1. Leben
  2. Gesundheit

Berlin/Essen: Leicht verstrahlt: Röntgen ist deutlich verträglicher geworden

Berlin/Essen : Leicht verstrahlt: Röntgen ist deutlich verträglicher geworden

Das Röntgen gehört zu den Oldtimern in der Medizin. Verzichten lässt sich auf die über 100 Jahre alte Technik aber selbst im Zeitalter der Hightech-Chirurgie nicht. Erlaubt doch immer noch sie es dem Arzt, in das Innere seines Patienten zu sehen - und zwar völlig schmerzlos.

Doch auch die Nachteile des faszinierenden Verfahrens sind die alten: Röntgen-Strahlen greifen das Körpergewebe an und können die Entstehung von Tumoren begünstigen. Experten kritisieren allerdings, dass die Gefahr von Röntgen-Strahlen dramatisiert werde. „Die Chance, durch eine Mammographie Brustkrebs rechtzeitig zu erkennen und einen Todesfall zu vermeiden, ist zwischen 30- bis 100-mal größer, als durch die Untersuchung einen Todesfall zu verursachen”, sagt Professor Bernd Hamm, Radiologe an der Berliner Charité und Vizevorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Radiologen.

Dies ist der Forschung zu verdanken, die in diesem Bereich in den vergangenen Jahrzehnten einen großen Schritt vorangekommen ist. „Die Menge an Strahlen, der sich ein Patient pro Untersuchung aussetzt, ist um ein Vielfaches gesunken”, betont der Radiologe.

Voraussetzung ist unter anderem, dass der Arzt ein modernes Röntgen-Gerät verwendet. Dies sollte Hamm zufolge nicht älter als zehn Jahre sein. „Patienten wenden sich am besten an Radiologie-Praxen, die sich auf Röntgen-Untersuchungen spezialisiert haben und in der Regel über eine moderne Ausstattung verfügen”, rät der Mediziner.

Auch wer das Röntgen-Gerät bedient, spielt eine Rolle. „Es ist durchaus ein Qualitätsunterschied, ob eine Medizinisch-Technische Assistentin mit drei Jahren Berufsausbildung oder eine Arzthelferin mit Röntgen-Crashkurs die Untersuchung durchführt”, betont Hamm. Misstrauisch werden sollten Patienten dann, wenn Ärzte offensichtlich ohne jede Not röntgen, nur um das teure Röntgen-Gerät durch möglichst häufige Untersuchungen zu refinanzieren.

In jedem Fall lohnt es sich für Patienten, einen Röntgenpass mit sich zu führen, der alle Untersuchungen in der Vergangenheit dokumentiert. Zudem hat es der behandelnde Arzt leichter, da er anhand von Voraufnahmen krankhafte Gewebeveränderungen besser diagnostizieren kann. Der Pass ist unter anderem in Arztpraxen oder bei Krankenkassen erhältlich.

Auch wenn sich das Grundprinzip der Röntgen-Untersuchung seit ihrer Erfindung nicht geändert hat, haben sich die diagnostischen Möglichkeiten für Radiologen deutlich verbessert. „Dank moderner Computertomographie lässt sich heute jedes Organ scheibchenweise darstellen”, sagt Professor Michael Forsting, Neuroradiologe an der Universität Essen und Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft. Ärzte können dem Patienten operative Eingriffe mit Skalpell oder Katheter so häufig ersparen.

Gleichwohl sind die Potenziale der Röntgentechnik noch nicht erschöpft. „Ein aktueller Forschungsschwerpunkt ist, die Computertomographie speziell im Bereich der Herzkranzgefäße noch präziser zu machen”, sagt Forsting. Detailliertere Aufnahmen würden die Diagnostik verbessern und operative Eingriffe mit dem Herzkatheter möglicherweise überflüssig machen.

Gleichzeitig arbeiten die Wissenschaftler Forsting zufolge an einer Verbesserung der Kernspin-Tomographie. Diese erzeugt anhand von Magnetfeldern und Radiowellen ein sehr detailliertes Schnittbild des Körpers und kommt ganz ohne schädliche Röntgen-Strahlen aus.

Bis es soweit ist, werden Ärzte noch häufig auf die konventionelle Röntgen-Technik zurückgreifen. Der Oldtimer aus dem 19. Jahrhundert, für den Wilhelm Conrad Röntgen den Nobelpreis für Physik erhielt, bleibt also en vogue. „Selten haben sich Innovationen so lange gehalten und bewährt wie das Röntgen, mal abgesehen von der Glühbirne”, sagt Radiologe Hamm.