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Stuttgart: Forscher: Nährstoffmangel kann zu Entwicklungsstörungen führen

Stuttgart : Forscher: Nährstoffmangel kann zu Entwicklungsstörungen führen

Satt sein genügt nicht: Etwa 2,5 Milliarden Menschen weltweit fehlen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebenswichtige Stoffe im täglichen Essen. Bei diesem Phänomen des „Hidden Hungers” (auf Deutsch: verborgener Hunger) fehlten in erster Linie Eisen, Jod, Zink und Vitamin A in der täglichen Nahrung, sagt der Ernährungswissenschaftler Hans Konrad Biesalski vom Food Security Center an der Universität Hohenheim.

Noch bis zum 9. März diskutieren führende Wissenschaftler unter anderem aus Deutschland und den USA an der Hochschule über verborgenen Hunger. Lebenswichtige Mikronährstoffen kämen zwar in einer ausgewogenen Ernährung ausreichend vor. „Aber wenn das Nahrungsangebot schmaler wird, läuft man Gefahr, dass sie nicht mehr genügen”, sagt Biesalski. „Was das für Konsequenzen hat, erkennen wir oft zu spät, weil sich der Hidden Hunger zunächst nicht äußert.” Sicher sei: „Hungertote sind nur die Spitze des Eisbergs.” Zu den drei bis vier Millionen Kindern, die jährlich an den Folgen des Hungers sterben, kämen bis zu zehn Mal mehr Kinder hinzu, die ständig am Rande des Abgrunds leben.

Untersuchungen in Entwicklungsländern haben dem Wissenschaftler zufolge gezeigt, dass Kinder, die schlecht mit Zink und Vitamin A versorgt werden, häufiger krank sind und sich nicht richtig entwickeln können. „Diese Störungen - sowohl körperlich als auch geistig - sind später nicht mehr aufzuholen”, sagt Biesalski.

In Deutschland gebe es auch zahlreiche Menschen, deren Einkommen für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung nicht ausreiche. „Wie die Ernährung eines Kindes bis zum Ende des zweiten Lebensjahres in Deutschland aussieht - dazu fehlen bei uns die Zahlen”, sagt Biesalski. Experten müssten daher auf Daten anderer Länder zurückgreifen, beispielsweise aus den USA. Dort hätten Studien gezeigt, dass gerade Kinder aus armen Familien am Verborgenen Hunger litten. Als Folge seien sie beispielsweise schwächer, ihr Wachstum reiche nicht aus und ihre geistige Entwicklung hinke hinterher. In Deutschland wiesen Studien in eine ähnliche Richtung: Das Dortmunder Institut für Kinderernährung habe im vergangenen Jahr in einer Studie mit 13 450 Kindern zwischen 3 und 17 Jahren gezeigt, dass in ärmeren Familien die Nahrungsvielfalt deutlich eingeschränkter sei. Niedriges Einkommen gehe häufiger mit Übergewicht bei Kindern einher. „Sehr energiereiche Lebensmittel sind häufig billiger als energiearme und enthalten darüber hinaus weniger lebenswichtige Mikronährstoffe”, sagt Biesalski.

Aus einer Analyse des Instituts für Kinderernährung werde zudem klar: „Der Regelsatz Hartz IV für Ernährung von Kindern reicht für eine gesunde Ernährung nicht aus.” Um verborgenem Hunger auch in Deutschland entgegenzuwirken, sei beispielsweise eine kostenfreie Ernährung in Kindertagesstätten denkbar, so wie dies in skandinavischen Ländern der Fall ist. „Das wäre ein erster Schritt.”

(dpa)