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Berlin: Gefahren der Grippe bleiben unterschätzt

Berlin : Gefahren der Grippe bleiben unterschätzt

Die Gefahren der Influenza werden nach Ansicht von Medizinern unterschätzt. Zwischen 2001 und 2007 starben in Deutschland nach Schätzungen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 31.000 Menschen infolge der sogenannten „echten Grippe”.

Erstmals tauchten im vergangenen Winter hierzulande Erreger auf, die gegen akute Antivirenmedikamente resistent sind - und das in größerem Ausmaß. Experten raten Alten und chronisch Kranken, sich vorab impfen zu lassen. Die Impfstoffe für die Saison 2008/2009 stehen schon bereit.

Nicht immer kommt Deutschland so glimpflich davon wie im vergangenen Winter. „Die Grippewelle von Januar bis März war schwach im Vergleich zu den Vorjahren”, sagte Silke Buda vom RKI. 1,2 Millionen Arztbesuche seien registriert worden. Zum ersten Mal seien allerdings in Deutschland Erreger entdeckt worden, die resistent waren gegen das akut verabreichte antivirale Mittel Oseltamivir.

Ihr Anteil habe im Laufe des Winters zugenommen und schließlich ein Zehntel aller Influenzaviren ausgemacht, erläuterte Buda.

Prognosen über Ausmaß und Verlauf die Grippewelle im kommenden Winter sind Burda zufolge nicht möglich. Die Herkunft der jährlich auftauchenden und weltweit zirkulierenden Viren bleibe ein ungelöstes Rätsel der Medizin.

Tom Schaberg vom Diakoniekrankenhaus Rotenburg warnte, die Influenza sei „keine banale Krankheit”. Dieser Irrtum sei jedoch noch weit verbreitet. Der Pneumologe sagte: „Sie ist ein komplikationsträchtige Erkrankung.” Was mit plötzlichem Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten beginne, könne schwere Erkrankungen wie Lungenentzündungen hervorrufen, die stationär behandelt werden müssten. Vor allem bei älteren Menschen und chronisch Kranken mit Asthma, Diabetes oder Herz- und Kreislaufkrankheiten könne die Grippe tödlich enden.

Udo Buchholz vom RKI betonte: „Der beste Schutz ist eine Grippeschutzimpfung.” Die Zahl der Grippetoten zwischen 2001 und 2007 hätte um fast 3000 geringer ausfallen können, wären die Menschen besser geimpft gewesen. Neun von zehn Toten seien älter als 60 Jahre. Die Impfquote bei Risikopersonen liege in Deutschland bei rund 50 Prozent. „In Europa gehören wir damit zu den Schlusslichtern„, sagte Buchholz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle, bis Jahr 2010 eine Quote von 75 Prozent anzustreben.

Buchholz betonte: „Wir müssen die Impfraten noch deutlich steigern.” Infokampagnen über Risiken der Influenza und Möglichkeiten des Schutzes würden nochmals ausgedehnt. Grippeimpfungen seien für gesetzlich Krankenversicherte kostenlos, außerdem falle dafür keine Praxisgebühr an. Buchholz erklärte, wer sich jetzt impfen lasse, sei bis nächstes Jahr geschützt. Allerdings könne die Impfung durchaus später erfolgen, der Schutz werde dann nach zehn Tagen aktiv.

„Selbst im Januar lohnt es sich noch.” Er sagte, der Impfstoff für den nächsten Winter basiere auf den Virenstämmen der zurückliegenden Saison. Die Zusammensetzung des Impfstoffs werde jährlich aufs Neue von der WHO vorgegeben.