Chicago: Bluttests versagen bei der Identifizierung des Zytomegalievirus

Chicago: Bluttests versagen bei der Identifizierung des Zytomegalievirus

Speichelproben von Neugeborenen sind besser geeignet als Blutproben, um zuverlässig eine Infizierung mit dem berüchtigten Zytomegalievirus festzustellen - einer wichtigen Ursache von späterem Hörverlust.

Das haben US-Forscher in einer Studie mit mehr als 20.000 Babys herausgefunden. Demnach können anhand von Blutproben nur 30 bis 40 Prozent der infizierten Neugeborenen ermittelt werden. Mit der bisher durchgeführten Urinuntersuchung sind es dagegen nahezu 100 Prozent.

Diese benötigt aber neben einer guten Laborausrüstung auch viel Zeit und ist deshalb für ein Massen-Screening nicht geeignet. Es müsse deshalb weiter nach zeitsparenden und zuverlässigen Methoden gesucht werden, mit denen das Virus routinemäßig festgestellt werden kann, berichten die Wissenschaftler um Suresh Boppana von der University of Alabama in Birmingham im Fachmagazin „JAMA” (Bd. 303, Nr. 14, S. 1375).

Nach der Geburt werden im Rahmen sogenannter Neugeborenen-Screenings routinemäßig Blutproben der Babys genommen und auf verschiedene Krankheiten getestet. Viele Wissenschaftler hegten die Hoffnung, dass die auch als „heel stick-Test” bezeichnete Methode - das Blut wird an den Fersen der Babys entnommen - auch geeignet ist, um die Neugeborenen auf das Zytomegalievirus (ZMV) zu testen.

Dieses Herpesvirus kann in der Schwangerschaft von der Mutter übertragen werden und nach der Geburt zu schweren Folgeschäden führen, beispielsweise zum Verlust des Gehörs. Bisher werden zur Feststellung des Virus Urinproben benötigt, deren Entnahme und Untersuchung jedoch umständlich und zeitaufwendig sind. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb ZMV bislang nicht zu den routinemäßig überprüften Erregern gehört -„obwohl das sehr zu begrüßen wäre”, wie Daniela Huzly von der Virologie des Universitätsklinikums Freiburg gegenüber ddp sagte.

Die Forscher untersuchten nun, ob sich die ohnehin genommenen Blutproben tatsächlich eignen, um das Virus festzustellen. Dazu verwendeten sie Proben von 20.448 Neugeborenen und unterzogen sie einem molekularen Diagnostik-Verfahren, der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion. Dabei wird mit Hilfe eines Enzyms Erbsubstanz - in diesem Fall die DNA des Virus - vervielfältigt. Es entstehen fluoreszierende Kopien, die leicht entdeckt werden können. Gegenüber der bisher zur Untersuchung von Urinproben eingesetzten sogenannten rapid culture-Methode, wurden jedoch lediglich 28,3 Prozent der infizierten Babys identifiziert, nach einer leichten Abänderung des Verfahrens waren es immer noch nicht mehr als 34,4 Prozent.

„Für den standardmäßigen Einsatz muss die Methode aber mindestens 95 Prozent der infizierten Babys erkennen”, sagt Suresh Boppana. Die Wissenschaftler untersuchen nun, ob sich Speichelproben besser für eine Analyse mit der Polymerase-Kettenreaktion eignen, die im Vergleich zur rapid culture-Methode zeit- und kostengünstiger ist. Der Speichel von Infizierten enthält im Vergleich zum Blut nämlich eine höhere Konzentration des Virus. Diese Methode beurteilt auch Daniela Huzly vom Universitätsklinikum Freiburg als vielversprechend, „zumal Speichelproben leichter zu sammeln wären”.

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