestrahlungsszeit kürzer. Insgesamt gibt es weniger Nebenwirkungen. Vor allem von der noch intensiveren Kohlenstoffionentherapie heißt es: Sie bestrahlt den Tumor und nicht den Patienten. Noch offen ist aber, ob solche Schwerionen in einer ersten Ausbaustufe des Zentrums produziert würden.

Zur Erzeugung dieser Strahlen bedarf es mächtiger Apparate, Teilchenbeschleuniger, die die energiereichen Partikel auf fast 80 Prozent der Lichtgeschwindigkeit hochjagen. Weltweit gibt es derzeit einige Dutzend solcher Partikeltherapiezentren. In Deutschland sind seit einigen Jahren welche in Darmstadt, Berlin, München und neuerdings Heidelberg etabliert. Im Bau befinden sich Zentren in Kiel, Marburg und Essen, das bis Jahresende eröffnet werden soll. Gute Erfahrungen hat man, so heißt es, bei den mehr als 70.000 bislang weltweit bestrahlten Patienten vor allem bei Tumoren in Hirn, Augen und der Prostata gemacht.

In Nordrhein-Westfalen ist kein weiteres Zentrum geplant, der potenzielle Einzugsbereich für Aachen ist also ziemlich groß. Sechs bis acht Millionen Einwohner, rechnet Werner Kemper vor. Der stellvertretende kaufmännische Direktor des Aachener Uniklinikums ist auch Geschäftsführer der Projektgesellschaft Partikeltherapiecentrum Euregio Rhein-Maas GmbH (PTC), die sich noch in diesem Jahr auf dem Avantis-Gelände ansiedeln will.

Mitgesellschafter sind das Uniklinikum Maastricht und, seit Ende März, die Uniklinik von Lüttich. Der Beitritt der Belgier hat das vor Jahren schon einmal anvisierte Projekt überhaupt erst wieder denkbar gemacht.

Eigenes Kapital muss das Klinikum nicht aufbringen für das PTC, erläutert Kemper. Die Konstruktion ist vergleichbar der von Essen: Das PTC wird einem Konsortium von - noch zu findenden - privaten Investoren gehören. Dieses Unternehmen vermietet dann die Strahlen bzw. Strahlzeiten an die Gesellschafter, die Kliniken also.

Die Kosten für solche Bestrahlungen, über die dann mit den Krankenkassen verhandelt werden muss, können je nach Patient bis zu 20.000 Euro betragen, so jedenfalls heißt es aus Heidelberg. Direkte öffentliche Zuschüsse - bis auf 2,2 Millionen Euro aus Interreg-Mitteln - gibt es für das hiesige Projekt nicht, und sind nach Auskunft der Landesregierung auch nicht vorgesehen.

Im Vergleich dreier Länder

Die finanziellen Risiken sind beherrschbar, und wir machen das auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Gewinnoptimierung, sagt Werner Kemper. Das erste Motiv sei, dass diese Partikeltherapie eine der zukunftsträchtigsten Methoden der Strahlentherapie . Und dazu wäre solch ein Zentrum eine hervorragende Forschungsbasis für die Wissenschaftler, zumal im Vergleich dreier Länder.