Frankfurt/Main/Berlin: Mehr Transparenz bei Kosmetik: EU regelt Einsatz von Nanopartikeln

Frankfurt/Main/Berlin: Mehr Transparenz bei Kosmetik: EU regelt Einsatz von Nanopartikeln

Winzige Partikel, die bestimmte Produkteigenschaften verbessern sollen: Die Industrie setzt große Hoffnungen in die Verwendung sogenannter Nanomaterialien - und auch die Kosmetikhersteller mögen nicht darauf verzichten.

Ihre Wirkung auf Mensch und Umwelt ist zwar bislang noch nicht abschließend erforscht, trotzdem finden sie sich bereits in vielen Produkten - ohne dass dies bislang auf der Verpackung ausgewiesen werden musste.

Damit ist nun Schluss: Das Europäische Parlament hat eine neue Kosmetik-Verordnung verabschiedet, nach der die Hersteller künftig eingesetzte Nanomaterialien als Inhaltsstoffe aufführen und die Bezeichnung „Nano” in Klammern voranstellen müssen. Zudem muss bei der EU-Kommission ein Sicherheitsdossier eingereicht werden. Bestehen Zweifel an der Sicherheit des verwendeten Materials, kann die EU eine Untersuchung des Stoffes beauftragen und gegebenenfalls spezielle Regelungen hierfür verabschieden.

Bei den Nanopartikeln handelt es sich um Teilchen, die kleiner als ein Staubkorn sind. Bislang finden vor allem die Stoffe Titandioxid und Zinkoxid Verwendung. Sie kommen vor allem als UV-Filter in Sonnenschutzcremes zum Einsatz. „Fast alle Sonnenschutzmittel am Markt enthalten heute die beiden Stoffe”, bestätigt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel in Frankfurt/Main.

Die Industrie schätzt Stoffe wie Titandioxid oder Zinkoxid in Nanoform, weil sie neue Möglichkeiten eröffnen. „Früher wurden die beiden Stoffe als größere Weißpigmente eingesetzt. Sie hinterließen jedoch einen - für den Verbraucher unerwünschten - weißlichen Film auf der Haut”, sagt Huber. Die heute in Sonnenschutzmitteln verwendeten Nanopartikel sind dagegen für das menschliche Auge unsichtbar. Zudem bieten sie Huber zufolge eine höhere Schutzwirkung gegenüber UV-Strahlung. Vor allem Produkte mit sehr hohen Lichtschutzfaktoren könnten heute nur durch den Einsatz dieser Nanopigmente hergestellt werden.

Verschiedene wissenschaftliche Studien kommen dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin zufolge jedoch zu dem Ergebnis, dass die Stoffe unter bestimmten Umständen das menschliche Erbgut schädigen können. „Bei gesunder Haut gehen unseren Erkenntnissen zufolge allerdings von den bisher am Markt eingesetzten Nanomaterialien keine unmittelbaren Gefahren für den Verbraucher aus”, wendet Mario Götz vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin ein. Die neue Kosmetik-Verordnung stärke zudem den Verbraucherschutz.

Der BUND hält die neue Verordnung zwar für einen Schritt in die richtige Richtung - ausgereift seien die Regelungen zum Einsatz der Nanomaterialien jedoch noch nicht. „Die Definition für Nanomaterialien in der EU-Verordnung ist unserer Meinung nach zu eng gefasst. Viele wesentliche Stoffe werden ausgeschlossen”, sagt Katja Faupel vom BUND. Bislang fehlt es an einer weltweit einheitlichen Definition des Begriffs Nanomaterialien. In der EU-Kosmetikverordnung gelten nur unlösliche und beständige Materialien in einer Größe von 1 bis 100 Nanometern als Nanomaterialien.

Nach Ansicht des BUND sollte die Definition auch auf abbaubare und lösliche Stoffe ausgeweitet werden. „Andernfalls können eine ganze Menge Nanomaterialien ohne entsprechende Kennzeichnung verwendet werden”, erklärt Faupel. Sie geht daher davon aus, dass die Verordnung bald nachgebessert werden muss. „Dies ist prinzipiell möglich”, ergänzt Götz. Die neue Verordnung biete den Spielraum, Definitionen und Regelungen an den technischen Fortschritt anzupassen.

Kritiker bemängeln außerdem die lange Übergangsphase: Die neue Verordnung tritt erst 2012 in Kraft. Bis dahin dürfen Nanomaterialien weiterhin ungekennzeichnet verwendet werden. Wer sich bis zur endgültigen Umsetzung der Verordnung darüber informieren will, ob ein Produkt Nanomaterialien enthält oder nicht, dem bleibt Faupel zufolge nur eine Möglichkeit: beim Hersteller anrufen und nachfragen.

Schild am Regal soll informieren

Hanne Vedder von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat ein weiteres Problem in Sachen Kennzeichnung von Nanopartikeln ausgemacht: „Bei Artikeln wie Lippenstift oder anderen dekorativen Mitteln fehlt auf der Verpackung der Platz, um die Inhaltsstoffe aufzulisten.” Die EU-Verordnung sehe vor, dass diese Informationen auf einem Schild am Verkaufsregal stehen müssten. Das sei unpraktisch. „Wir hätten uns gewünscht, dass entsprechende Produkte nur im Umkarton mit einem Beipackzettel verkauft werden dürften.” Insgesamt begrüßt sie aber die neue Verordnung. Schließlich gelten damit ab 2012 einheitliche Regelungen in allen Mitgliedsstaaten.

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