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Straubing/Nürnberg: Bayerische Wirte sind über Konkurrenz der Raucherclubs verärgert

Straubing/Nürnberg : Bayerische Wirte sind über Konkurrenz der Raucherclubs verärgert

Eine militante Nichtraucherin ist Hannelore Wutzdorff-Brunner nicht, aber eine Kämpfernatur. Seit Wochen wehrt sich die Straubinger Wirtin gegen die Raucherclubs in ihrer Umgebung.

In der niederbayerischen Stadt verwandeln sich immer mehr Kneipen zur geschlossenen Gesellschaft für Raucher und punkten damit bei den Gästen. In „Hannes Chaos” bleibt dagegen die Kundschaft weg, seitdem keine Aschenbecher mehr auf den Tischen stehen. Freitags sind der Rockkneipe 10 bis 20 Prozent des Umsatzes weggebrochen, samstags ein ganzes Drittel, am ehemals starken Mittwochabend noch mehr. Die absolute Wettbewerbsverzerrung sei das, schimpft die Wirtin. Mit ihrem Ärger ist die 64-Jährige nicht allein. Unter den Wirten in Bayern wächst der Unmut über die Konkurrenz der Raucherkneipen.

In der Straubinger Innenstadt sind laut Ordnungsamt 20 von rund 70 Gaststätten reine Raucherclubs. Unter den Kneipen, die abends und nachts noch geöffnet sind, gebe es aber nur noch acht Nichtraucherläden, sagt Wutzdorff-Brunner. Selbst Wirtskollegen, die eigentlich keine geschlossene Gesellschaft für Raucher gründen wollten, seien mittlerweile „umgefallen” - wegen des Umsatzdrucks. „Straubing ist fast eine einzige geschlossene Gesellschaft”, sagt die Wirtin.

Das neue Rauchverbot findet die 64-Jährige gut, die Schlupflöcher im Gesetz nicht. „Wischiwaschi” sei das gemacht, wettert sie, „ich habe es überhaupt noch nie erlebt, dass ein Gesetz verabschiedet wird und sich niemand daran hält.” Beim Ordnungsamt kennt man die Wirtin bereits - dort hat sie sich gleich mehrfach beschwert. Leserbriefe an die örtlichen Zeitungen hat sie geschrieben, dazu E-Mails an den Gesundheitsausschuss im Landtag und an den bayerischen Gesundheitsminister. Bis auf Ärger mit den Behörden und mit den Raucherclubs habe das noch nichts gebracht, sagt sie. „Ich habe mich schon ganz schön unbeliebt gemacht.” Im Briefkasten hat sie in den vergangenen Wochen zwei wenig wohlwollende Briefe mit sanften Drohungen gefunden.

Dem Nürnberger Wirt Peter Rock ist der Kummer seiner Straubinger Kollegin nicht fremd. Seitdem die Raucherclubs im März anfingen, sich rasant zu vermehren, hat er in seiner Weinbar 40 Prozent des Umsatzes verloren. „Einige Gäste sagen ganz offen, dass sie lieber in den Raucherclub nebenan gehen”, sagt er resigniert. Solange es keine einheitliche Regelung in Deutschland gebe, bleibe es bei der Ungerechtigkeit. Das findet auch Hubert Hirschbichler aus dem oberbayerischen Inzell. Der Wirt ist sauer. „Das Gesetz wird doch immer weiter unterlaufen”, sagt er. Jeder rauche nach Lust und Laune, Kontrollen gebe es nicht. Eine „Schweinerei” sei das, schimpft er.

Alle drei Wirte haben sich mittlerweile einer Klage der Nichtraucher-Initiative München angeschlossen. Der Verein will beim bayerischen Verfassungsgerichtshof gegen die Gesetzeslücke vorgehen, die sich die Raucherclubs mit ihren geschlossenen Gesellschaften gesucht haben. Die Initiative geht davon aus, dass bayernweit mittlerweile mehrere Tausend Kneipen zu Raucherclubs geworden sind. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Die gegnerische Partei sieht die Klage gelassen. Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK), der gegen das Rauchverbot ist, räumt dem rechtlichen Vorhaben keine großen Chancen ein. Stattdessen freut sich der Verein über großen Zulauf. Bei der Gründungsversammlung im vergangenen Dezember hätten noch 20 Mitglieder zusammengesessen, erzählt Vereinsgeschäftsführer Heinrich Kohlhuber. Mittlerweile sind über 70.000 Mitglieder registriert. Sie bekommen einen Ausweis, mit dem sie in alle Raucherclubs gehen können, die beim Verein angemeldet sind. „Das macht es einfacher”, sagt Kohlhuber, „die Leute hatten zum Teil ja schon 25 Ausweise für die verschiedenen Raucherclubs.”

Auch Hannelore Wutzdorff-Brunner stellt ihren Gästen mittlerweile einen Ausweis aus - „aus Gaudi”, wie sie sagt. Bei ihr gibt es allerdings einen Nichtraucherclub und einen „Nichtmitgliedsausweis”, der „zu nichts berechtigt” und eine schlichte 08/15-Nummer hat. Auf der Rückseite steht zusätzlich noch ein Dank an die „liebe CSU” - für das durchdachte „Raucherschutzgesetz”.