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München: Mit Autogenem Training jederzeit Tiefenentspannung

München : Mit Autogenem Training jederzeit Tiefenentspannung

Ruhe und Ausgeglichenheit sind im Alltag nicht immer leicht zu erlangen. Das Autogene Training soll dabei helfen, sich Schritt für Schritt zu entspannen - auch mal zwischendurch im Büro.

„Die Patienten lernen Formeln, die ähnlich wie eine Hypnose wirken. Mit etwas Übung können sie sich so selbst jederzeit in einen ruhigen, entspannten Zustand versetzen”, erklärt Delia Grasberger, Ärztin für Neurologie und Psychotherapie und Autorin des Ratgebers „Autogenes Training” (Gräfe & Unzer).

Besondere Accessoires sind für das Training nicht notwendig. Für die einzelnen Übungen, die man selbstständig erlernt, wobei eine ärztliche Anleitung Komplikationen vermeidet, sollte man sich lediglich in eine entspannte Position begeben. „Um das Autogene Training durchzuführen, schließt man dann die Augen und wandert mit der eigenen Wahrnehmung nach und nach durch den Körper. Dabei beginnt man mit der Schwere-Übung”, sagt Grasberger.

Dazu stelle man sich nacheinander vor, dass die Arme schwer werden, dann die Schultern, danach der Kopf - bis man bei den Beinen angelangt sei. „Darauf folgt die Wärme-Übung, bei der in der Vorstellung die einzelnen Körperteile von Wärme durchströmt werden. Nach diesen Durchläufen ist der ganze Körper völlig ruhig und entspannt”, betont Grasberger. Da in dieser Phase das Unterbewusstsein sehr leicht ansprechbar sei, könne man die Übungen auch noch durch positive Bekräftigungsformeln wie „Ich bestehe meine Prüfung mit Bravour” oder „Ich bin schnell und gewinne das Rennen” ergänzen.

Anfangs sollte man jedoch erst einzelne Übungsschritte durchführen und den Ablauf über mehrere Wochen langsam aneinanderfügen. „Wenn man das Autogene Training mittels eines Buchs oder einer CD selbst erlernen will, sollte man dreimal täglich kurz üben”, sagt Grasberger, „zum Beispiel im Büro zwischendurch.”

Man könne beispielsweise erst einmal die Schwere-Übung mit den Armen durchführen und dem Gefühl nachspüren, bis man es intensiv wahrnimmt. „Die Wirkung tritt mit jedem Üben schneller ein, manche Betroffene merken schon nach zwei Wochen Anzeichen der Tiefenentspannung. Aber der Weg ist sehr individuell, man braucht etwas Geduld”, gibt Grasberger zu bedenken.

Kurse in Autogenem Training werden beispielsweise an Volkshochschulen und in Arztpraxen angeboten. „Man sollte bei der Auswahl des Trainers aber immer darauf achten, dass er eine anerkannte Ausbildung durchlaufen hat”, sagt Delia Grasberger. Schließlich öffne man dem Übungsleiter im Laufe der Übungen sein Unterbewusstsein und mache sich dadurch angreifbar für unsachgemäße Einflüsse von außen. „Am Besten fragt man bei der Ärztekammer nach, ob das Zertifikat des Trainers eingetragen ist”, rät Grasberger.

Grundsätzlich eignen sich die Übungen des Autogenen Trainings für jeden. „Man sollte sich jedoch vor Beginn auf jeden Fall von einem Arzt durchchecken lassen. Denn beispielsweise bei Herzproblemen oder Kopfschmerzen kann unsachgemäßes Training zu einer Verschlechterung führen”, sagt Grasberger. Auch für Menschen mit Psychosen wie Schizophrenie sei das Autogene Training wegen seiner öffnenden Wirkung auf das Unterbewusstsein nicht zu empfehlen.