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New York: EU-Freigabe für neuartiges Aids-Mittel - Schutzschild für Zellen

New York : EU-Freigabe für neuartiges Aids-Mittel - Schutzschild für Zellen

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat von der EU die Freigabe für ein neues Aids-Mittel erhalten. Celsentri ist der erste Vertreter einer neuen Art von HIV-Medikamenten, wie Pfizer am Montag mitteilte.

Sein Wirkstoff Maraviroc verleiht den weißen Blutkörperchen eine Art Schutzschild gegen das Eindringen der Aidsviren. Er blockiert eine Schlüsselstelle auf den Zellen, auf die die meisten Aidsviren zum Kapern der Blutkörperchen angewiesen sind. Menschen, denen auf Grund einer Mutation dieser CCR5-Rezeptor fehlt, sind gegen viele Aidsviren immun. Bisherige Aids-Mittel entfalten ihre Wirkung entweder erst in den infizierten Zellen oder greifen die Viren direkt an.

Maraviroc wurde nach Pfizer-Angaben 1997 entwickelt und soll „bald” in Europa erhältlich sein. Einen genauen Zeitpunkt gab der Konzern nicht bekannt. In den USA hat das Medikament Anfang August die Freigabe durch die Food and Drug Administration (FDA) erhalten. Das Mittel hat sich in Tests auch als wirksam gegen Aidsviren gezeigt, die gegen andere Medikamente bereits resistent geworden sind.

Maraviroc gehört zur jungen Gruppe von Medikamenten, die ein Verschmelzen der Viren mit der Zelle behindern. Der erste sogenannte Fusionsinhibitor, Fuzeon (Wirkstoff Enfuvirtide), greift am Virus an und besetzt dort die Andockstelle zum Zellrezeptor CD4, ohne den ein Verschmelzen mit der Zelle generell nicht möglich ist. Zusätzlich zu CD4 benötigt HIV eine weitere Andockstelle auf der Zelle, meist CCR5. Alternativ zu CCR5 besetzen manche Viren den Rezeptor CXCR4, für den es noch kein Schutzschild gibt. Viele bisherige Kandidaten haben sich als giftig erwiesen.