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Berlin: Gentests auf spätere Krankheiten werden verboten

Berlin : Gentests auf spätere Krankheiten werden verboten

Sieben Jahre nach entsprechenden Experten-Forderungen wollen Union und SPD diese Woche strengere Regeln für Gentests beschließen. Heimliche Vaterschaftstests sollen mit bis zu 5000 Euro bestraft werden können.

Vorgeburtliche Untersuchungen auf Krankheiten im Erwachsenenalter sollen unterbunden werden. Hier gab die SPD zähneknirschend nach. Nicht ein zweites Mal soll das ethisch schwierige Gendiagnostikgesetz dem Ende einer Legislaturperiode zum Opfer fallen wie vor vier Jahren.

Die CDU-Gesundheitsexpertin Annette Widmann-Mauz (CDU) spricht wegen der harten Linie bei Tests auf spätere Leiden von einem „weiteren Fortschritt”. Ihre SPD-Kollegin Carola Reimann meint zwar, ein Verbot solcher Tests verletze das Recht der Schwangeren auf Wissen. Einen Automatismus hin zu leichtfertigen Abtreibungen gebe es nicht. Aber: „Daran lassen wir es nicht scheitern.” Folglich soll das Gesetz ein Jahr nach Vorlage erster Eckpunkte im Bundestag in dieser Woche verabschiedet werden.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte im Herbst für Aufregung gesorgt, als er sich gegen Gentests an Embryos gewandt hatte, weil sie zu einer Abtreibung führen könnten. Aus Rücksicht auf die Kirchen schien erneut reichlich Sand ins Verhandlungsgetriebe zu rieseln. Dabei hatte die Enquête-Kommission „Recht und Ethik in der modernen Medizin” bereits 2002 umfassende Regeln zu genetischen Untersuchungen am Menschen gefordert.

Schließlich bergen die bis zu 300.000 Analysen pro Jahr teils erhebliche Risiken. Das Wissen über eine künftige Krankheit kann mehr schaden als nutzen, wenn man dem Leiden nicht vorbeugen kann. Nur wenige Krankheiten wie das Nervenleiden Chorea Huntington können eindeutig vorhergesagt werden. Nur selten gibt es Gewissheit. Getestete können oft nur in Erfahrung bringen, ob sie ein erhöhtes Risiko beispielsweise für Thrombosen oder Krebs haben. Das kann ihnen das Leben schwer machen.

Grundsätzlich soll nun ein Recht auf Wissen und eines auf Nichtwissen festgeschrieben werden. Betroffene müssen Gentests rechtswirksam zugestimmt haben. Vorherige Beratung ist Pflicht. Arbeitgeber und Versicherungsfirmen sollen von Bewerbern und Kunden grundsätzlich keine Gen-Untersuchungen verlangen dürfen. Versicherer dürfen bereits bekannte Gen-Informationen trotz Bedenken von Kritikern aber verwenden - und zwar, wenn die Versicherungssumme 300.000 Euro übersteigt. Heimliche Vaterschaftstests werden verboten.

Babys vor der Geburt dürfen nur aus medizinischen Zwecken getestet werden - und nicht, weil werdende Eltern Aufschluss über Geschlecht oder künftige Eigenschaften haben wollen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich bei der Vorlage des Gesetzentwurfs sicher, dass die Menschen nun vor dem Missbrauch ihrer Daten geschützt würden. „Ich bin davon überzeugt, dass es eine große Akzeptanz in der Bevölkerung geben wird”, sagt auch Widmann-Mauz. Wie wirksam und dauerhaft die geplanten Grenzen für die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten sind, ist unter Experten freilich strittig.