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Berlin: Bundesinstitut: Zuckerverbot für Diabetiker nicht mehr nötig

Berlin : Bundesinstitut: Zuckerverbot für Diabetiker nicht mehr nötig

Ein strenges Zuckerverbot für Diabetiker ist nach Einschätzung des zuständigen Bundesinstituts nicht länger nötig. Vielmehr sollten sich Zuckerkranke an den allgemeinen Ernährungsempfehlungen orientieren und vor allem täglich Obst und Gemüse essen, teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am Montag in Berlin mit.

Für die Ernährung seien Diabetiker-Lebensmittel mit Zuckeraustauschstoffen nicht erforderlich. Die neuen Empfehlungen sind allerdings kein Aufruf zum Sahnetorten-Essen bei Diabetes. Sie stehen für durchdachte, individuelle und ausgewogene Speisepläne.

Obst, Gemüse und Salat sowie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten den Empfehlungen zufolge täglich auf dem Diabetiker- Speiseplan stehen. Meiden sollten Zuckerkranke nach wie vor fette Wurst- und Käsesorten, Schokolade, Kuchen und Kartoffelchips. Sie sollten auch weiterhin zu fettarmen Milchprodukten greifen, zum Kochen Öle statt Butter verwenden, nicht zu salzig essen und Alkohol nur in Maßen genießen.

Bereits im August 2007 und im Januar hatte das BfR Stellungnahmen verfasst, wonach spezielle Lebensmittel wie zum Beispiel Schaumwein für Diabetiker unnötig sind. Auf den BfR-Internet-Seiten seien die Begründungen aber erst jetzt in voller Länge veröffentlicht worden, sagte Sprecherin Ariane Girndt.

Die Stellungnahmen überraschen, weil Diabetikern lange empfohlen wurde, Zucker in der Nahrung streng zu kontrollieren oder auf Lebensmittel mit Zuckeraustauschstoffen wie Fruktose zurückzugreifen. Neuere Studien zeigten jedoch, dass solche speziellen Lebensmittel nicht erforderlich seien, betonte Girndt.

Denn Diabetes ist laut BfR keine reine „Zuckerkrankheit”, sondern geht mit Störungen des Protein- und Fettstoffwechsels einher. Neben normalen Blutzuckerwerten seien heute gute Blutfettwerte, normaler Blutdruck und normales Körpergewicht Ziele der Diabetes-Therapie. Diese Ziele lassen sich nach BfR-Einschätzung vor allem durch eine ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung erreichen.

Noch greift rund die Hälfte der Zuckerkranken nach BfR- Erkenntnissen zu Diät-Lebensmitteln. Besondere Vorschriften für Diabetiker-Produkte erübrigten sich nun aber. „Vielmehr sollte eine einheitliche und erweiterte Nährwertkennzeichnung auf Verpackungen Diabetikern die Auswahl erleichtern”, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Wie alle anderen Verbraucher auch würden Zuckerkranke von einer erweiterten Nährwertkennzeichnung profitieren, wie sie zurzeit auf europäischer Ebene diskutiert werde. Nötig seien leicht verständliche Angaben nicht nur zu Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett, sondern auch zu Gesamtzucker, gesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Natrium oder Kochsalz auf verpackten Lebensmitteln.