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Berlin: Der Gesundheitsfonds und die Folgen

Berlin : Der Gesundheitsfonds und die Folgen

Mit dem Jahreswechsel stehen Krankenversicherten zahlreiche Änderungen ins Haus. Kernstück der dann greifenden Neuerungen ist der Gesundheitsfonds, mit dem sich die gesetzlichen Kassen auseinandersetzen müssen.

Er hat in Teilen einen Systemwechsel zur Folge - und das wirkt sich auf Versicherte aus.

Die meisten Deutschen wissen offenbar noch gar nicht, was auf sie zukommt - Studien decken sich in diesem Punkt mit Einschätzungen von Verbraucherschützern. Möglicherweise liegt das daran, dass die Neuerungen facettenreich sind. Im Mittelpunkt steht der Gesundheitsfonds: In diesen neuen Topf zahlen Versicherte ein, Kassen erhalten daraus Geld.

Je nach Alter, Geschlecht und Krankheit ihrer Versicherten erhalten die Kassen außerdem Zu- oder Abschläge. Und über den sogenannten Risikostrukturausgleich sollen schwerwiegende und kostenintensive chronische Krankheiten berücksichtigt werden, erläutert das Bundesgesundheitsministerium in Berlin - zum Beispiel Asthma und Diabetes.

In den Fonds zahlen gesetzlich Versicherte künftig alle nach dem gleichen Beitragssatz ein - wie in der gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung gilt damit auch in der Gesundheitsvorsorge ein einheitlicher Satz, erklärt das Ministerium. Die Politik legt diesen für die gesetzlich Versicherten künftig jährlich neu fest. Genannt wurden im Vorfeld Zahlen zwischen 15 und 16 Prozent, derzeit beträgt der Durchschnittssatz 14,92 Prozent.

Für viele könnte es also teurer werden. Das gilt umso mehr, wenn die Kassen mit dem ihnen zugeteilten Geld nicht auskommen. Dann dürfen sie Zusatzbeiträge von den Versicherten erheben - ein solcher Beitrag darf sich laut Gesundheitsministerium auf maximal ein Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des Versicherten belaufen. Im umgekehrten Fall zahlen die Kassen ihren Versicherten Geld zurück.

„Für die Kassen beginnt das neue Jahr mit erheblichen Unwägbarkeiten”, sagt Stefan Etgeton, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Ernährung beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. „Vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass schon vor dem Jahreswechsel Beitragssätze erhöht werden. Die Krankenkassen gehen auf Nummer sicher.” Langfristig werde es durch den Wettbewerb weniger Kassen geben, sagt Etgeton.

Denn die Kassen müssen sich nun stärker um die Wirtschaftlichkeit und Qualität ihrer Leistungen bemühen, so das Gesundheitsministerium - mehr Wettbewerb durch Kostendruck also. Erste Fusionen wurden bereits bekanntgegeben. Darüber hinaus, so die Einschätzung von Etgeton, werden die Kassen 2009 erst einmal „gar nichts” tun - niemand wolle der erste sein, der eine Zusatzprämie erhebt. „Eine Kasse, die kurz vor der Erhebung einer Nachforderung steht, wird erst einmal restriktiver bei der Leistungsvergabe vorgehen.”

Schon jetzt blicken Versicherte offenbar skeptisch in die Zukunft, was ihre Versorgung angeht: Mehr als die Hälfte rechnet laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Psychonomics aus Köln mit Leistungskürzungen, zwei Drittel mit einem zum Teil deutlich höheren Beitragssatz. Dass möglicherweise Zuschläge auf sie zukommen, wissen aber nur wenige Versicherte - sie wollen sich aber unter Umständen um einen Wechsel bemühen, wenn es dazu kommt, ergab die Studie.

Gesetzlich Versicherte, die sich bislang jeweils nach dem günstigsten Anbieter umgeschaut haben, müssen bei der Kassenwahl dann umdenken. Dass mit dem Beitragssatz ein Entscheidungskriterium für die Kassenwahl wegfällt, müsse nicht schlecht sein - die Angebote unterscheiden neben dem gesetzlichen Leistungskatalog immer noch in zahlreichen Sonderkonditionen, sagt Daniela Hubloher, Expertin für Gesundheitsdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt/Main: „Aber leider ist das Angebot sehr unübersichtlich. Es gibt kein zentrales Verzeichnis, in dem sich alle Angebote mit zum Teil nur regionalen Sonderkonditionen finden.”