1. Ratgeber
  2. Gesundheit

Augenerkrankungen: Deutliche Zunahme der AMD

Verlust des scharfen Sehens : Augenerkrankungen: Deutliche Zunahme der AMD

Getrübte Linse, erhöhter Augeninnendruck, Probleme mit der Netzhaut: Im Alter bereiten die Augen zunehmend Probleme. Inzwischen kann die Medizin in den meisten Fällen helfen. Doch jetzt warnt eine Studie vor der sogenannten altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Die Häufigkeit dieser kaum bekannten Augenerkrankung wird deutlich zunehmen - und wir sind darauf nur unzureichend eingestellt.

Verlust des scharfen Sehens

Die altersbedingte Makuladegeneration zählt zu den komplexen und zugleich heimtückischen Augenerkrankungen: Sie entwickelt sich meist ab einem Alter von 60 Jahren. Genau im Bereich des schärfsten Sehens, der sogenannten Makula im Zentrum der Netzhaut, bilden sich stoffwechselbedingte Ablagerungen. Sie behindern die Versorgung der hier besonders zahlreichen Sehnervenzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die Folge: Die Nervenzellen verlieren ihre Funktion und sterben schließlich ab.

Zuerst verläuft diese fatale Entwicklung fast unbemerkt. Erst wenn die Zerstörung der Sehnervenzellen zunimmt, merken die Betroffenen, dass etwas nicht stimmt. Sie nehmen gerade Linien verzerrt wahr. Später sehen sie graue Flecken genau dort, wo etwas fokussiert werden soll. Meist sind es Probleme beim Lesen, die die Menschen augenärztlichen Rat suchen lassen.

Anzahl der AMD-Erkrankungen wird steigen

Laut einer Studie der Universität Bonn - erstellt auf Basis von Einzelstudien mit über 60.000 Teilnehmern - werden die Fallzahlen altersbedingter Makuladegeneration in Europa ansteigen. Waren 2015 noch 67 Millionen Menschen von AMD betroffen, könnten es im Jahr 2050 bis zu 77 Millionen sein.

Die Entwicklung einer altersbedingten Makuladegeneration kann durch äußere Faktoren begünstigt werden. Ein ungesunder Lebensstil mit fett- und zuckerreicher Ernährung, Tabak und Alkoholkonsum sowie zu wenig Bewegung schädigt auch die feinen Blutgefäße der Netzhaut.

Hinzu kommt die Belastung der Augen durch verschiedene Lichteinflüsse. Neben der netzhautschädigenden Wirkung von UV-Strahlen häufen sich die Hinweise, dass auch blaues Licht von Monitoren, Displays und LED-Leuchten die Entstehung einer AMD begünstigt - ein Einfluss, dem immer mehr Menschen immer länger ausgesetzt sind.

Frühzeitige und langfristige Therapie ist wichtig

Die moderne Augenmedizin kann eine AMD mittlerweile zwar präzise diagnostizieren, doch die Krankheit ist nicht heilbar. Das gilt sowohl für die trockene als auch für die feuchte AMD. Gegen die trockene, langsamer verlaufende Form der Erkrankung gibt es keine Therapie. Anders bei der feuchten AMD, die sich aus der trockenen entwickelt: Sie verläuft zwar aggressiv und kann die Sehfähigkeit zerstören - ihr Fortschreiten lässt sich dank neuartiger Wirkstoffe, aber stark verlangsamen.

Ob trockene oder feuchte AMD: Der Krankheitsverlauf muss in regelmäßigen Kontrollen beobachtet werden. Wandelt sich die trockene zur feuchten AMD, wird diese mit monatlichen Injektionen direkt ins Auge behandelt. Das mag unangenehm klingen, ist aber die einzige Therapie, mit der sich die Sehkraft noch lange erhalten und manchmal sogar wieder verbessern lässt. Allerdings muss die Behandlung ein Leben lang fortgeführt werden. Wird sie abgebrochen, kann die Sehfähigkeit binnen Monaten verloren gehen.

Warnung vor Unterversorgung

Laut der Bonner Wissenschaftler kommt dem Thema „Sehen im Alter“ und damit den altersbedingten Augenerkrankungen in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit zu, die angesichts der Fallzunahme nötig wäre. Zwar arbeitet die Forschung intensiv an effizienten Wirkstoffen und hat bereits große Erfolge erzielt, doch die Zahl der ausgebildeten Augenmediziner bleibt hierzulande weit hinter dem Bedarf zurück, den die zunehmende Patientenzahl mit sich bringen wird.

2050, so die Berechnung der Bonner Wissenschaftler, dürfte jeder vierte ältere Mensch in der Europäischen Union an AMD leiden. Auch wenn der Anteil der gefährlichen feuchten AMD wie heute nur 15 Prozent ausmachen würde, wäre der medizinische Bedarf enorm.

Ein Gegensteuern, so das Fazit der Studie, ist daher unabdingbar. Doch dazu braucht es ein größeres Bewusstsein dafür, dass viele Menschen im Alter von Augenerkrankungen und besonders von AMD betroffen sein werden. Die Wissenschaft kann das Problem durch die Wirkstoffforschung allein nicht lösen. Erst wenn Politik und Gesellschaft mitziehen und umfassend informieren, wird sich die zunehmende Verbreitung von AMD angemessen handhaben lassen.

(vo)