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Berlin: Kur und Reha: Ärztliche Verordnung und Selbstzahler

Berlin : Kur und Reha: Ärztliche Verordnung und Selbstzahler

Die Krise ist vorbei: Deutschlands Kur- und Heilbäder verzeichnen nach wirtschaftlich mageren Jahren wieder steigende Gästezahlen. Das liegt aber nicht daran, dass Ärzte ihren Patienten wieder häufiger Kuren verordnen. Vielmehr sind immer mehr Menschen bereit, einen Aufenthalt in einem Kurort mit Fango-Bädern, Massagen und Wassergymnastik aus eigener Tasche zu bezahlen, ihrer Gesundheit zuliebe. Einen Teil der Kosten können sie unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend machen.

Die Wende kam mit der Gesundheitsreform im Jahr 1996. Seitdem zahlen die Krankenkassen nur noch wenige, medizinisch notwendige Reha- und Vorsorgemaßnahmen sowie Anschlussheilbehandlungen zum Beispiel nach Operationen. „Die Zahl der sogenannten Sozialkuren, früher ambulante Bäderkur genannt, brach ein von jährlich 900.000 Maßnahmen Mitte der 1990er Jahre auf nun nur noch etwa 70.000”, sagt Markus Schneid, Geschäftsführer beim Deutschen Heilbäderverband in Berlin.

Die finanzielle Bedrängnis war dadurch mancherorts groß. Doch vielen der mehr als 350 staatlich anerkannten Heilbädern und Kurorten sei die Umstellung zum Beispiel auf Wellnesstourismus gelungen, erklärt Schneid. Geworben wird häufig mit Ganzheitskonzepten für Körper, Geist und Seele, bei denen Therapie, Kultur und Entspannung gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Das spricht viele Erholungssuchende an.

„Früher wurden 80 Prozent der Gäste von den Kassen geschickt, heute sind vier von fünf Gästen Selbstzahler”, erläutert Schneid. Eine Kur kann abhängig von der Art der Unterbringung und den verschiedenen Therapien hohe Summen verschlingen. Wer zur Linderung von Gesundheitsbeschwerden einen Aufenthalt in einem Heilbad in Erwägung zieht, sollte daher sorgfältig prüfen, ob die Kosten dafür nicht von einem Sozialversicherungsträger übernommen werden können.

„Eine medizinische Rehabilitation beziehungsweise eine Kur wird in der Regel vom Arzt verordnet”, erläutert Stefan Palmowski von der Beratungsstelle Dortmund der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Diese Verordnung wird einem Antrag beigefügt, den ein Patient bei verschiedenen Trägern, zum Beispiel bei der Krankenkasse oder bei der Rentenversicherung, einreichen kann. „Als medizinische Rehabilitation werden alle weitergehenden Maßnahmen bezeichnet, die den Gesundheitszustand erhalten oder verbessern sollen, wenn eine ambulante Krankenbehandlung, zum Beispiel durch Krankengymnastik, nicht ausreicht.” Doch selbst wenn ein Arzt eine Kur für ratsam hält und sie verordnet hat, begleicht der Sozialversicherungsträger die Rechnung nicht immer komplett.

Leidet ein Patient etwa unter chronischen Schmerzen oder Bewegungsstörungen, kann er die nicht übernommenen Kosten bei der Steuererklärung als „außergewöhnliche Belastung” geltend machen. „Dafür muss der Patient sich allerdings noch vor Reiseantritt ein Attest von einem Amtsarzt holen”, betont Bernhard Lauscher vom Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) in Neustadt an der Weinstraße. Ein Attest vom Hausarzt erkennt der Fiskus nicht an. Eine Ausnahme gibt es laut Lauscher nur dann, wenn die gesetzliche Krankenkasse die Unterkunft und die Verpflegung bezuschusst. „In einem solchen Fall geht das Finanzamt davon aus, dass die Kasse die medizinische Notwendigkeit der Kur bereits im Vorfeld geprüft und anerkannt hat.”

Wer sich für eine ambulante Kur entscheidet und in einer privaten Unterkunft wohnt, muss sich seine Heilbehandlung von einem Arzt bescheinigen lassen, etwa mit einem Kurplan. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Finanzamt von einer privaten Erholungsreise ausgeht und die Kosten nicht anerkennt”, warnt Lauscher. Kuraufenthalte im Ausland werden „mangels Zwangsläufigkeit regelmäßig nicht anerkannt”.

Wer einen gewissen Prozentsatz der Kosten für die Kur erstattet bekommen hat, darf diesen Teil nicht mehr bei seiner Steuererklärung geltend machen. Alle Zuschüsse, die für die Kur etwa vom Arbeitgeber, der Beihilfestelle oder einem Sozialversicherungsträger geflossen sind, muss der Patient von seinen Ausgaben abziehen. Der Rest wird dann in der Steuererklärung unter „außergewöhnliche Belastung” angegeben. „In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass es immer auch eine zumutbare Belastung gibt, die man selber tragen muss und die unter anderem vom Einkommen und vom Familienstand abhängig sind”, sagt Palmowski. Auskünfte erteilen im jeweiligen Einzelfall ein Steuerberater, ein Lohnsteuerhilfeverein oder das Finanzamt.

Die Zahl der Selbstzahler wird in den kommenden Jahren steigen. Davon jedenfalls ist der Deutsche Heilbäderverband überzeugt. Grund für diese Einschätzung ist die immer stärker werdende berufliche Belastung. Bei den Kurort-Aufenthalten wird laut Schneid zunehmend „Wohlfühlen unter medizinischer Begleitung” im Vordergrund stehen.

(dpa)