1. Leben
  2. Gesundheit

Hamburg/Köln: Nachlässiger Umgang mit Strom kann tödlich enden

Hamburg/Köln : Nachlässiger Umgang mit Strom kann tödlich enden

Ein Leben ohne Elektrizität können wir uns nicht mehr vorstellen. Dabei sei man sich des Risikos oft nicht bewusst, warnt Susanne Woelk von der Aktion „Das sichere Haus” in Hamburg: „Wir können Strom nicht sehen, hören oder riechen - und wenn wir ihn fühlen, kann es schon zu spät sein.”

Besonders gefährlich werde es immer dann, wenn Strom und Wasser zusammentreffen, wenn Stromkabel beschädigt sind oder wenn Kinder mit Strom in Kontakt kommen. „Wasser und Strom dürfen nicht miteinander in Verbindung kommen. Das heißt zum Beispiel, dass kein Familienmitglied duschen kann, während ein anderes sich föhnt - egal, wie eilig es alle morgens haben”, mahnt Woelk.

Aber nicht nur im Bad lauere Gefahr durch Feuchtigkeit: „Beim Tapezieren sollte man unbedingt die Steckdosen abdichten und die Sicherung herausnehmen, damit bei einem Kontakt zwischen den bloß liegenden Anschlüssen und feuchtem Kleister kein Strom fließt”, rät Woelk. Wer das nicht tue, müsse damit rechnen, dass im Extremfall die ganze Wand unter Strom stehe.

Schnäppchen können teuer werden

Unfälle durch beschädigte Kabel seien besonders bei Billigprodukten ein Risiko: „Da sollte man genau hinschauen und sich auch fragen, ob man für wenige Euro wirklich sichere Ware erwarten kann”, meint Woelk. Aktuell zum Weihnachtsfest warnt sie vor Billig-Lichterketten: „Hier sind die stromführenden Kabel oft sehr dünn, so dass sie brechen und durch die ebenfalls oft dünne Isolierung herausragen können.”

Vermeintliche Schnäppchen unter den Elektrogeräten können gefährlich werden - Stromschläge oder Brände drohen. Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland in Köln empfiehlt, auf Qualitätsware zu setzen und vorzugsweise Markenware, auf jeden Fall aber bei „sicheren Quellen” einzukaufen: „Große Handelsketten haben einen Ruf zu verlieren, deshalb achten sie darauf, dass die Produkte den allgemeinen Vorschriften entsprechen. Und wenn doch etwas passieren sollte, hat man eher die Möglichkeit zu reklamieren und Schadensersatzansprüche geltend zu machen.”

Produkte, bei denen Verpackungsbeschriftung, Warnhinweise und Gebrauchsanweisung nicht in deutscher Sprache vorliegen, sollte man besser im Laden lassen, warnt der TÜV-Rheinland-Experte: Diese dürften in Deutschland gar nicht auf dem Markt sein.

„Außerdem sollte man seinen Sinnen und seinem gesunden Menschenverstand vertrauen: Hat das Produkt scharfe Kanten, schauen Kabel raus, riecht es merkwürdig? All das sind Hinweise darauf, dass der Hersteller nicht allzu sorgfältig arbeitet und man von diesem vermeintlichen Schnäppchen besser die Finger lässt”, empfiehlt Diekmann.

Hilfreich für den Verbraucher seien Prüfsiegel: „Vor allem das GS-Zeichen hat sich durchgesetzt. Es zeigt, dass das Produkt von einer unabhängigen Prüforganisation getestet wurde. Auch die Produktionsbedingungen werden dabei überprüft - für Produkte, die mit Kinderarbeit oder unter Verstoß gegen Arbeitsschutzbestimmungen entstehen, gibt es kein GS-Siegel”, erläutert der TÜV-Rheinland-Experte.

Wenig Aussagekraft habe hingegen das CE-Zeichen: „Das ist eine Selbstverpflichtung des Händlers oder Importeurs, sich an die europäischen Richtlinien zu halten. Das kann man glauben - oder auch nicht.”

Ralf Diekmann rät bei Lichterketten zu LED-Ketten: „Die haben einen geringeren Stromverbrauch und produzieren dadurch auch weniger Abwärme. Dadurch ist zum einen die Gefahr, dass sie Dekomaterialien in Brand setzen, viel geringer, zum anderen sinkt das Risiko, sich an den Leuchtkörpern Verbrennungen zu holen. Außerdem sind die Ketten haltbarer und amortisieren sich durch den geringeren Verbrauch schnell selbst.”

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, vor allem wenn Kinder im Haushalt leben, sollte auf jeden Fall eine Lichterkette mit Trafo wählen: „Da ist die Spannung in der Kette auf 24 oder 12 Volt reduziert. Selbst wenn mal etwas passiert, sind die Folgen nicht schwerwiegend oder gar tödlich.”

Das gelte auch für alle Geräte in Kinderzimmern und für Spielzeug, ergänzt Woelk. Darüber hinaus sollten die Steckdosen im ganzen Haus durch Einsätze geschützt oder durch spezielle Kinderschutzsteckdosen ersetzt werden. Außerdem müssten Elektrogeräte natürlich für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.

Zusätzlichen Schutz, nicht nur in Haushalten mit Kindern, biete ein Fehlerstrom-Schutzschalter. In Neubauten seien diese zumindest für Bäder und Außenbereiche vorgeschrieben, könnten aber für das gesamte Haus nachgerüstet werden, auch in älteren Häusern.

Hausinstallation prüfen lassen

In betagten Gebäuden sei möglicherweise noch mehr nachzubessern. Wer ein älteres Haus besitze oder kaufen wolle, sollte von einem Elektriker überprüfen lassen, ob die Installationen noch funktionsfähig sind und der gestiegenen Zahl von Elektrogeräten im Haushalt noch gerecht werden, rät Sicherheitsexpertin Woelk.

Eine dauerhafte Überlastung der Leitungen könne zum Brand führen. Auch bei der Benutzung von Mehrfachsteckdosen sei Vorsicht geboten: „Waschmaschine, Trockner und Kühlschrank an denselben Mehrfachstecker zu hängen, ist keine gute Idee.” Auch dürfe man Mehrfachstecker nicht in Reihe schalten, um die zulässige Gesamtbelastung nicht zu überschreiten.

Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Stromunfall kommt, ist rasche Hilfe notwendig. „Der Helfer muss vor allem auf seine eigene Sicherheit achten”, mahnt Stefan Markus, Referatsleiter Erste Hilfe im Generalsekretariat des Malteser Hilfsdienstes in Köln. Zuerst müsse der Stromkreislauf unterbrochen, also der Stecker gezogen oder die Sicherung ausgeschaltet werden. Sei das nicht möglich, könne man den Verletzten mit einem nichtleitenden Gegenstand, zum Beispiel einer dicken Zeitschrift, einem Plastikstiel oder einem Stück Holz vom Strom trennen, wobei man unbedingt darauf achten müsse, dass dieser Gegenstand trocken sei.

Ist der Verletzte ansprechbar, könnten dann die Verbrennungen an der Stromein- und -austrittsmarke mit Wasser gekühlt und danach keimfrei abgedeckt werden. Nicht ansprechbare Unfallopfer sollten, wenn sie atmen, in die stabile Seitenlage gebracht werden, ansonsten müsse man mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Auf jeden Fall sei ein Notruf abzusetzen, auch wenn der Verletzte bei Bewusstsein sei: „Der Herzmuskel arbeitet vom Prinzip her auch mit elektrischen Impulsen, da kann Strom einiges durcheinanderbringen. Um Herzrhythmusstörungen auszuschließen, sollte sich der Verletzte untersuchen lassen”, rät Markus.

Viele weitere Infos zum Thema bietet die Broschüre „Sicher umgehen mit Strom und elektrischen Geräten”, die auf der Internetseite das-sichere-haus.de kostenlos heruntergeladen bzw. bestellt werden kann: Menüpunkt „Broschüren”, Unterpunkt „Haushalt”.