Mainz: Mediziner: Heimträger ignorieren Wünsche alter Menschen

Mainz: Mediziner: Heimträger ignorieren Wünsche alter Menschen

Der Hamburger Mediziner und Buchautor Klaus Dörner hat Wohlfahrtsverbänden und Trägern von Pflegeheimen vorgeworfen, die Wünsche älterer Menschen nach einem würdevollen Heimleben systematisch zu ignorieren.

Pflegedienste und Betreiber von Alteneinrichtungen müssten gesetzlich dazu gezwungen werden, mindestens eine ambulante Wohnpflegegruppe aufzubauen, forderte Dörner am Dienstag bei einer Tagung zum Fachkräftemangel in der Pflege in Mainz.

Bereits in zehn Jahren könnte nahezu jede Familie vor einem existenziellen Pflegeproblem stehen, warnte Dörner. Grund dafür seien „Altenexplosion und Kinderimplosion”, die wachsende Zahl älterer Menschen und sinkende Geburtenraten. Die Akzeptanz von Pflegeheimen sei gegen Null gesunken, ohne dass die Verbände nötige Konsequenzen gezogen hätten.

Nachbarschaftshilfe und bürgerschaftliches Engagement nach dem Vorbild der Hospizbewegung müssten künftig viele Aufgaben professioneller Pflegekräfte ersetzen, sagte Dörner. Wenn sich Altenpfleger auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren könnten und zugleich für die Betreuung der Bürgerhelfer zuständig wären, würde dies das Ansehen der Pflegeberufe deutlich anheben. Auch eine bessere Bezahlung sei nötig.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) sprach sich unterdessen dafür aus, Pflegeberufe stärker für junge Menschen mit Hauptschulabschluss zu öffnen. Auch die bisherigen Fachkräftequoten in der Pflege seien künftig kaum aufrecht zu erhalten, warnte bpa-Präsident Bernd Meurer. Die Fachtagung unter dem Titel „Der Pflege gehen die Profis aus - Gute Pflege braucht Experten” ist Teil einer Kampagne von Wohlfahrtsverbänden und privaten Anbietern, mit der auf aktuelle Probleme in der Pflege hingewiesen werden soll.

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