Herzinsuffizienz: Kardiologe erklärt die Tücken der Krankheit

Häufig spät erkannt : Kardiologe erklärt die Tücken der Herzinsuffizienz

Mehr als zwei Millionen Deutsche leiden unter einer chronischen Herzinsuffizienz - Tendenz steigend. Die Krankheit entwickelt sich schleichend und wird häufig erst spät erkannt. Ohne Behandlung führt die Herzerkrankung zum frühzeitigen Tod. Warum die Zahl der Herzinsuffizienzpatienten immer weiter steigt, woran man die Krankheit erkennt und wie sie am besten behandelt wird, weiß der Kardiologe Dr. Christian Blau.

Gründe für den Anstieg der Patientenzahlen

Herzinsuffizienz ist in Deutschland der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung. Dr. Christian Blau sieht drei Gründe für die steigenden Patientenzahlen. „Da ist zum einen die deutlich bessere Versorgung bei der Behandlung von akuten Herzinfarkten“, erklärt Blau. Zwar überlebten viel mehr Menschen als noch vor ein paar Jahren einen Herzinfarkt, „allerdings behalten sie eine Narbe im Bereich des Herzmuskels zurück.“ Das führe zu einer reduzierten Pumpfunktion und damit zu einer Herzschwäche.

„Zum anderen werden die Menschen immer älter und überleben auch einst schwer zu behandelnde Erkrankungen“, so Dr. Blau weiter. „In der Folge dieser Erkrankungen kann es zu einer Herzmuskelentzündung kommen, die wiederum häufig zu Herzschwäche führen kann.“

Der dritte Faktor hängt laut dem Kardiologen mit den immer besseren Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen zusammen. Die moderne Chemotherapie biete größere Überlebenschancen, „doch eine der Hauptnebenwirkungen vieler Chemotherapeutika ist eine Schädigung des Herzens.“

Kardiologe Dr. Christian Blau. Foto: artemed

Herzschwäche anhand typischer Symptome erkennen

Betroffene deuten die Symptome der Herzinsuffizienz häufig falsch und begeben sich erst spät in ärztliche Behandlung. „Viele Menschen bemerken zunächst eine zunehmende Abgeschlagenheit und leichte Müdigkeit“, erläutert der Kardiologe typische Anzeichen. „Sichtbare Zeichen für eine Herzschwäche sind Unterschenkelödeme, also geschwollene Beine.“ Außerdem komme es zu einer schnellen und ungewollten Gewichtszunahme. „Diese Fälle sollten unbedingt ärztlich abgeklärt werden“, rät der Herzexperte. „Bei zunehmendem Schweregrad sind die Patienten kaum noch in der Lage, sich körperlich zu belasten, haben zunehmende Luftnot und können schließlich nur noch im Sitzen schlafen.“

Die passende Behandlung bei Herzinsuffizienz

„Steht die Diagnose Herzschwäche fest, ist eine Therapie unerlässlich“, verdeutlicht Dr. Blau die Dringlichkeit einer medikamentösen Behandlung, um das Herz zu entlasten. „Dabei kommen Blutdrucksenker, entwässernde Medikamente und Betablocker zum Einsatz.“ Neu ist die Wirkstoffkombination Sacubitril-Valsartan, die Ärzte verschreiben, wenn Blutdrucksenker nicht ausreichend helfen. Studien zufolge reduzieren die Wirkstoffe die Sterblichkeitsrate um 20 Prozent und die Zahl der Klinikaufenthalte um 21 Prozent.

Um die Behandlung zu unterstützen, sollten Patienten die vom Arzt verschriebenen Medikamente regelmäßig und konsequent einnehmen. „Außerdem kann eine Verbesserung der Ausdauer durch leichte und gegebenenfalls überwachte körperliche Betätigung die Symptome drastisch lindern“, so Dr. Blau.

(vo)
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