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Freiburg: Babyherz erfolgreich verpflanzt

Freiburg : Babyherz erfolgreich verpflanzt

Erfolgreich ist am Universitätsklinikum Freiburg eine Herztransplantation an einem fünf Monate alten Baby vorgenommen worden. Die kleine Angelina sei vier Wochen nach der Operation wohlauf, trinke ihr Fläschchen, esse wieder ganz normal Brei und könne in drei Wochen entlassen werden, sagten die behandelnden Ärzte am Mittwoch in Freiburg.

Das Mädchen ist nach Klinikangaben das bislang jüngste Kind in Baden-Württemberg, dem ein neues Herz eingepflanzt wurde. Ohne die Operation wäre es aller Voraussicht nach bald gestorben.

Die Operation war notwendig, weil bei dem Mädchen, nach dem es zuvor bereits an der Herzwand operiert worden war, zusätzlich noch eine lebensbedrohliche Herzmuskelschwäche festgestellt wurde. Schon im sechsten Schwangerschaftsmonat war der Herzfehler entdeckt und dann drei Wochen nach der Geburt operiert worden. „Das ist eigentlich heute kein großer Eingriff mehr”, sagte der behandelnde Kinderherzchirurg Christian Schlensak. Doch als dann noch die Muskelschwäche hinzukam, sei eine Herztransplantation die einzige Möglichkeit für das Kind gewesen, zu überleben.

Die Spendenbereitschaft der Eltern eines verstorbenen Kindes rettete Angelina das Leben. Vier Wochen nach der Operation liegt das Mädchen nun entspannt in den Armen der sichtlich erleichterten Mutter. Vergnügt bewegt die Kleine ihre Händchen und schaut mit großen blauen Augen neugierig um sich, als Fotografen sich ihr nähern. Noch müsse sie einen Mundschutz tragen, da bei ihr - verursacht durch eine künstlich herabgesetzte Immunabwehr - die Ansteckungsgefahr erhöht ist, betont die Fachärztin für angeborene Herzfehler, Brigitte Stiller. Das sei ganz normal, um eine Abstoßung des Spenderorgans vorzubeugen. Angelina werde zeitlebens Medikamente dagegen einnehmen müssen.

Als im vierten Lebensmonat zur Gewissheit wurde, dass Angelina nur mit einem Spenderherz überleben würde, begann für die Eltern aus einer kleinen Gemeinde im Ortenaukreis eine „sehr schwere” Wartezeit, wie die Mutter sich erinnert. „Ist es das Leben für das Kind oder doch der Tod” - dies seien ihre ständigen Gedanken gewesen, berichtet sie unter Tränen.

Nach der Operation habe sie sich zwar an die Vorstellung gewöhnen müssen, dass in ihrer Tochter „ein fremdes Organ schlägt”. Doch mittlerweile denke sie nicht mehr daran.

Etwa zwei bis drei Fälle dieser Art soll es nach Schätzungen der Ärzte der Freiburger Kinderchirurgie deutschlandweit im Jahr geben. Ob den Babys geholfen werden könne, hänge von einem passenden Spenderorgan ab, das von Eurotransplant in den Niederlanden vermittelt werde. In Baden-Württemberg gilt die Kinderherzchirurgie am Freiburger Uniklinikum als einzige Einrichtung, die solche Operationen bewältigen kann. Bislang wagten sich die Mediziner dort aber nur an Erwachsene oder Jugendliche heran.

Bei dem fünfmonatigen Baby sei die einstündige Operation wegen der winzigen Dimensionen des „hühnereigroßen Organs” eine besondere Herausforderung gewesen, berichten die Mediziner. Aber „ohne dieses Organ wäre Angelina in den nächsten Wochen gestorben”, erläutert Stiller die Lage. Jetzt sieht es für das Mädchen alles andere als trostlos aus. Nach Einschätzung ihrer Ärzte wird Angelina ein normales Leben führen können.