Kassel: Kassen müssen Kosten für Medikamente nicht komplett erstatten

Kassel: Kassen müssen Kosten für Medikamente nicht komplett erstatten

Wer sich in der gesetzlichen Krankenversicherung für das Prinzip der Kostenerstattung entscheidet, muss mit höheren Zuzahlungen bei Medikamenten rechnen. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) vom Dienstag dürfen die Rabatte, die den Kassen sonst von Apotheken und Pharmafirmen gewährt werden, den Patienten in Rechnung gestellt werden.

Wenn sich Versicherte Vorteile davon versprächen, wie Privatpatienten in Vorkasse zu treten, müssten sie auch die „merklichen Nachteile” dieser Abkehr vom normalen Sachleistungsprinzip in Kauf nehmen, befanden die Kasseler Richter (Az.: B 1 KR 1/09 R).

Mit dem Urteil wiesen Deutschlands oberste Sozialrichter die Klage einer 84-jährigen Frau aus dem Saarland ab, die von ihrer Kasse mehr Geld verlangt hatte. Von Rechnungen über insgesamt gut 770 Euro waren ihr lediglich rund 320 Euro erstattet worden. Unter anderem hatte ihre Versicherung bei den Medikamenten bis zu 16,2 Prozent vom Verkaufspreis einbehalten - zusätzlich zur normalen Zuzahlung. Das entspreche dem Apotheken- und Herstellerrabatt, argumentierte die Kasse. Das BSG schloss sich dieser Sicht an.

Seit 2004 können gesetzlich Versicherte wählen, ob sie bei Ärzten und Apotheken als Selbstzahler auftreten wollen. Sie müssen dann für Arzneimittel und Behandlungen zunächst selbst aufkommen und reichen die Rechnungen anschließend bei ihrer Krankenversicherung ein. Erstattet wird aber nur, was auch sonst Kassenleistung gewesen wäre. Außerdem werden Verwaltungsgebühren abgezogen.