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Bonn/Wiesbaden: Die Menge machts: Omega-3-Fettsäuren schützen Herz und Kreislauf

Bonn/Wiesbaden : Die Menge machts: Omega-3-Fettsäuren schützen Herz und Kreislauf

Fettreiche Nahrung ist ungesund. Seit langem sind sich Ernährungsexperten darüber einig, dass energiereiche Fettmoleküle nur rund ein Drittel unseres täglichen Energiebedarfs decken sollten. Doch nicht alle Fette sind schlecht. Besonders Omega-3-Fettsäuren haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Sie finden sich beispielsweise in Fisch, aber auch in Pflanzenölen. Mittlerweile hat auch die Werbung die mehrfach ungesättigten Fettsäuren entdeckt. Laut Experten werden sie jedoch überschätzt.

Omega-3-Fettsäuren sind so genannte essenzielle Nährstoffe. Das heißt, der menschliche Körper kann sie nicht selbst herstellen, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen.

Die Bezeichnung Omega-3 bezieht sich auf den besonderen Bau dieses Fettsäuremoleküls. Chemiker zählen sie zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und grenzen sie gegen die - ernährungswissenschaftlich gesehen - schlechteren gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren ab.

Die aus Omega-3-Fettsäuren aufgebauten Fette unterscheiden sich deutlich von anderen Fetten. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn schützen Omega-3-Fettsäuren vor allem gegen Herzkreislauferkrankungen wie Infarkt und Schlaganfall. Sie beugen Blutgerinnseln - Thrombosen - vor und schützen vor Arterienverkalkung, da sie die Blutfettwerte senken.

Zudem können Omega-3-Fettsäuren Entzündungen hemmen und das Immunsystem stärken. Studien zufolge könnten sie möglicherweise auch gegen Krebs wirken. Überzeugende Beweise dafür gibt es bislang aber nicht.

„Unser Körper benötigt Omega-3-Fettsäuren als wichtige Bausteine der Zellmembranen sowie für Gewebshormone”, erklärt die Ökotrophologin Petra Ambrosius, die in Wiesbaden ein Studio für Ernährungsberatung betreibt. Für die Funktion von Nerven, Muskeln und Augen seien sie unentbehrlich.

Die optimale Menge an Omega-3-Fettsäuren liegt laut DGE bei etwa 0,5 Prozent der gesamten Energiezufuhr. Für eine erwachsene Frau mit einem täglichen Energiebedarf von etwa 1900 Kilokalorien (kcal) ist das 1 Gramm pro Tag. Bei einem erwachsenen Mann mit einem täglichen Energiebedarf von 2400 kcal seien dies 1,3 Gramm pro Tag. Bei Herz-Kreislauf-Patienten darf es auch mehr sein.

Als ergiebige Quellen von Omega-3-Fettsäuren gelten fettreiche Meeresfische und Pflanzenöle. Die für die Ernährung wichtigsten Omega-3-Fettsäuren sind Alpha-Linolensäure (ALA), die etwa in Raps-, Lein- und Walnussöl zu finden ist. Wichtig sind auch Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) - sie kommen vor allem in Fischen wie Makrele, Lachs und Hering vor.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bestehen große Unterschiede zwischen den drei genannten Fettsäuren. So muss der Körper ALA erst zu EPA umwandeln, bevor diese Fettsäure ihre gesundheitsfördernde Wirkung entfalten kann.

Laut Arbeitskreis Omega-3, einer Lobbygruppe aus Wissenschaftlern und Lebensmittelproduzenten mit Sitz in Frankfurt, geschieht dies bei der heute üblichen Ernährung aber nur zu einem geringen Teil.

Die Konsequenz aus Sicht des Arbeitskreises: mehr Omega-3-Fettsäure in Form von angereicherten Lebensmitteln wie Omega-3-Brot, Omega-3-Eiern oder Omega-3-reicher Margarine.

„Schlechte” Omega-6-Fettsäuren, die in Keimölen und herkömmlichen Margarinen häufig sind, sollten weniger häufig auf dem Speiseplan stehen. Gleiches gelte für gesättigte Fette aus Wurst, fettreichen Molkereiprodukten und gehärteten Pflanzenfetten.

Die DGE sieht das anders: Gesunde Menschen können der Organisation zufolge vorbeugend wirksame Mengen von Omega-3-Fettsäuren allein mit einer vollwertigen Ernährung erreichen - durch den Verzehr von fettem Seefisch und die Verwendung von Pflanzenölen, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind.

Die DGE empfiehlt daher mindestens eine Fischmahlzeit pro Woche. Supplemente in Form von Nahrungsergänzungsmitteln - beispielsweise Fischölkapseln - sollten nur auf Anordnung eines Arztes eingenommen werden, so die DGE.

Bei der Diskussion um die gesundheitlichen Auswirkungen von Omega-3-Fettsäuren dürfe ein Fehler nicht gemacht werden, warnt Petra Ambrosius: Forschungsergebnisse von einer Omega-3-Fettsäure auf eine andere zu übertragen verbiete sich. So hätten ALA keinen „deutlichen Effekt auf den Blutdruck und die Thrombozytenaggregation”.

Bei zu hohem Cholesterinspiegel sei eine Senkung der Blutfette LDL und HDL beobachtet worden. EPA und DHA, die eher vergleichbar sind, wirkten „günstig auf das Endothel, hebend auf das HDL- und LDL-Cholesterin und hemmend auf die Thrombozytenaggregation”. DHA sei zudem in der Lage, den Blutdruck zu senken.

Und auch mit Rücksicht auf die weltweit bedrohten Fischbestände kann die Nutzung von Omega-3-reichen Nahrungsergänzungsmitteln nach Ansicht von Petra Ambrosius nicht generell abgelehnt werden. „Um die richtige Dosierung sicher zu stellen, ist es aber sinnvoll, sich Omega-3-Fettsäure-Supplemente verschreiben zu lassen”, sagt die Ernährungsberaterin.

Denn trotz aller gesundheitsfördernden Eigenschaften: Das Motto „Viel hilft viel” ist beim Umgang mit Omega-3-Fettsäuren nicht angebracht: Denn sie sind immer noch Fette - und davon sollte man nicht zu viel zu sich nehmen.