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Langenhagen: Kuschelroboter im Heim: Wie Hightech in der Altenpflege helfen soll

Langenhagen : Kuschelroboter im Heim: Wie Hightech in der Altenpflege helfen soll

Wenn Paro ihre dunklen Knopfaugen öffnet, dürfte so mancher Tierfreund schwach werden. Dabei stecken unter dem weißen Fell der Babyrobbe nur Schrauben und Rädchen: Paro ist kein echtes Tier, sondern ein Roboter, der vom japanischen Forschungsinstitut AIST entwickelt wurde.

In Japan wird der künstliche Heuler schon länger in der Altenpflege eingesetzt - jetzt testen auch Heime in Deutschland die Kuscheltiere als Begleiter für ihre Bewohner. Kritiker fürchten jedoch, dass ein vermehrter Einsatz von Technik weniger Betreuung durch das Pflegepersonal bedeutet.

Seit mehr als einem Jahr werden die Roboter in einem Altenstift der Maternus-Kliniken in Baden-Baden erprobt: Dort soll die Robbe Paro bei der Therapie von Demenzkranken helfen. „Wenn die mit dabei ist, haben alle sofort Gesprächsstoff und lachen miteinander - da leben einige wieder richtig auf”, sagt Klinik-Sprecher Tobias Bachhausen in Langenhagen bei Hannover. Einige Heimbewohner hätten schon eine Beziehung zu dem Stofftier aufgebaut. „Das wirkt wie echt: Wenn die fiept und die Augen aufmacht, das spricht einfach das Herz an.”

Die kleinen Streicheleinheiten helfen laut Bachhausen außerdem, angespannte Patienten zu beruhigen. „Dadurch müssen wir bei einigen zum Beispiel weniger Beruhigungsmittel verabreichen. Und auch die Pfleger bekommen einen leichteren Zugang zu Patienten.” Für Tierliebhaber sei das Stofftier zudem oft ein Ersatz für verstorbene Haustiere. „Das weckt bei vielen Erinnerungen an früher und kann dadurch helfen, das Gedächtnis zu fördern.”

Der Forscher Prof. William Banks von der Saint Louis Universität im US-Bundesstaat Missouri kann die positive Wirkung von Robotern im Heim bestätigen - er hat sie anhand von Elektrohunden untersucht. „Ob lebendig oder batteriebetrieben - Hunde können Tierliebhabern im Heim helfen, sich weniger einsam zu fühlen.” Banks und sein Team verglichen die Reaktionen von Heimbewohnern, von denen die einen Kontakt zu einem echten Hund hatten und die anderen mit dem Roboterhund Aibo von Sony vorlieb nehmen mussten. Das Ergebnis: Der E-Dackel hatte die gleiche Wirkung auf die Senioren wie der lebende Hund - sie fühlten sich weniger allein.

Dabei sei die Täuschung keineswegs so perfekt, dass die Bewohner den Roboterhund für echt hielten, sagt Banks. „Es scheint vielmehr, dass die Menschen sich stark zu dem Tier hingezogen fühlen, obwohl sie wissen, dass es ein Roboter ist.”

Der Unterschied zu einfachen Kuscheltieren sei die künstliche Intelligenz: Der Roboter besitze eine ausgeklügelte Software und werde erst dadurch liebenswert, sagt Banks. Dem stimmt auch Heimsprecher Bachhausen zu: Ein Stofftier werde nicht als ernsthafter Partner angesehen. Die Roboterrobbe reagiert dagegen mit Wohllauten, wenn sie gestreichelt wird und kann sich sogar merken, wer sie gut behandelt.

Paro und Aibo sind dabei längst nicht die einzigen Robotermodelle, die Senioren ein Begleiter sein können. Auch Forscher der TU Darmstadt und Firmen wie Wowwee haben bereits Elektrohunde entwickelt. Und schon länger sind Spielzeuge wie sprechende Puppen und batteriebetriebene Kanarienvögel erhältlich.

Die Technik könne die menschliche Betreuung aber nie ersetzen, sondern nur ergänzen, sagt Heiko Fillibeck vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe in Köln. „Sie darf also nicht dazu führen, dass die Patienten das Stofftier in die Hand gedrückt bekommen und dann alleingelassen werden.” Ein solches Angebot müsse zudem immer individuell zugeschnitten sein. „Nicht alle mögen das. Und wenn einer nach einer halben Stunde keine Lust mehr hat, muss der Pfleger darauf reagieren.”

Auch sollte der Umgang mit lebenden Tieren weiterhin gepflegt werden, sagt Fillibeck. „Eine solche Elektro-Robbe zum Beispiel beruhigt ja eher. Echte Tiere können aber oft helfen, Ältere aufzumuntern, wenn sie sonst sehr in sich gekehrt sind.”

Ein eigenes Haustier eigne sich für viele Pflegebedürftige aber nicht, sagt Bachhausen. „Da gibt es oft Probleme mit Allergien, oder die Besitzer können sich nicht mehr richtig um ihre Tiere kümmern.” Zwar müsse der Einsatz von Kuschelrobotern immer begleitet werden. Sie seien daher nur ein Hilfsmittel für den Pfleger. „Grundsätzlich muss mehr Technik aber nicht weniger Menschlichkeit bedeuten.”

In diesem Jahr soll die Robbe Paro auch in Deutschland auf den Markt kommen. Ob sie sich dann in Pflegeheimen durchsetzen wird, bleibt fraglich. Denn die Modelle kosten bislang mehr als 2000 Euro. Ähnlich viel hatte auch Sony für seinen Elektrohund Aibo verlangt - dessen Herstellung wurde inzwischen wieder eingestellt.