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Cambridge: Körperprotein stoppt Schweinegrippe-Virus

Cambridge : Körperprotein stoppt Schweinegrippe-Virus

Eine Gruppe körpereigener Proteine macht Viren wie dem Schweinegrippe-Erreger erfolgreich den Garaus: US-Forscher haben herausgefunden, dass die IFITM genannte Eiweißfamilie bis zu 90 Prozent der Krankheitserreger schon bei dem Versuch abtötet, sich zur Vermehrung in eine Körperzelle einzuschleichen.

Je mehr der Agenten gegen die Schweinegrippe-Viren Wache halten, desto leichter verläuft die Erkrankung: Einige Patienten kommen so mit einem leichtem Schnupfen davon. Die Wissenschaftler arbeiten daher an einem Verfahren, die Proteingruppe mit einem Trick gezielt direkt zur Zelloberfläche zu bringen und damit den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

IFITM wird auch gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Gelb-, Westnil- und Dengue-Fieber aktiv. Die Ergebnisse stellen die Forscher um Stephen Elledge von der Harvard Medical School im Fachmagazin „Cell” vor. (doi:10.1016/j.cell.2009.12.017)

„Ohne IFITM vermehrt sich ein Schweinegrippe-Virus in einer Körperzelle bis zu zehnmal schneller”, beschreibt Elledge die Schutzkraft der Proteine. „Weil sie an der Zellwand sitzen und Moleküle aller Art auf dem Weg in die Zelle kontrollieren, bilden sie die vorderste Verteidigungslinie des Körpers gegen Viren.”

In Experimenten mit Zellen von Mäusen und Menschen wiesen die US-Forscher nach, dass dem Angreifer keine Zeit bleibt, sein gefährliches Erbmaterial einzuschleusen. Wenn Zellen infiziert sind, reagieren sie mit dem immunstimulierenden Hormon Interferon, das gegen Viren und Tumore aktiv wird. „Interferon gibt den Zellen mehr Schutz als IFITM, aber als wir in den Versuchen das Protein ausschalteten, ließ seine Wirkung stark nach”, berichtet Elledge.

Medikamente auf Basis von IFTIM könnten künftig über sogenannte Liposome im Körper an ihren Bestimmungsort transportiert werden: In winzigen Kügelchen von wasserabweisenden Molekülen reisen sie zur Zelloberfläche. „Das dürfte den Schutz in der alljährlich wiederkehrenden Grippesaison erhöhen”, meint Elledge. Das ist ohne weitere Grundlagenforschung allerdings noch Zukunftsmusik: Noch wissen die Forscher nicht, wie eine Zelle auf die massenhafte Verabreichung der Proteingruppe reagiert.

Erforscht werden muss zudem, wie der Antiviren-Schutz mit den verschiedenen Techniken zurechtkommt, mit denen Viren an Zellen andocken. Auch werden nicht alle Viren abgewehrt: So lässt IFTIM beispielsweise das Aids- oder Hepatitis-C-Virus passieren.

Die Proteingruppe ist ein alter Bekannter der Medizin: Vor 25 Jahren hatten Wissenschaftler Tausende von Genen identifiziert, die bei Virenbefall vom Immunsystem zur Wirkstoffproduktion aktiviert werden. Darunter befanden sich auch die IFITM-Gene, die in vielen Lebewesen nachgewiesen wurden - angefangen bei Fischen bis hin zu Hühnern.