1. Leben
  2. Gesundheit

Berlin: Ausgiebig kühlen: Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Berlin : Ausgiebig kühlen: Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Wenn die Haut mit Hitze in Berührung kommt, tut das nicht nur höllisch weh. Das Gewebe nimmt auch großen Schaden. Dabei lassen sich viele Verbrühungen und Verbrennungen vermeiden.

Und oft wäre die Verletzung geringer, würde sie sofort richtig behandelt. Die Unterscheidung zwischen Verbrühungen und Verbrennungen sagt nichts aus über die Schwere der Verletzung, sondern nur etwas über ihre Ursache: Verbrühungen werden durch heiße Flüssigkeiten und Dampf verursacht, Verbrennungen durch offenes Feuer und den Kontakt mit heißen, festen Gegenständen.

„Verbrühungen kommen besonders häufig bei Kindern und bei alten Menschen vor”, sagt Bernd Hartmann, Chefarzt des Zentrums für Schwerbrandverletzte im Unfallkrankenhaus Berlin. Er nennt ein Beispiel: Ein Kind stößt an eine Tasse mit heißem Tee, der kippt ihm über den Oberkörper. „Das reicht, um zwanzig Prozent der Körperoberfläche zu verbrühen.” Ein anderes Kind will in den Topf gucken, zieht am Griff und der Inhalt ergießt sich über den Körper. Und ein drittes stolpert über das Kabel vom Wasserkocher.

Solche Risiken lassen sich mindern. „Verzichten Sie auf Tischdecken. Platzieren Sie Töpfe und Pfannen möglichst auf den hinteren Herdplatten und mit den Griffen nach hinten”, rät Jörg Schriever, Beauftragter für Kinderunfälle im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in München. Er empfiehlt außerdem, Herdschutzgitter zu verwenden und den Wasserkocher außer Reichweite aufzustellen.

Für ältere Menschen lauert die größte Gefahr im Bad: Bei schlecht eingestellten Armaturen kommt oft zu heißes Wasser aus dem Hahn. Wer nicht schnell genug ausweichen kann, verbrüht sich die Hände oder in der Wanne das Gesäß und die Beine. Eine andere Temperatureinstellung oder auch ein eingebauter Widerstand in der Armatur hätte das verhindern können.

Die Mehrheit der Verbrennungen wird allerdings durch offenes Feuer verursacht. „Schwerpunkt sind Grillunfälle durch den Gebrauch von Brandbeschleunigern und Brände in der Adventszeit”, sagt der Mediziner Hartmann. Zudem gebe es häufig Unfälle beim Betanken von Booten mit einer Zigarette im Mund. Hinzu kommen Missgeschicke im Haushalt wie das Berühren der heißen Herdplatte oder des Bügeleisens und Unfälle mit Feuerwerkskörpern.

Bei jeder Verbrennung oder Verbrühung heißt es: Weg aus der Gefahrenzone. Offene Flammen ersticken. Bei sehr großen oder sehr tiefen Verbrennungen den Rettungsdienst rufen. Und: Schnellstmöglich kühlen. Das reduziert die Hitze und damit den Schaden im Gewebe.

„Halten Sie die betroffenen Hautpartien unter fließendes Wasser. Das sollte nicht eiskalt, sondern eher handwarm sein”, rät Stefan Osche, Erste-Hilfe-Experte beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Berlin. Sonst besteht die Gefahr einer Unterkühlung. Sie kann nicht nur den Heilungsprozess verzögern, sondern auch den Kreislauf erheblich belasten. „Bei einer großflächigen Verletzung wird am besten ein gut mit Wasser getränktes, sauberes Tuch aufgelegt.”

Sind mit Kleidern bedeckte Körperteile betroffen, so müssen diese im Falle einer Verbrühung nach der ersten Abkühlung vorsichtig entfernt werden. Bei einer Verbrennung dürfen Stoffreste nur dann gelöst werden, wenn sie nicht mit der Haut verklebt sind. Egal, wie gravierend die Schädigung der Haut ist: „Alle anderen Hilfsmittel außer Wasser sind absolut tabu. Das gilt für Gelkissen aus der Gefriertruhe, für Salben und auch für Hausmittel wie Mehl oder Zahnpasta”, erläutert Kinderarzt Schriever.

Nach der Ersten Hilfe stellt sich die Frage, ob ein Arzt aufgesucht werden muss. Eine starre Faustregel hierfür gibt es nicht. Wenn die Haut keine Blasen bildet, sondern nur gerötet ist und schmerzt, heilt sie in der Regel auch ohne ärztliche Behandlung schnell ab. Löst sich hingegen die obere Gewebeschicht, so muss von Fall zu Fall unterschieden werden: „Wenn es keine weiteren Beschwerden gibt, kann beispielsweise eine zwei Zentimeter große Verletzung am Oberschenkel eines Erwachsenen wie eine kleine Wunde behandelt werden”, sagt Chefarzt Hartmann. Das heißt: Sie wird mit einer sterilen Abdeckung versehen.

„Sobald jedoch das Gesicht, der Genitalbereich oder Hautflächen, die zum Beispiel über Gelenken ständig bewegt werden, betroffen sind, ist der Arzt gefragt”, sagt DRK-Experte Osche. Das gilt auch bei allen Verbrennungen, die größer als fünf Prozent der Körperoberfläche sind. Zum Vergleich: Die Handfläche macht etwa ein Prozent aus. Außerdem sollte immer dann, wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht - also bei Rötungen rund um die verbrannte Stelle oder bei Eiterbildung - ein Arzt die Verletzung anschauen.