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Berlin: Krankheitskosten: Was ist eigentlich noch absetzbar?

Berlin : Krankheitskosten: Was ist eigentlich noch absetzbar?

Höhere Zuzahlungen und immer weniger Medikamente, die die gesetzlichen Kassen bezahlen, schröpfen die gesetzlich Versicherten.

Und auch privat Versicherte müssen teilweise hohe Selbstbehalte in Kauf nehmen, um sich günstig versichern zu können. Gut, dass bei Krankheitskosten wenigstens das Finanzamt einen Teil der Lasten tragen muss. Als außergewöhnliche Belastungen sind alle unmittelbaren Krankheitskosten absetzbar, also alle Aufwendungen, die der Heilung dienen oder die Krankheit erträglicher machen. Nicht absetzbar sind dagegen mittelbare Krankheitskosten und vorbeugende Maßnahmen.

Allerdings hat die Großzügigkeit des Staates Grenzen. Denn bevor die Kosten anerkannt werden, müssen die Betroffenen erst einmal eine sogenannte zumutbare Belastung selbst tragen. Und die kann je nach Familienstand und Einkommen 1 bis 7 Prozent des Einkommens ausmachen. Ein Single mit 40.000 Euro Jahreseinkommen muss beispielsweise 6 Prozent des Einkommens selbst zahlen. Das bedeutet: Krankheitskosten wirken sich steuerlich nur aus, wenn sie mehr als 2400 Euro im Jahr betragen.

Eine Familie mit drei Kindern ist besser dran: Bei gleichen Einkommen beträgt der Selbstbehalt nur 1 Prozent. In diesem Fall wirken sich Krankheitskosten also schon ab 400 Euro steuerlich aus. Dieser Eigenanteil wird jahresweise immer wieder neu berechnet. Deshalb gilt: Ausgaben sollten immer in einem Jahr gebündelt, Rechnungen freiwillig in einem Jahr gezahlt werden, um die Grenze für den Eigenanteil schneller und einfacher überschreiten zu können. Auch lassen sich viele Ausgaben vorziehen oder verschieben wie der neue Zahnersatz oder eine nicht zeitkritische Operation.

Wenn die Kosten absetzbar sind, können Kranke viele Maßnahmen und Aufwendungen beim Finanzamt geltend machen. Die meisten medizinischen Heilbehandlungen sind absetzbar - von A wie Alternative Heilbehandlungen bis Z wie Zahnbehandlungen. Arznei- und Heilmittel sind ebenso steuerlich absetzbar wie medizinische Hilfsmittel. In den meisten Fällen ist es jedoch nicht damit getan, dem Finanzamt nach erfolgter Behandlung einfach die Rechnung oder die Belege einzureichen. In vielen Fällen müssen Steuerzahler mit einem amtsärztlichen Attest die Notwendigkeit der Maßnahme nachweisen, für die sie eine steuerlicher Unterstützung einfordern. Das gilt vor allem bei wissenschaftlich nicht anerkannten Methoden, bei der Anschaffung von Hilfsmitteln, die auch den Lebenskomfort steigern (Allergikermatratzen sind hier das beste Beispiel) oder auch bei sportlichen Betätigungen und Kuren. In aller Regel muss das Attest vor dem Beginn einer medizinischen Maßnahme eingeholt werden, damit das Finanzamt die Kosten anerkennt.

Ein besonderer Fall liegt übrigens vor, wenn die Ursache der Krankheit auf einen Arbeitsunfall oder Wegeunfall (Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, Dienstreise) zurückzuführen ist oder wenn es sich um eine Berufskrankheit handelt. In dem Fall sind die Krankheitskosten nämlich als Werbungskosten absetzbar und nicht als außergewöhnliche Belastung. Der große Vorteil: Es gibt keine zumutbare Belastung, die selbst getragen werden muss. Sobald die Kosten den Arbeitnehmer-Freibetrag von 920 Euro überschreiten, wirken sie sich steuerlich aus. Und die Kosten fallen auch nicht unter den Tisch, wenn im betreffenden Jahr gar keine Einnahmen erzielt wurden - sie können einfach in späteren Jahren angerechnet werden.