1. Leben
  2. Gesundheit

Hamburg/Hannover: Neu entwickelte Musiktherapien helfen Schlaganfallopfern

Hamburg/Hannover : Neu entwickelte Musiktherapien helfen Schlaganfallopfern

Schlaganfallopfer können mit zwei neuartigen Verfahren der Musiktherapie besser behandelt werden als bisher bekannt war. Wissenschaftler der Hochschule für Musik und Theater Hannover haben nach einem Bericht der „Zeit” eine Therapie entwickelt, die den Patienten hilft, ihre Bewegungsfähigkeit mit Hilfe der Musik zu verbessern.

Bei diesem Musikunterstützten Training (MUT) lernen die Patienten, auf elektronischen Trommeln und später am Keyboard einfache Melodien zu spielen. So gewinnen sie langsam wieder Kontrolle über gelähmte Arme und Finger.

In einer Studie an der Universität Magdeburg war diese Therapie überlegen gegenüber herkömmlichen physiotherapeutischen Verfahren. Dabei wurden 60 Schlaganfall-Patienten getestet, von denen die eine Hälfte mit MUT, die andere mit traditionellen Therapien behandelt wurde. Nach 15 Sitzungen zeigten die MUT-Patienten eine deutlich bessere Bewegungsfähigkeit als die anderen. Nun wird diese Therapie an der Brandenburg-Klinik bei Berlin in der Praxis erprobt. Das Verfahren entwickelte der Musikermediziner und Neurologe Eckart Altenmüller. Ihre ersten Ergebnisse veröffentlichten Altenmüller und seine Doktorandin Sabine Schneider im „Journal of Neurology”.

Neue bildgebende Verfahren zeigen, dass Musikalität anders als andere Fähigkeiten nicht in einer eng umrissenen Hirnregion angesiedelt ist - vielmehr spricht sie neben dem Gehör, auch den Bewegungsapparat, das Gefühl und den Verstand an. Durch das Musizieren lernt der Patient, alle mit Musik befasste Hirnregionen mehr zu nutzen. Etwa 250.000 Menschen haben jährlich einen Schlaganfall. 90 Prozent sind in ihren Bewegungen eingeschränkt, bei etwa einem Drittel von ihnen soll das MUT infrage kommen.

Auch bei Sprachstörungen nach einem Schlaganfall könne Musik helfen, heißt es in dem Bericht. Viele Patienten, die ihre Sprache verloren haben, können noch singen, auch mit Text. Daran setzt die sogenannte MIT-Therapie an (Musical Intonation Therapy), die Gottfried Schlaug an der amerikanischen Harvard University erstmals systematisch untersucht hat. „Es ist eine Methode, die jeder Sprachtherapeut kennen sollte”, sagte Schlaug.