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Köln: Kein harmloser Eingriff: Bei Schönheits-OP ist Vorsicht geboten

Köln : Kein harmloser Eingriff: Bei Schönheits-OP ist Vorsicht geboten

Zu viel Speck auf den Hüften, eine übergroße Nase oder abstehende Ohren - Körperpartien, die beim Blick in den Spiegel für Kummer sorgen können, gibt es jede Menge. Manche leben einfach damit, andere sehen irgendwann nur noch den Eingriff beim Chirurgen als Lösung.

Doch vor einer Schönheitsoperation ist Abwägen angesagt. Noch ehe der Rat eines Experten eingeholt wird, gilt es sich zu fragen: Gibt es nicht andere Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass man sich wieder wohl im eigenen Körper fühlt?

Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln ist überzeugt: In vielen Fällen gibt es diese Möglichkeiten tatsächlich. Kaum jemand sei restlos mit dem Aussehen zufrieden, das ihm die Natur geschenkt hat. Dabei sei das vermeintliche Problem längst nicht immer so gravierend wie die Betroffenen glauben.

Das heißt: Die Nase, die ihrem Besitzer unförmig vorkommt, sieht für andere Menschen oft völlig normal oder sogar gut aus. Bei einigen Menschen ist diese verzerrte Sicht auf den eigenen Körper ganz besonders ausgeprägt. Psychotherapeuten sprechen dann von einer „körperdismorphen Störung”, erklärt Prof. Ulrich Stangier von der Universität Jena. „In diesem Fall liegt ein psychologisches Problem vor. Da hilft keine Operation, sondern eine Psychotherapie.”

In den meisten Fällen ist freilich auch das nicht nötig. Was aber kann jemand, der über sein Aussehen unglücklich ist, anstellen, um das zu ändern? Er muss versuchen, seine Schönheit zu entdecken und zu betonen, wie es Marita Völker-Albert ausdrückt. „Jeder hat attraktive Merkmale wie zum Beispiel schöne Augen, Haare oder einen schönen Mund, auf die er stolz sein kann.”

Wer es schafft, sich darauf zu konzentrieren und die vermeintlich krumme Nase zu vergessen, der gewinnt nach und nach eine positivere Ausstrahlung, wirkt anders auf seine Umgebung - und wird über kurz oder lang positive Signale zurückgesendet bekommen. Beim Erkennen der positiven Seiten am eigenen Körper helfen oft Freunde, die ehrlich sagen: Mensch, so schlimm wie du denkst ist es doch gar nicht!

„Eine Schönheitsoperation ist ein enormer Eingriff und mit gesundheitlichen Risiken verbunden”, sagt Marita Völker-Albert. Das gilt umso mehr bei Menschen, die noch im Wachstum sind. Unterm Strich rät die BZgA Jugendlichen daher entschieden von Schönheitsoperationen ab. „Ausnahmen sind ärztlich diagnostizierte Notfälle.”

Ein solcher Notfall ist zum Beispiel das 15-jährige Mädchen, das Joachim Graf von Finckenstein vor einiger Zeit behandelt hat: „Sie hatte eine viel zu kleine und dabei entstellte Brust”, erzählt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie (DGÄPC) in Berlin. „Dabei war die eine Brust zusätzlich eine Rüsselbrust, das heißt unterentwickelt, und die Brustwarze hängt wie ein Elefantenrüssel nach vorne.”

Die meisten Patienten von Finckensteins wünschen sich Operationen an der Brust, der Nase oder den Ohren - oder sie wollen sich Fett absaugen lassen. Etwa 90 Prozent sind Frauen oder Mädchen. Bei Minderjährigen müssen die Eltern dem Eingriff zustimmen.

Antonia Wittfoth aus Lübeck war 18 und damit gerade alt genug, um sich selbst für eine Brustoperation bei von Finckenstein entscheiden zu können. Sie hatte Körbchengröße H - eine enorme Oberweite. Sich vor einem Freund ausziehen? Undenkbar wäre das für sie gewesen. „Ich war unglücklich und hinkte meinen Mitschülern in der sexuellen Entwicklung um einiges hinterher.”

Zudem habe die große Oberweite bei vielen Bewegungen für Schmerzen gesorgt. Bei der Operation sei sie den sonstigen Proportionen ihres Körpers angepasst worden, erzählt Antonia Wittfoth. Bis heute - 14 Jahre später - ist sie froh darüber. „Ich habe mich danach endlich nicht mehr vor mir geekelt und konnte wieder unverklemmt auf der Straße herumlaufen.”

Wer sich letztenendes für die „Operation Schönheit” entschieden hat, darf nicht zum erstbesten Mediziner gehen. Schließlich gibt es - wie in den meisten Branchen - auch hier schwarze Schafe. Wichtig ist etwa, dass sich der Facharzt genügend Zeit nimmt und sich intensiv mit dem Anliegen befasst. „Zudem darf die Patientin keine falschen Erwartungen an den Eingriff haben”, sagt von Finckenstein - daher ist es mit Vorsicht zu genießen, wenn der Mediziner allzu hochtrabende Ankündigungen macht.

Auch auf die Berufsbezeichnung ist zu achten: „Schönheitschirurg darf sich jeder nennen, das ist kein geschützter Begriff”, erklärt von Finckenstein. „Bei Fächärzten für plastische und ästhetische Chirurgie hingegen kann man sich sicher sein, dass sie tatsächlich eine längere Ausbildung hinter sich haben.”