1. Leben
  2. Gesundheit

Wiesbaden/Hannover: Kopflausalarm: Schnelles Handeln begrenzt die Plage

Wiesbaden/Hannover : Kopflausalarm: Schnelles Handeln begrenzt die Plage

Vor allem im Spätsommer und Herbst verkünden in vielen Kindertagesstätten und Schulen Schilder einen „Kopflausalarm”. Ein Grund zur Panik ist das nicht, denn die flügellosen Parasiten mit dem lateinischen Namen Pediculosis capitis übertragen keine Krankheiten. Doch sie verursachen Juckreiz - und die kleinen Biester verbreiten sich extrem schnell weiter.

Wer sie einmal hat, sollte die Plage also schnellstmöglich bekämpfen. Und wer sich im nahen Umfeld eines Betroffenen bewegt, sollte Haare und Kopfhaut genau unter die Lupe nehmen. „Jeder kann Kopfläuse bekommen: Sie wollen nur das menschliche Blut”, erklärt Michael Forßbohm, Leiter der Abteilung für Infektionsschutz am Gesundheitsamt Wiesbaden. Ob die Haare frisch gewaschen sind, interessiert die Tiere dabei genauso wenig wie die Hygiene im Haushalt. „Das ist leider viel zu wenig bekannt. Deshalb wird Läusebefall viel zu häufig schamhaft verschwiegen.” Die fatale Folge ist eine Ausbreitung des Befalls.

Die Läuse können mit ihren Klammerbeinen nicht springen. Sie wandern munter von Kopf zu Kopf, manchmal auch auf andere behaarte Stellen des Oberkörpers wie Bart, Augenbrauen oder Achselhaare und hinterlassen überall ihre Eier. „Kopfläuse treten vor allem bei Kindern auf, weil diese sich körperlich viel näher kommen als Erwachsene”, sagt Jan Krüger, Vorsitzender der Deutschen Pediculosis Gesellschaft in Hannover. Am meisten betroffen sind Mädchen - durch die Haarlänge, aber wohl auch weil sie die Köpfe enger zusammen stecken als Jungen auf dem Fußballplatz.

Eltern sind bei Befall verpflichtet, die Kita oder Schule zu informieren. Diese muss dann das Gesundheitsamt benachrichtigen. „Nach den 2006 gemeldeten Fällen waren fünf Prozent aller Mädchen und zwei Prozent aller Jungen im Grundschulalter betroffen. Dabei war wiederholte Infektion derselben Kinder die Ausnahme”, bilanziert Mediziner Forßbohm. „Allerdings gehen wir von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.” Erwachsene werden, wenn überhaupt, meist über ihre Kinder infiziert.

Bei den ersten Stichen haben die Läuse leichtes Spiel. Erst ihre Speichel- und Kotallergene reizen zum Jucken - und das kann manchmal erst zwei Wochen nach Befallsbeginn sein. „Man nimmt an, dass sich die Empfindlichkeit der Kopfhaut erst entwickeln muss. Dadurch kann der erste Befall durchaus sechs bis acht Wochen unbemerkt bleiben”, sagt Krüger. Juckreiz ist deshalb kein verlässliches Früherkennungszeichen, lokale Infektionen oder gar Ekzeme als Folge des Kratzens erst recht nicht.

Umso wichtiger ist es, im Verdachtsfall - etwa wenn Spielkameraden infiziert sind - sofort den Kopf systematisch zu untersuchen. „Dazu werden die Haare mit Wasser und einer ganz normalen Haarspülung angefeuchtet und mit einem feingezinkten Nissen- oder Läusekamm aus der Apotheke Strähne für Strähne ausgekämmt”, erklärt Forßbohm. Der Kamm wird am besten sorgfältig auf einem hellen Handtuch abgestreift, eventuell gefundene Läuse und Eier entfernt. Das Auskämmen ist damit sowohl Diagnose als auch der erste Schritt der Bekämpfung. „Die Chancen, dass Kopfläuse allein durch Auskämmen bekämpft werden können, stehen 50 zu 50”, sagt Vereinsvorsitzender Krüger.

Um sicherzugehen, sollte deshalb schnellstmöglich eine Behandlung mit einem chemischen Bekämpfungsmittel folgen. „Diese Mittel arbeiten nach zwei unterschiedlichen Wirkprinzipien: Einige schädigen das Nervensystem der Laus, andere verstopfen deren Atemwege”, erläutert Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin.

Zugelassene Kopflausmittel sind auch ohne ärztliche Verschreibung in der Apotheke erhältlich. Für Kinder unter zwölf Jahren sind sie kostenfrei, wenn sie vom Arzt verordnet wurden. Der Erfolg der Behandlung hängt dann davon ab, dass ausreichend Mittel ins Haar kommt, dort gleichmäßig verteilt wird und lange genug einwirkt.

Durch ein chemisches Mittel werden zwar die ausgewachsenen Tiere vernichtet, nicht jedoch die Larven. Deshalb ist ein Kind zwar in den Tagen nach der Behandlung nicht ansteckend und muss also nicht zu Hause bleiben. Die Behandlung muss jedoch fortgesetzt werden: Am fünften Tag wird nochmals nass ausgekämmt, um früh schlüpfende Larven zu entfernen. Am achten, neunten oder am zehnten Tag folgt eine Wiederholung der chemischen Behandlung. Am 13. Tag und eventuell auch am 17. Tag wird erneut durch nasses Auskämmen kontrolliert.

Um vorsorglich mögliche Übertragungswege zu unterbrechen, sollten Kämme, Haarbürsten, -spangen und -gummis in heißer Seifenlösung gereinigt werden. Schlafanzüge und Bettwäsche, Handtücher und Leibwäsche sollten gewechselt und ganz normal gewaschen werden. Kopfbedeckungen und Schals können für drei Tage in einer Plastiktüte aufbewahrt werden. Insektizid-Sprays sind nicht nötig.