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Berlin: Bitte trockenlegen: Anti-Schweiß-Strategien für heiße Tage

Berlin : Bitte trockenlegen: Anti-Schweiß-Strategien für heiße Tage

An den Schläfen rinnt das Wasser, unter den Ärmeln bilden sich nasse Flecken, unangenehmer Geruch macht sich breit: Von diesen Schattenseiten heißer Tage bleibt kaum jemand verschont. Da sind Anti-Schweiß-Strategien gefragt.

Schwitzen ist für den menschlichen Körper lebenswichtig. „Der Schweiß arbeitet wie eine Klimaanlage, die den Körper über Verdunstungskälte vor Überhitzung schützt”, erklärt Christian Raulin vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Dieses Kühlsystem springt an, sobald die Körperkerntemperatur von 37 Grad überschritten wird.

Der wichtigste Wärmesensor liegt im sogenannten Sonnengeflecht direkt neben dem Magen. „Wenn dieser und andere Sensoren „zu warm” angezeigt und ein entsprechendes Signal ans Gehirn gefunkt haben, schwitzt man erstmal los”, sagt Christoph Schick vom Deutschen Hyperhidrosezentrum (DHHZ) in München.

In der menschlichen Haut gibt es zwei Arten von Schweißdrüsen. Über die gesamte Oberfläche verteilt finden sich etwa zwei bis drei Millionen sogenannte ekkrine Schweißdrüsen. „Sie sind in hoher Dichte an Händen, Füßen und Achseln vorhanden und produzieren ein wässriges, elektrolytreiches Sekret”, sagt Raulin. Dieses ist wesentlich für die Temperaturregulation verantwortlich.

Vorwiegend in den Achselhöhlen, im Genital- und Analbereich liegen daneben die apokrinen Schweißdrüsen. „Ihr Sekret ist auch etwas anders zusammengesetzt: Es ist nährstoffreicher”, sagt Lea Sophie Lukas von der Stiftung Warentest in Berlin. Diese Drüsen sind erst ab der Pubertät aktiv und an der Temperaturregulation nicht beteiligt. Ihre Aufgabe ist, Duftstoffe abzugeben.

Beide Sekrete sind zunächst geruchsneutral. Doch das ändert sich schnell, wenn man verstärkt schwitzt. Überall dort, wo der Schweiß nicht abfließen oder abtrocknen kann - also vorrangig unter den Achseln und im Genitalbereich -, entsteht ein feucht-warmes Milieu. Darin fühlen sich Bakterien wohl. Sie haben zudem im Sekret der apokrinen Drüsen reichlich Nahrung. Sobald die Keime mit der Zersetzung des Sekrets beginnen, fängt das große Müffeln an.

Jeder Mensch schwitzt unterschiedlich. „Männer haben mehr Muskelmasse, produzieren dadurch mehr Wärme und schwitzen also auch mehr”, erläutert Schick. Daneben läuft dem einen in derselben Umgebung deutlich früher das Wasser herunter als dem anderen. „Vermutlich funktioniert die Steuerung der Schweißdrüsen unterschiedlich schnell”, sagt der Experte. Daneben spielen erbliche Veranlagung, Hormone und Erkrankungen eine Rolle. Der spezifische Geruch wird auch durch die Zusammensetzung der Bakterien bestimmt. Im Klartext heißt das: Das eigene Schwitzen kann man nur begrenzt beeinflussen.

Eine Möglichkeit ist, kurze Erhitzungen zu vermeiden. „Auch wenn der Körper nur kurze Zeit erhitzt wurde, dauert es eine Weile, bis das Gehirn das Schwitzen wieder stoppt”, sagt Schick. Also besser stramm in Richtung Bushaltestelle marschieren als in letzter Sekunde einen Sprint hinlegen. Und besser das Sakko ausziehen, bevor man in die Sommerhitze hinaus tritt.

Der zweite Ansatzpunkt ist die Ernährung, erklärt Warentesterin Lukas: „Scharf gewürzte Speisen, große, den Körper belastende Portionen, aber auch Kaffee und Alkohol können die Wärmeproduktion im Körper steigern.” Und auch Stress kann ein kräftiger Schweißtreiber sein. Entspannung und Ruhe könnten dazu beitragen, dass Betroffene weniger schwitzen, sagt Lukas.

Darüber hinaus gilt es, die unangenehmen Begleiterscheinungen des Schwitzens zu mildern - zum Beispiel durch die Kleidung. „In weiter, luftiger Kleidung schwitzt man zwar rein mengenmäßig nicht weniger, aber es kommt zu besserer Verdunstung auf der Haut”, sagt Schick. Bezüglich der Materialien gebe es keine eindeutige Empfehlung, weil jeder unterschiedlich empfindlich sei für bestimmte Stoffe. „Im Sportbereich sind dünne, leichte Kunststoffmaterialien weit verbreitet. Doch die mag nicht jeder direkt auf der Haut.”

Hautbakterien rückt man am besten mit Körperhygiene zu Leibe. „Dazu gehören regelmäßiges Wechseln und Waschen der Kleidung und Waschen mit warmem Wasser und einer milden Lotion oder Seife”, sagt Lukas. Dabei ist aus Sicht von Schick festes Reiben wichtiger als die Seifenmenge: „Mit kleinen Kunststoffknäulen oder unechten Schwämmen erreicht man Ritzen und Falten am besten.” Durch Rasieren der Achselhaare wird die Oberfläche verkleinert und den Bakterien Nährboden entzogen.

Nach dem Waschen kann ein Deodorant oder Antitranspirant verwendet werden. Beide enthalten Duftstoffe, mit denen der störende Schweißgeruch übertüncht wird, sowie Pflegestoffe für die Haut. Antitranspirantien setzen auf Aluminiumchlorid. „Dieses Salz hat die Fähigkeit, die Schweißdrüsenausführungsgänge im Bereich der unteren und mittleren Hautschichten günstig zu beeinflussen”, sagt Raulin. Es werde vermutet, dass es zu einem Abdichten der Ausführungsgänge kommt - und als Folge die Schweißdrüsen weniger aktiv sind. Kritiker der Aluminiumsalze befürchten, dass diese in den Körper gelangen und dort langfristig Schaden anrichten.

Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist widersprüchlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte im Frühjahr vor dem Gebrauch von Antitranspirantien mit Aluminiumchlorid gewarnt, nach den jüngsten Ergebnissen der Stiftung Warentest die Einschätzung jedoch bezüglich der getesteten Produkte relativiert. Bei der üblichen Konzentration sei bei einmaligem Gebrauch am Tag auf gesunder Haut kein Schaden zu befürchten, so Lukas. Um das Eindringen in den Körper nicht zu befördern, sollten sie aber nicht direkt nach der Rasur oder auf geschädigte Haut aufgetragen werden.

(dpa)