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Berlin: Depressionen bei Kindern bleiben häufig unerkannt

Berlin : Depressionen bei Kindern bleiben häufig unerkannt

Depressionen äußern sich bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen und werden daher von den Eltern oftmals nicht erkannt.

„So beschreiben jüngere Kinder ihr Leiden als Bauchweh oder Kopfweh, weil sie ihre Gemütslage nicht anders ausdrücken können”, erklärt Prof. Michael Schulte-Markwort, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin. „Betroffene Kinder verlieren sehr oft die Lust am Spielen oder zeigen introvertiertes aber auch aggressives Verhalten.”

Entwickeln ältere Kinder Depressionen, nehmen laut Schulte-Markwort oftmals ihre schulischen Leistungen plötzlich ab. Sie äußern Zukunftsängste und berichten von ihrer Traurigkeit oder sogar von Selbstmordgedanken.

„Eltern sollten daher mit ihren Kindern möglichst viel sprechen, um auf bedenkliche Veränderungen in ihrer Gemütslage reagieren zu können”, rät der Leiter der Psychosomatischen Abteilung der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Familienrituale wie gemeinsames Essen und Spieleabende gäben Kindern die Möglichkeit, sich mitzuteilen.

Neben einer möglichen familiären Veranlagung können belastende Lebensumstände wie die Krankheit eines Elternteils, Scheidung oder Armut der Eltern eine Depression bei Kindern zum Ausbruch bringen. Aber auch Hänseleien in der Schule und Angst vor Zeugnissen kann die Erkrankung begünstigen.

„Wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind depressiv ist, sollte man unbedingt einen Kinderpsychiater aufsuchen”, rät Prof. Schulte-Markwort. „Durch eine Verhaltenstherapie können ältere Kinder neue Techniken zum Lösen von Problemen erlernen.” Jüngere Kinder könnten in einer Spieltherapie Sicherheit und Selbstbewusstsein erfahren.