1. Leben
  2. Gesundheit

Berlin: Laute in Bewegungen umwandeln: Mit Heileurythmie zur Lebensmitte

Berlin : Laute in Bewegungen umwandeln: Mit Heileurythmie zur Lebensmitte

Heileurythmie soll den Menschen helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das therapeutische Mittel: Elemente der Sprache und der Musik in Bewegung umwandeln. Manch einer lächelt erstmal und ist skeptisch. Doch Studien legen nahe, dass gezielte heileurythmische Übungen wirken.

Was ist Heileurythmie?

Der Begriff besteht aus den griechischen Wörtern „eu” (auf Deutsch: gut) sowie „rhythmos” (Rhythmus). Übersetzt heißt also Heileurythmie gute oder harmonische Bewegung. Heileurythmie ist eine künstlerische Bewegungstherapie. Sie gehört zu den Behandlungsmethoden der Anthroposophischen Medizin, die sich als eine Ergänzung zur herkömmlichen Medizin sieht. Bei der Heileurythmie werden Bewegungen mit Sprache und Musik - ihren Klangfarben, ihren Dynamiken und ihren Rhythmen - verbunden. „Jeder Vokal, jeder Konsonant oder Ton hat eine eigene Laut-, Sprach- oder Tongebärde, die in Bewegung umgesetzt wird”, erläutert die Stuttgarter Heileurythmistin Eva Bader. Sie ist geschäftsführender Vorstand beim Berufsverband Heileurythmie (BVHE).

Wie sieht die Behandlung konkret aus?

Abhängig vom Krankheitsbild wird ein individueller Therapieplan erstellt. „Dies geschieht in Absprache mit dem behandelnden Arzt”, sagt Bader. Die Heileurythmie wird sowohl ambulant als auch stationär angewandt - unter Anleitung von ausgebildeten Therapeuten. Die Übungen beziehen Arme, Beine oder auch den ganzen Körper mit ein. Heileurythmie kann im Stehen, im Sitzen oder auch im Liegen erlernt und ausgeübt werden. „So kann jeder selbstständig in therapeutischer Begleitung seinen Heilungsprozess selbst aktiv mitgestalten”, sagt Bader. Die Behandlung wird meist mit einfachen Grundübungen zur Körperwahrnehmung und mit rhythmischen Bewegungen begonnen.

Was muss bei Heileurythmie grundsätzlich beachtet werden?

„Heileurythmie ist kein Allheilmittel, sondern eine Ergänzung zur herkömmlichen Medizin”, betont der Kinderarzt Stefan Schmidt-Troschke. Er ist Geschäftsführer beim Bürger- und Patientenverband Gesundheit Aktiv - Anthroposophische Heilkunst. Natascha Hövener, Sprecherin beim Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD), verweist darauf, dass die Heileurythmie bei einem schweren Krankheitsbild niemals alternativ zu einer ärztlichen Behandlung eingesetzt wird.

Bei welchen Krankheiten kann Heileurythmie helfen?

Zum Beispiel bei Burnout oder Stress. „Heileurythmie kann helfen, einen individuell passenden Rhythmus zwischen Tag und Nacht oder Anspannung und Entspannung zu finden und Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu entwickeln”, sagt die Berliner Heileurythmistin Kim Pretzer. Heileurythmie hilft aber auch bei anderen Erkrankungen wie etwa Depression, Migräne, Bluthochdruck, Asthma oder Darmerkrankungen. „Auch in der ergänzenden Begleitung einer Krebstherapie kann Heileurythmie dazu beitragen, dass der Erkrankte zu neuer Lebensenergie kommt”, erklärt Schmidt-Troschke. Bader verweist auch auf Erfolge der Heileurythmie bei Entwicklungsstörungen bei Kindern und Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Wo stößt die Heileurythmie an ihre Grenzen?

Der Patient muss aktiv mitarbeiten und sich auf die Therapie einlassen. Tut er das nicht, dann kann diese Behandlungsmethode nicht erfolgreich sein. „Es gibt immer wieder Menschen, die anfangs sehr kritisch sind, dann aber schnell spüren, dass sie mit der Heileurythmie etwas für sich selbst tun können”, berichtet Pretzer. Gerade chronisch erkrankte Menschen erlebten dadurch, dass sie nicht nur behandelt werden, sondern selbst aktiv werden können. Aber: „Bei fieberhaften Erkrankungen und bei akuten Psychosen sollte die Heileurythmie nicht eingesetzt werden”, erklärt Bader.

Was sagen Studien zur Wirkung von Heileurythmie?

Es gibt verschiedene Studien mit guten Ergebnissen für die Heileurythmie. Beispielsweise wurde bei der internationalen AMOS-Studie (Anthroposophic Medicine Outcomes Study) auch die Heileurythmie wissenschaftlich untersucht. Mehr als 400 Patienten aus 94 anthroposophischen Arztpraxen in Deutschland erhielten wegen verschiedener chronischer Erkrankungen Heileurythmie. Nach den Ergebnissen dieser Studie verbesserten sich die Krankheitsbeschwerden sowie die Lebensqualität.

Kommen die Krankenkassen für die Behandlungskosten auf?

Die Heileurythmie gehört nicht zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), da ihre Wirkung nicht hinreichend genug wissenschaftlich erwiesen ist. Allerdings zahlen einige Kassen auf freiwilliger Basis. „Jeder, der Heileurythmie erlernen möchte, sollte sich im Vorfeld der Behandlung bei seiner Kasse erkundigen, ob sie zahlt oder nicht”, rät die Nürnberger Patientenberaterin Claudia Schlund von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Dabei sollte gefragt werden, ob die Leistung ganz oder nur teilweise von der Kasse übernommen wird.

(dpa)