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Regensburg: Mehr Leistung durch Power-Napping

Regensburg : Mehr Leistung durch Power-Napping

Schlafen am Arbeitsplatz - das ist in den meisten Unternehmen tabu. Wer im Büro um die Mittagszeit ein Nickerchen hält, gilt als faul und riskiert wegen Arbeitsverweigerung seine Kündigung. Seit einigen Jahren gewinnt die in Südeuropa so beliebte Siesta allerdings auch in Deutschland an Akzeptanz.

Immer mehr Arbeitgeber dulden die Auszeit nicht nur, sondern fördern sie sogar - indem sie für ihre Beschäftigten Ruheräume zur Regeneration einrichten. Offenbar spreche sich allmählich herum, dass ein Mittagsschlaf nicht nur das persönliche Befinden verbessere, sondern sich auch positiv auf das Leistungsvermögen auswirke, sagt Professor Jürgen Zulley, Schlafforscher am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg.

Denn das Nickerchen zur Tagesmitte entspreche ganz einfach dem biologischen Rhythmus. „Ganz unabhängig von den Mahlzeiten steuern wir zur Mittagszeit ein Leistungstief an”, sagt der Schlafexperte. Vermeiden lässt sich dieser Durchhänger praktisch nicht. Aber mit einer kurzen Auszeit kann man den Akku wieder effektiv aufladen.

Dies belegten in der Vergangenheit nach Angaben von Zulley zahlreiche Studien, darunter eine US-amerikanische, wonach die Leistungsfähigkeit nach einem kurzen Nickerchen um rund 35 Prozent ansteigt. Und gesund sei es auch: Laut einer griechischen Studie sinke das Herzinfarktrisiko um 37 Prozent. In den USA ist man daher auch schon deutlich weiter, was die Akzeptanz von mittäglichen Ruhepausen angeht.

Sogenannte Chillout-Räume und futuristisch anmutende Schlafkapseln gehören in den dortigen Unternehmen längst zur Normalität, um Arbeitnehmern ihr wohlverdientes Power-Napping (Nap ist der englische Begriff für Nickerchen) zu ermöglichen. Denn schließlich zahlen sich die kreativen Pausen in mehr Produktivität und damit in barer Münze aus.

„Der optimale Mittagsschlaf dauert zehn Minuten”, sagt Zulley. Auf ein oder zwei Minuten mehr kommt es zwar nicht an, doch länger als eine halbe Stunde sollte man keinesfalls schlummern. Andernfalls gerate man in eine Tiefschlafphase und wache nicht angenehm erholt, sondern müde und schlaftrunken auf.

Überhaupt rät der Experte, sich nicht ins Bett oder auf ein Sofa zu legen, da dies ein Versinken im Tiefschlaf eher fördere. Besser seien Bürostühle mit bequemer Kopfstütze, auf denen man sich für ein paar Minuten zurücklehnen kann. „Man muss nicht schlafen”, betont Zulley. So hätten die Studien auch gezeigt, dass bewusstes Abschalten mit geschlossenen Augen ausreiche, um den Erholungseffekt zu bewirken.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für Berufstätige, sondern für alle Teile der Bevölkerung. So können Zulley zufolge auch Hausfrauen oder Studenten vom Mittagsschlaf profitieren. Senioren dürften sogar noch ein wenig länger schlummern. Weil ihre innere Uhr mit den Jahren an Kraft verliert, schlafen sie nachts häufig nicht mehr so lange. „Diese fehlende Erholungszeit sollten sie sich dann tagsüber nehmen”, rät der Schlafexperte.