Immer mehr Kurzsichtige: Sind Smartphones schuld?

Verdacht : Immer mehr Kurzsichtige: Sind Smartphones schuld?

Brillen sind derzeit schwer angesagt - doch das sollte nicht dazu verleiten, Sehschwächen auf die leichte Schulter zu nehmen. Immer mehr Menschen leiden an Kurzsichtigkeit, vor allem die Anzahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen steigt rasant. Augenärzte machen die intensive Nutzung von Smartphones und Tablets verantwortlich und warnen.

Kurzsichtigkeit könnte in absehbarer Zeit zur Hauptursache für Erblindung werden.

In den letzten Jahren haben sich Brillen zum beliebten Modeaccessoire gemausert. Stars wie Selena Gomez präsentieren Millionen von Followern auf Instagram ihren "Geek Chic" und tragen dabei mitunter gar Brillen ohne Sehstärke, um bestimmte Looks zu erzeugen. Der neue Mut zur Brille ist längst auch im Mainstream angekommen - und das Angebot der Händler entsprechend groß.

Beim einem Online-Optiker beispielsweise kann man sich mithilfe eines hochgeladenen Portraitbildes durch Hunderte von Modellen probieren und so ganz einfach zu Hause überprüfen, ob eine bestimmte Brille das Gesicht vielleicht ein wenig interessanter wirken lässt.

Doch der neue Glamour-Faktor der Brille sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine zunächst harmlose Sehschwäche schwere Augenkrankheiten nach sich ziehen kann. So ist beispielsweise bei Kurzsichtigen das Risiko für eine Netzhautablösung erhöht, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Bestimmte Formen des Grünen Stars, die den Sehnerv dauerhaft schädigen können, treten bei ihnen ebenfalls häufiger auf.

Und auch der natürliche Verschleiß des Glaskörpers, einer gelartigen Substanz im Auge, schreitet bei Kurzsichtigen schneller voran, sodass sie früher als normalsichtige Menschen mit lästigen Sichteinschränkungen durch "Schlieren" im Blickfeld zu kämpfen haben.

2050 wird die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein

Besorgniserregend ist, dass laut der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft immer mehr Menschen in Industrieländern an Kurzsichtigkeit leiden. Auch Kinder und Jugendliche sind zunehmend und zum Teil schwer betroffen. In Deutschland sind inzwischen rund 50 Prozent aller jungen Erwachsenen kurzsichtig, gaben die Experten für Augenheilkunde anlässlich eines Kongresses im Herbst 2018 bekannt. Die American Academy of Ophthalmology nimmt an, dass 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung an Kurzsichtigkeit leiden wird und dass diese zu einer der häufigsten Ursachen von Erblindung werden wird.

Hauptverantwortlich für diese dramatische Entwicklung ist laut Experten die in den vergangenen Jahrzehnten immer alltäglicher gewordene Naharbeit - Tätigkeiten, bei denen die Augen dauerhaft ein Objekt ganz in der Nähe fixieren, wie etwa beim Lesen, bei der Bildschirmarbeit oder beim Surfen auf dem Smartphone.

Offline-Zeiten tun auch den Augen gut

Dass wir nicht nur bei der Arbeit, sondern zusätzlich in der Freizeit immer mehr Zeit an Bildschirmen verbringen, können wohl die meisten Menschen bestätigen. Viele - insbesondere junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren - haben es sich gar zum Vorsatz für das Jahr 2019 gemacht, weniger digitale Medien zu nutzen, wie eine Studie der DAK Gesundheit ergab.

Laut Diplom-Psychologin Franziska Kath von der DAK fördern solche Offline-Zeiten die Konzentrationsfähigkeit und sorgen für besseren Schlaf und mehr Entspannung. Doch auch die Augen profitieren: Nicht umsonst schreibt der Gesetzgeber in der Arbeitsstättenverordnung regelmäßige Pausen von der Bildschirmarbeit vor.

Wichtig: Smartphone-Nutzung bei Kindern einschränken

Besonders wichtig ist die Begrenzung der Bildschirmzeit bei Kindern und Jugendlichen. Denn die ständige Fixierung des Smartphone- oder Tablet-Screens (noch dazu kommen Tätigkeiten wie Lesen oder Fernsehen) können dazu führen, dass die bis etwa zum 15. Lebensjahr im Wachstum befindlichen Augäpfel länger werden, als sie sein sollten: Das ist die häufigste Ursache von Kurzsichtigkeit. In dieser Zeit werden also die Weichen dafür gestellt, ob ein normalsichtiger Mensch eine Kurzsichtigkeit entwickelt.

Vier- bis Sechsjährige sollten maximal 30 Minuten pro Tag am Bildschirm sitzen, Grundschulkinder bis zehn Jahre höchstens eine Stunde, empfiehlt Bettina Wabbels, Augenärztin an der Uniklinik in Bonn. Sich bei Tageslicht draußen aufzuhalten, beugt Kurzsichtigkeit vor. Zwar müssen Eltern sich auf Widerstand gefasst machen, wenn sie versuchen, ihre Kinder vom Surfen oder Zocken abzuhalten und sie stattdessen zum Spielen nach draußen zu schicken. Doch nachgeben sollten sie nicht, denn auf lange Sicht tun sie damit ihrer Gesundheit einen Gefallen.

(vo)
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