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London: Nebenwirkungen von Medikamenten führen häufig zum Tod

London : Nebenwirkungen von Medikamenten führen häufig zum Tod

Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten verursachen möglicherweise deutlich mehr Todesfälle als bislang angenommen.

Das ist das Ergebnis einer schwedischen Studie. Die Pharmakologin Anna Jönnsson von der Universität in Linköping und ihre Kollegen untersuchten mehr als 1500 Todesfälle in Schweden und stießen dabei auf eine überraschend große Zahl tödlicher Arzneimittel-Nebenwirkungen.

Fachleute wie der britische Mediziner Simon Thomas verweisen allerdings auf die vielen Fälle, wo Medikamente das Leben von Patienten verlängern. Über die Ergebnisse der Studie berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins „Nature” (DOI:10.1038/news.2008.676), die Originalstudie veröffentlichen die Forscher in der Fachzeitschrift „British Journal of Clinical Pharmacology” (Bd. 65, S. 573).

Für Patienten in Krankenhäusern ist die Gefährlichkeit von Nebenwirkungen seit längerem belegt. Rund fünf Prozent aller Todesfälle in Hospitälern gingen auf unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zurück, schätzen die schwedischen Forscher. Diese Zahlen decken sich auch mit Studien an amerikanischen Kliniken. Der Anteil tödlicher Nebenwirkungen an Sterbefällen insgesamt ist dagegen nur schwer zu ermitteln. Der Grund dafür ist laut Jönsson die mangelnde Berücksichtigung der Nebenwirkungen beim Ausstellen von Totenscheinen.

Um den Anteil von Nebenwirkungen mit Todesfolge in den Sterbestatistiken genauer aufzuschlüsseln, öffneten Jönsson und ihre Kollegen die Akten von 1574 Verstorbenen. Apotheker, Pharmakologen und ein Rechtsmediziner überprüften die Daten der Verstorbenen, die aus verschiedenen schwedischen Verwaltungsbezirken stammten. Bei 49 Toten stellten die Forscher einen Zusammenhang mit Medikamentenwirkungen her.

Die mit Abstand häufigste tödliche Nebenwirkung waren dabei Blutungen, die nach der Einnahme blutverdünnender Medikamente auftraten. In ihrer Studie fordern die Wissenschaftler daher eine bessere Aufklärung von Ärzten und Patienten über die Gefahren möglicher Nebenwirkungen. Zudem wollen sie die Akten der Toten noch einmal darauf untersuchen, ob sich vermeidbare Todesfälle darunter finden.

Der Mediziner Simon Thomas von der Universität Newcastle kritisiert die Studie allerdings: Die schwedischen Forscher hätten keine Aussage über die Todesfälle gemacht, die durch die Einnahme von Medikamenten verhindert würden. Gerade blutverdünnende Medikamente erwiesen sich für viele Patienten als lebensverlängernd, betont Thomas. Zudem sei noch unklar, ob die Daten aus Schweden auf andere Länder übertragbar seien. „Hier wird nur eine Seite der Medaille betrachtet”, bemängelt der Mediziner.