Münster: Borderline: Mehr als 1,5 Millionen Bundesbürger betroffen

Münster: Borderline: Mehr als 1,5 Millionen Bundesbürger betroffen

Mehr als 1,5 Millionen Bundesbürger machen nach Schätzungen von Experten die krankhaften Stimmungsschwankungen des Borderline-Syndroms durch.

„Die Betroffenen - und auch ihr Umfeld - leiden unter der Intensität und Dramatik ihrer Psyche”, teilte die Universität Münster mit. In einer aufwendigen Studie hat der Münsteraner Wissenschaftler Prof. Stephan Doering nachgewiesen, dass bei dieser psychischen Störung die „Übertragungs-fokussierte Psychotherapie” eine besonders erfolgreiche Form der Behandlung ist.

Bei der Therapie handele es sich um eine abgewandelte Form der klassischen Psychoanalyse von Sigmund Freud. „Dabei wird auf das Behandlungssofa verzichtet”, sagte Doering. Zudem handele es sich um eine ambulante Therapie, die nur zweimal pro Woche stattfinde.

Sechs Jahre lang untersuchte Doering die Therapieerfolge von insgesamt 104 Borderline-Patientinnen, die nach dem Zufallsprinzip entweder für die spezielle Therapie oder aber eine konventionelle Behandlung ausgewählt wurden.

Generell seien Männer genauso häufig am Borderline-Syndrom erkrankt wie Frauen. Allerdings ließen sich Männer nur sehr selten medizinisch behandeln. Für seine Forschungsergebnisse erhielt der Forscher kürzlich in Mainz vom Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin den Adolf-Ernst-Meyer-Preis.

Die „Übertragungs-fokussierte Psychotherapie” stammt laut Doering aus den USA und wird seit Ende der 1990er Jahre auch in Deutschland angewandt. Bei ihr stehe nicht wie bei anderen Therapieformen die Aufarbeitung der Vergangenheit im Fokus, sondern das Verhältnis zum Therapeuten.

„Die Erkrankten projizieren immer einen Teil von sich auf das Gegenüber, wie bei einem Spiegel”, sagte Doering. Daher könne der Therapeut die typischen Verhaltensweisen besser aufdecken und behandeln. Zu der ambulanten Behandlung gehören außerdem Notfallpläne, damit die Patienten auch außerhalb einer psychischen Klinik mit ihren schwankenden Gefühlssituationen richtig umgehen können.

Als Borderline-Störung - auch Borderline-Krankheit oder -Syndrom genannt - wurde ursprünglich eine bestimmte Gruppe von Störungen an der Grenzlinie (englisch: Borderline) zwischen Neurose und Psychose bezeichnet. Heute weiß man, dass diese Störungen in ihrer Gesamtheit als Persönlichkeitsstörung zu sehen sind. Die Betroffenen gelten als „emotional instabil”. Ihr eigenes Selbstbild und ihre Zielvorstellungen sind unklar und gestört.

Mehr von Aachener Nachrichten