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Hygiene in Schwimmbad und Fitnessstudio - wie war es vor der Krise?

Hygiene in Schwimmbad und Fitnessstudio : Wie war es vor der Krise?

Seit dem Ausbruch der Coronapandemie kursieren für nahezu jede Branche spezielle Hygienekonzepte. Die Desinfektion wird akribisch genau vorgeschrieben, ebenso der Nachweis eines negativen Coronatests für all jene, die die Einrichtungen nutzen möchten.

In einigen Branchen bieten die Unternehmen sogar von sich aus Testvarianten an - beispielsweise via Schnelltest oder via Spucktest - um Kunden oder Gäste empfangen zu dürfen. Auch privat werden diese Testvarianten, wie beispielsweise Schnell- und Spucktests immer beliebter. Doch mit Hygienekonzepten und Testvorschrift kommt auch immer häufiger die Frage auf, ob die Ansteckungsgefahr vor dem Ausbruch der Pandemie wirklich so hoch war. Gab es also in Fitnessstudios ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, oder etwa in Schwimmbädern und beim Friseur? Grund genug einmal nachzuforschen - und den Blick auf die Zeit vor Corona zu richten.

Wie sauber ist es eigentlich im Schwimmbad?

Wer ein Hallenbad oder ein Freibad besucht, der empfindet nicht selten den Chlorgeruch als unangenehm und Sicherheit schenkend zugleich. Was sich hinter dem Chlorgeruch verbirgt, erklärt das Umweltbundesamt. Um genau zu sein, handle es sich nämlich um das sogenannte Trichloramin, das für den chlorähnlichen Geruch sorge - und damit sind die Badebesucher tendenziell selbst schuld am "Chlorgeruch". Trichloramin ist das Ergebnis einer Reaktion von Chlor auf Cremes, Kosmetik, Urin, Schweiß und Hautreste. Das bedeutet auch: Wer nicht ordentlich duscht, bevor er ins Wasser geht, bedingt den chlorähnlichen Geruch, weil Hautschuppen und Co. eine Reaktion auslösen.
Die Detailbetrachtung zeigt auch: Chlor reagiert nicht auf jeden ungeduschten Badegast, sondern vor allem auf Harnstoff. Dieser Harnstoff gelangt über Schweiß und Urin ins Wasser, aber auch über die Hornschicht der Haut, die Harnstoff als Feuchtigkeitslieferant beinhaltet.

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass jeder Badegast durchschnittlich 0,16 Gramm Harnstoff ins Badewasser abgibt. Je nach Größe des Bades könnte dann schnell 160 Gramm zusammenkommen - bei in Summe 100 Badegästen. Fakt ist aber auch: Wer gründlich duscht, trägt aktiv dazu bei, das Badewasser sauber zu halten. Die Badbetreiber müssen zudem ihrerseits dafür sorgen, dass der Trichloramin-Gehalt die Grenzwerte einhält. 0,2 Milligramm pro Kubikmeter sind hier die Grenze.

Wie sauber ist es im Fitnessstudio?

 Hat sich diese Schwimmerin ordentlich abgeduscht, bevor sie sich ins kühle Nass gestürzt hat? Wichtig wäre das vor allem, um Reaktionen mit Chlor zu vermeiden, bei denen Trichloramin freigesetzt wird.
Hat sich diese Schwimmerin ordentlich abgeduscht, bevor sie sich ins kühle Nass gestürzt hat? Wichtig wäre das vor allem, um Reaktionen mit Chlor zu vermeiden, bei denen Trichloramin freigesetzt wird. Foto: pixabay.com/Survivor

Dieser Frage ist die Redaktion von FitforFun nachgegangen. Initiiert von ekligen Horrorgeschichten aus dem Fitnessstudios - von Schweißfuß-Abdrücken auf der Matte bin hin zu Haarknoten in der Dusche - fand die Redaktion zweierlei heraus:

  1. Es gibt keine bundesweite Erhebung zu den Hygienestandards in Fitnessstudios.
  2. Einzelstudien wiesen Bakterien nach.


Die Summe der Einzelstudien ergibt jedoch ein durchaus besorgniserregendes Bild der Branche. Eben dort, wo die Trainierenden Kontakt zu Trainingsgeräten haben - an der Hantel, auf dem Rudergerät oder auf dem Crosstrainer - wandern Bakterien aus Schweiß auf die Geräte. Eine Erhebung zeigte an 75 Prozent der untersuchten Geräte einen Nachweis auf Staphylokokken-Bakterien. Vor allem auf dem Naturprodukt Holz, also beispielsweise an einem Handlauf aus Holz, siedelten viele Bakterien dieses Typus. Doch auch auf dem Toilettensitz ging es nicht hygienischer zu, wie Untersuchungen zeigten, bei denen E.coli-Bakterien und sogar Legionellen nachgewiesen wurden. Neben den direkten Kontaktflächen ist auch die Luft ein großes Risiko - vor allem dann, wenn es darin von infizierten Aerosolen wimmelt. Vor allem Grippeviren können sich - bei einer unzureichenden Lüftung - rasch vermehren.

Fazit: Nivellieren die neuen Hygienekonzepte vielleicht ein Defizit?

Mit Blick auf das Ergebnis aus wahrlich schauderhaften Hygienetests zeigt sich vor allem eins: Hygiene-Vorkehrungen sind wichtig - und zwar unabhängig davon, ob das Coronavirus sich verbreitet oder ob E.coli-Bakterien, Legionellen, Staphylokokken oder Trichloramin krank machen. Tatsache ist, dass es beispielsweise in Schwimmbädern strenge Richtlinien gibt. Diese geben genau an, wie viel Chlor im Wasser vorhanden sein darf und sollte. Die Werte liegen im normalen Becken zwischen 0,3 und 0,6 Milligramm pro Liter. Im Warmsprudelbecken sind 0,7 bis 1 Milligramm pro Liter erlaubt. Auch pH-Wert und Redoxspannung unterliegen strengen Richtwerten.

In Fitnessstudios gibt es hingegen eher Leitlinien, aber keine Messwerte, die als K.O.-Kriterien für den Betrieb gekennzeichnet sind. Auf der Seite des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen wird nun sogar auf das verstärkte "Hygienebewusstsein" verwiesen, das auch als wesentliches Qualitätsmerkmal gekennzeichnet ist.

Die Folge? Online-Seminare zum Thema Hygiene im Fitnessstudio und sogar eine spezielle Form der Weiterbildung gibt es nun zu diesem Thema. Die Academy of Sports bietet eine Weiterbildungsmaßnahme zum "Hygienemanagement im Fitnessstudio" an. Der Kurs endet mit einem Zertifikat. Das Kursmodell selbst funktioniert via Live-Seminar und Web-Based-Training. Inhaltlich werden vor allem Maßnahmen zum Hygienemanagement thematisiert - auch mit Blick auf das aktuelle Infektionsschutzgesetz, aber vor allem auch, um die Hygiene in Fitnessstudios grundsätzlich zu verbessern.

(vo)