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Würzburg: Im Internet gehandelte Medikamente sind häufig gefälscht

Würzburg : Im Internet gehandelte Medikamente sind häufig gefälscht

Die Bestellung von Medikamenten im Internet liegt im Trend. Viele Mittel sind dort zu einem günstigeren Preis erhältlich als in der Apotheke - häufig sogar ohne Vorlage eines Rezepts. Experten warnen jedoch vor einem zu sorglosen Umgang mit diesen Arzneien.

Im Internet gehandelte Medikamente seien überdurchschnittlich oft gefälscht, sagt Prof. Ulrike Holzgrabe, Lehrstuhlinhaberin für Pharmazeutische Chemie an der Universität Würzburg, und spricht von einem mittlerweile „großen Problem” für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung.

Am häufigsten sei das Potenzmittel Viagra betroffen, gefolgt von Präparaten zum Aufbau von Muskelmasse und solchen gegen Haarausfall. Manche gefälschten Mittel enthielten falsche oder keine Wirkstoffe, andere falsche Mengen eines Wirkstoffs.

Gerade bei Potenzmitteln könne eine unsachgemäße beziehungsweise zu hohe Dosierung aber gefährlich werden, warnt Holzgrabe. Auch therapeutisch eingesetzte Arzneimittel würden gefälscht. Zum Beispiel hätten beim Blutverdünnungsmittel Heparin Fälschungen aus China jüngst zu mehreren Todesfällen in den USA geführt.

Die Pharmazeutin empfiehlt den Gang zur klassischen Apotheke. Auch dort gebe es zwar keinen hundertprozentigen Schutz vor Fälschungen. Die häufige Kontrolle von Apotheken beziehungsweise ihren Waren machten Fälschungen aber sehr schwierig. Wer trotzdem im Internet Medikamente einkaufen möchte, sollte zumindest auf ein Mindestmaß an Seriosität achten.

So kann ein Blick auf das Impressum Hinweise darauf geben, ob es sich um einen Anbieter mit transparenter und vertrauenswürdiger Firmenadresse handelt. „Außerdem sollte der Händler verschreibungspflichtige Medikamente auch nur gegen Vorlage eines Rezepts aushändigen”, betont Holzgrabe.

Im Ausland tauchen Fälschungen häufig auch jenseits von Internetgeschäften auf. „In Mexiko sind etwa 30 Prozent aller Arzneimittel gefälscht, in Afrika sogar ungefähr die Hälfte”, sagt die Expertin. Auch die Länder der ehemaligen Sowjetunion seien keine empfehlenswerte Adresse für den Kauf von Medikamenten. Holzgrabe rät daher, bei Reisen in diese Regionen Präparate aus deutschen Apotheken mitzunehmen - auch wenn sie gegebenenfalls ein paar Euro teurer sind.