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Köln: Mehr Brustkrebs bei Hormonersatztherapie

Köln : Mehr Brustkrebs bei Hormonersatztherapie

Ein internationales Forscherteam hat entdeckt, warum die Einnahme von Hormonen etwa während der Wechseljahre das Risiko für Brustkrebs erhöht.

Die synthetischen Wirkstoffe kurbeln in den Brustdrüsenzellen die Produktion eines Proteins an, das eigentlich vor allem für seine Rolle im Knochenstoffwechsel bekannt ist. In der Brust erhöht es jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Zellen unkontrolliert teilen und damit Tumoren bilden. Das teilt die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit.

Zwar stammen die Ergebnisse bisher nur aus Versuchen mit Mäusen, die Forscher sind jedoch ziemlich sicher, dass beim Menschen der gleiche Mechanismus am Werk ist. Sollte sich das bestätigen, gibt es gleich noch eine gute Nachricht dazu: Ein neues Medikament gegen Osteoporose blockiert das verantwortliche Protein und könnte damit möglicherweise dem Brustkrebs vorbeugen. An der Studie unter Leitung von Josef Penninger von der ÖAW waren auch Forscher aus Köln und Erlangen beteiligt.

Neben einer genetischen Veranlagung gehört auch die langjährige Einnahme von Sexualhormonen, etwa zur Empfängnisverhütung oder als Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, zu den Risikofaktoren für Brustkrebs. Problematisch scheint dabei unter anderem der Einsatz von synthetischen Progesteronen zu sein - warum, war bisher nicht bekannt. Penninger und seine Kollegen hegten jedoch bereits seit längerem den Verdacht, ein Protein namens RANKL könne einer der Hauptverantwortlichen sein.

Eigentlich ist es am Knochenstoffwechsel beteiligt und damit ein Schlüsselfaktor für Osteoporose. Doch Penninger hatte schon vor etwa zehn Jahren entdeckt, dass trächtige Mäuse auch auf das Protein angewiesen sind, um funktionierende Milchdrüsen bilden zu können - und dass die Gabe von Sexualhormonen die RANKL-Produktion steigert.

Der Schluss, das Protein könne auch an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt sein, lag für die Forscher daher nahe. Diese These konnten sie dank geeigneter Tiermodelle jetzt auch bestätigen. Ihrer Ansicht nach läuft der Mechanismus wie folgt ab: Die synthetischen Hormone erhöhen die RANKL-Produktion in den Brustdrüsenzellen. Dadurch beginnen diese, sich vermehrt zu teilen, während gleichzeitig ein zelleigenes Selbstmordprogramm ausgesetzt wird. Zusätzlich wird die Stammzellproduktion in der Brust heraufgefahren. Zusammengenommen erhöhen diese Faktoren das Risiko, dass sich die Zellen unkontrolliert zu teilen beginnen, deutlich.

„Ich bin wirklich überrascht davon, wie massiv der Einfluss des RANKL-Systems auf die Brustkrebsentstehung ist”, kommentiert Josef Penninger. „Da wir nun den Mechanismus der Tumorentstehung kennen, sind auch vorbeugende Maßnahmen denkbar. Durch Medikamente, die RANKL blockieren, könnten Frauen möglicherweise in Zukunft ihr Brustkrebsrisiko senken”, hofft er. Einen aussichtsreichen Kandidaten für einen solchen Wirkstoff gibt es bereits: Seit Ende Mai ist in Europa ein Antikörper namens Denosumab als Arznei gegen Osteoporose zugelassen, der genau diesen Wirkmechanismus hat. Die Forscher hoffen nun, möglichst bald mit klinischen Studien beginnen zu können.