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Leinfelden: Gesund und fit durch die Schwangerschaft

Leinfelden : Gesund und fit durch die Schwangerschaft

„Du musst dich schonen” ist wohl der häufigste Ratschlag, den schwangere Frauen zu hören bekommen. „In deinem Zustand solltest du das lieber nicht tun”, ist ein weiterer beliebter Kommentar.

„Eine schwangere Frau muss nicht nur auf der Couch liegen”, sagt hingegen Katharina Engelhard von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung sind nicht nur für die Gesundheit des Kindes wichtig, sondern sorgen auch für ein gesteigertes Wohlbefinden der werdenden Mutter.

„Frauen, die während der Schwangerschaft körperlich aktiv sind, empfinden die Geburt als weniger schmerzhaft, und auch die Kinder erleben weniger Stress”, berichtet Engelhard. Prinzipiell ist moderater Sport daher für jede Schwangere empfehlenswert.

„Schon allein, um neue Kontakte zu knüpfen”, meint die Psychologin. Ideal sind Sportarten wie Schwimmen, Yoga, Gymnastik, Radfahren auf einem Heimtrainer und Spazierengehen. Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr und intensive Saunagänge sind dagegen weniger geeignet.

„Das Problem bei sportlichen Aktivitäten ist die Gefahr der Überhitzung, da das Baby im Bauch im Gegensatz zur Mutter nicht schwitzen kann ”, erklärt Engelhard. Solange sich die Frau während des Sports wohlfühlt und sich nebenher mit jemandem unterhalten kann, besteht dagegen kein Grund zur Sorge.

Auch ihre Ernährung muss eine Schwangere nicht komplett umstellen. „Frauen, die sich bereits vor der Schwangerschaft gesund und ausgewogen ernährt haben, können genauso weiteressen wie bisher”, sagt Bernd Pittner, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Sachsen.

Weder eine übertrieben fettarme Ernährung noch das Essen für zwei sind notwendig. Der Energiebedarf einer Schwangeren erhöht sich erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, und das gerade einmal um etwa zweihundert bis dreihundert Kilokalorien pro Tag. Das entspricht beispielsweise einer Scheibe Toast mit Käse.

„Es geht nicht um die Menge, sondern um die Qualität der Ernährung”, erläutert Pittner. So sollten Schwangere vor allem Getreide- und Milchprodukte, Eiweiße besonders aus Fisch und magerem Rindfleisch, Obst und Gemüse und mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen, empfiehlt der Gynäkologe.

Manche Frauen wie etwa Vegetarierinnen und Untergewichtige benötigen Nahrungsergänzungsmittel. Denn Schwangere haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen wie Eisen, Jod und Folsäure. „In der Regel reicht jedoch ein bunter und abwechslungsreicher Ernährungsplan völlig aus, um diesen Bedarf zu decken”, betont Pittner. Besonders viel Folsäure und Eisen enthalten beispielsweise Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse. Weitere wichtige Eisenlieferanten sind Fisch und Geflügel. Auch lohnt es sich, beim Bäcker um die Ecke nachzufragen, ob er das Brot mit jod- und folsäureangereicherten Produkten backt.

Grundsätzlich darf eine schwangere Frau fast alles essen und trinken, auf das sie gerade Appetit hat. Ausnahmen sind die Genussmittel Koffein, Alkohol und Nikotin, die der Entwicklung des Kindes schaden können. Dabei sind ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag durchaus erlaubt. „Auch ein Glas Wein pro Woche ist okay”, meint Pittner. „Aber beim Rauchen gilt ganz klar: Hände weg!” Auch und gerade starke Raucherinnen sollten trotz möglicher Entzugserscheinungen zum Wohl des Kindes sofort mit dem Rauchen aufhören.

Tabu sind zum Leidwesen vieler Schwangerer zudem Leckereien wie Tiramisu, Sushi, Räucherlachs und Meeresfrüchte. Denn rohes Fleisch, roher Fisch, rohe Eier und Rohmilchprodukte können Infektionskrankheiten wie die Toxoplasmose übertragen. Über den Kontakt mit Katzen können sich Schwangere ebenfalls mit dem für den Fötus gefährlichen Krankheitserreger Toxoplasma gondii anstecken. Trotzdem bedeutet das nicht das Aus für den Stubentiger. Pittner rät, sich auf Antikörper testen zu lassen. „Menschen, die sich Katzen halten, haben die Krankheit oft bereits unbemerkt durchlaufen und somit genügend Antikörper entwickelt”, so der Mediziner.

Übertriebene Vorsicht oder eine komplette Umstellung der Lebensgewohnheiten sind bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft nicht notwendig. Sport, Reisen, Gartenarbeit oder Konzertbesuche - ob bestimmte Dinge gut oder schlecht sind, hängt oft weniger von den möglichen Auswirkungen auf das Kind ab, sondern vielmehr vom Wohlbefinden der werdenden Mutter.

„Die Hauptsache ist, dass es der Frau Spaß macht und ihr selbst gut tut”, so die Kölner Psychologin Engelhard. Und der Gynäkologe Pittner bringt es auf den Punkt: „Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Sie ist etwas zum Genießen.”