Hannover: Doping-Hormon heilt bei Diabetes-Patienten chronische Wunden

Hannover: Doping-Hormon heilt bei Diabetes-Patienten chronische Wunden

Durch eine Behandlung mit dem körpereigenen Hormon Erythropoietin (EPO) heilen schwere chronische Wunden wesentlich schneller ab als durch konventionelle Therapien. Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgefunden, die Diabetes-Patienten nebenwirkungsfrei mit EPO behandelt haben.

Schon geringste Mengen des als Doping-Mittel bekannten Hormons regen die Bildung von Stammzellen an, die der Körper zur Regeneration von Verletzungen und Organschäden einsetzt, wie die Wissenschaftler um Hans-Oliver Rennekampff von der MHH-Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie berichten.

„Es gibt in Deutschland jedes Jahr etwa zwei bis drei Millionen Patienten, die unter schweren, chronisch offenen Wunden leiden. Die Hauptursachen sind Diabetes mellitus und eine Reihe von Gefäßleiden”, berichtet Rennekampff, MHH-Bereichsleiter für Verbrennungsmedizin und Hautregeneration. „Es gibt zwar verschiedene konservative Behandlungsmöglichkeiten wie spezielle Wundauflagen oder chirurgische Maßnahmen wie die Hauttransplantation, aber eine erschreckend große Anzahl an Patienten spricht auf diese Behandlungen nicht an oder ist für die operative Therapie nicht geeignet.”

Bei der Suche nach alternativen molekularbiologischen Therapiestrategien sind die Wissenschaftler auf die Verwendung von EPO gestoßen. Das Hormon wird von der Niere gebildet und reguliert die Entstehung der roten Blutkörperchen aus dem Knochenmark. Für die deutschlandweit angelegte Studie werden 90 Patienten in einem Zeitraum von je zwölf Wochen untersucht, eines der Studienzentren ist dabei die MHH.

Die Ergebnisse weisen nun darauf hin, dass EPO schon in niedrigsten Dosierungen einen positiven Einfluss auf die Wundheilung hat: Es fördert die Bildung von körpereigenen Stammzellen, was wiederum zur vermehrten Bildung von roten Blutkörperchen führt. Die damit erreichte erhöhte Durchblutung des Körpergewebes verbessert die Versorgung der Wunde. Nebenwirkungen sind bei dem neuen Therapieprinzip nicht beobachtet worden.

In Deutschland leiden schätzungsweise zehn Millionen Patienten an Diabetes. Aufgrund der schweren chronischen Sekundärerkrankungen gewinnt die Volkskrankheit auch zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Zu den Folgeerkrankungen gehören unter anderem Bluthochdruck, Herzinfarkt, Netzhautablösung bis hin zur Erblindung und Nervenschädigungen. Die ausgelösten Durchblutungsstörungen ziehen auch Wunden und Geschwüre nach sich, die einen chronischen Verlauf nehmen. Im schlimmsten Fall droht die Amputation der betroffenen Gliedmaßen.

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