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Corona: Arztpraxen vor finanziellen Herausforderungen

Corona : Arztpraxen vor finanziellen Herausforderungen

Viele Arztpraxen stehen in Zeiten von Corona unter Druck. Allerdings nicht im Hinblick auf die Behandlung von Patienten mit COVID-19. Vielmehr bedrohen Umsatzeinbrüche und rückläufige Patientenzahlen die Existenz niedergelassener Ärzte. Wie können Arztpraxen die finanziellen Herausforderungen während der Krise meistern?

Rückläufige Patientenzahlen in jeder zweiten Praxis

Heilberufen wird in der Coronakrise vieles abverlangt. War anfangs noch von drohender Überlastung die Rede, so ist die eigentliche Last momentan der wirtschaftliche Einbruch. Viele Patienten verschieben aus Sorge vor Ansteckung Arztbesuche oder sagen sie ab. Das gilt sowohl für chronisch Kranke als auch Notfälle. Für Praxen hat das schwerwiegende Umsatzeinbrüche zur Folge. Besonders von Patientenrückgang betroffen sind laut einer Umfrage der apoBank Facharztgruppen mit hohem Selbstzahleranteil, so insbesondere:

  • Zahnärzte
  • Augenärzte
  • Hautärzte
  • Orthopäden

Insgesamt verzeichnet mehr als die Hälfte aller Praxen laut der Umfrage Umsatzeinbußen. Nicht immer bedeuten rückläufige Patientenzahlen dabei sinkenden Arbeitsaufwand. Über 40 Prozent aller Umfrageteilnehmer gaben an, ihr Arbeitspensum sei in Zeiten der Pandemie trotz Patientenrückgang gestiegen. Gründe dafür sind die seit der Krise verstärkten Hygienevorschriften, aber auch das erhöhte Informations­bedürfnis ihrer Patienten zu Corona und Ansteckungsrisiken.

Auch die strikte Trennung von Corona-Verdachtspatienten und restlicher Patientenschaft kann zu einem Mehr an Arbeitsaufwand führen. Finanzielle Not ist angesichts dieser Hintergründe gerade für kleinere Praxen vorprogrammiert.

Reicht der gesetzliche Schutzschirm?

Niedergelassene Heilberufler brauchen in Zeiten von Corona ein Konzept, um die mit der Krise verbundenen Liquiditätsprobleme zu bewältigen. Laut der apoBank hat

  • über ein Viertel aufgrund des rückläufigen Patientenaufkommens Kurzarbeit angemeldet.
  • knapp jede zweite Praxis staatliche Unterstützung beantragt.
  • ein Großteil seine Kredite aufgestockt oder ausgesetzt.
  • ein nicht zu unterschätzender Anteil neue Kredite beantragt.
  • ein geringer Prozentsatz über Entlassungen nachgedacht.
  • fast die Hälfte aller Ärzte Privatvermögen umgeschichtet.
  • über ein Viertel versucht, das Praxismanagement zu verbessern.

Der gesetzliche Schutzschirm für Heilberufe reicht nicht immer aus, um die krisenbedingten Finanzprobleme niedergelassener Ärzte zu lösen. Daher bemühen sich zahlreiche Praxen mittlerweile darum, ihr Praxismanagement mit telemedizinischen Lösungen effizienter zu gestalten. Ansätze wie zeitsparende Video-Sprechstunden und effizientes Online-Terminmanagement haben sich während der Krise als patienten- sowie ärztefreundliche Lösungen mit hohen Sparpotenzialen herausgestellt.

Welche Liquiditätsmaßnahmen stehen Ärzten zur Verfügung?

Mit Maßnahmenpaketen will die Bundesregierung Berufstätige während der Krise unterstützen. Was Steuerzahlungen, Mietzahlungen und Darlehensrückzahlungen betrifft, schafft das Maßnahmenpaket Erleichterungen. So wie alle anderen Berufssparten können sich auch Arztpraxen auf die verabschiedeten Maßnahmen beziehen und haben sogar einige Zusatzmöglichkeiten, um ihre finanzielle Lage zu verbessern. Um die Krise zu bewältigen, stehen ihnen insgesamt folgende Schritte zur Verfügung:

  1. Aussetzung der Praxis-Miete
  2. Antrag auf staatliche Hilfen
  3. Antrag auf Kurzarbeit
  4. Aussetzung etwaiger Darlehenszahlungen
  5. Stundungsantrag ans Finanzamt
  6. Beantragung eines KfW-Kredits
  7. Aufschub etwaiger Wartungs- und Softwarezahlungen
  8. KV-Anträge zur Beibehaltung der Fallzahlen
  9. effizienteres Praxismanagement durch digitale Lösungen

Punkt acht ist in vielen Praxen besonders relevant. Vorauszahlungen der Krankenkassen sind für viele Niedergelassene fast die einzige Einnahmequelle. Fallen sie wegen sinkender Fallzahlen für die kommenden Quartale ab, leidet die Liquidität darunter erheblich. Bevor laufende Kosten wie Gehälter und Sozialabgabe nicht mehr bezahlt werden können, lohnt der Antrag auf Beibehaltung der Fallzahlen.

Perspektive: Ist neues Praxismanagements für die Zukunft unausweichlich?

Staatliche Hilfen wie Steuerstundungen und Mietaufschübe sind Soforthilfen, die zur Verbesserung der aktuellen Liquidität beitragen sollen. Sie lösen finanzielle Einbrüche und Patientenrückgänge aber nicht auf lange Sicht. Das größte Problem ist die Ungewissheit darüber, ob und wann sich Patienten wieder wie gewohnt in der Praxis einfinden werden. Wer ihnen nicht entgegenkommt, muss schlimmstenfalls mit dauerhaften Patienteneinbußen rechnen.

Dass die Krise den digitalen Fortschritt vorantreibt, ist vor diesem Hintergrund von Relevanz. Viele Patienten werden in Zukunft digitale Angebote vorziehen und nur noch im Notfall in Arztpraxen erscheinen. Unverzichtbar für das Überleben von Arztpraxen sind daher telemedizinische Schritte wie

  • Video-Sprechstunden
  • Chat-Kommunikation
  • Online-Terminvergabe

Schon vor der Krise war die Digitalisierung des Gesundheitssystems ein relevantes Thema. Viele Ärzte sträubten sich damals wegen Datenschutzbedenken und gesetzlicher Bedingungen wie dem Fernbehandlungsverbot allerdings noch gegen die Integration digitaler Angebote. In Zukunft wird der Verzicht darauf kaum noch eine Option sein.

Um als Praxis eine Perspektive zu haben, muss man den neuen Ansprüchen der Patientenschaft gerecht werden. Wie lange sich Patienten bei Arztbesuchen noch vor der Ansteckung mit dem Virus fürchteten werden, steht in den Sternen. Umso wichtiger ist es, dass man ihnen diesbezüglich entgegenkommt. Fernbehandlungsmöglichkeiten sind in diesem Kontext für Behandler und Patienten gleichermaßen bestens geeignet.

(rd)