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Frankfurt a. M: Allergisch gegen das Weihnachtsgeschenk: Schadstoffe in Textilien

Frankfurt a. M : Allergisch gegen das Weihnachtsgeschenk: Schadstoffe in Textilien

Manches Weihnachtsgeschenk ist mit Gift durchtränkt. Wer seine Lieben beschenken will, kauft meist arglos leuchtend rote Pullis, T-Shirts in modischem Schwarz oder Baby-Strampler mit lustigen Aufdrucken.

Doch moderne Textilien enthalten oft Chemikalien und Farbstoffe, die Allergikern das Leben zur Hölle machen können. Einige sind gar mit verbotenen krebserregenden Farben oder Imprägnierungen belastet.

Yvonne R. brauchte fünf Jahre, bis sie verstand, dass Kleider ihr Leiden verursachten. Immer wieder tauchten Ekzeme unter den Achseln, am Rücken und an den Händen auf. Die Finger juckten und die Haut wurde rot. Die 28-Jährige ist allergisch gegen bestimmte rote und gelbe Farbstoffe. Ein bis zwei Prozent solcher Kontaktallergien sind nach Angaben von Hautkliniken auf Textilfarben zurückzuführen - meist trifft es Frauen, denn sie tragen häufiger eng anliegende Kleider.

Wesentlich schlimmer als die allergieauslösenden Chemikalien sind krebserregende Farbstoffe, Weichmacher und zinnorganische Verbindungen, die in den Haushalt der Sexual-Hormone eingreifen können. Die Zeitschrift Öko-Test erstand in diesem Jahr in verschiedenen Läden 33 Damen-Oberteile und ließ sie im Labor untersuchen. Nur vier Bekleidungstücke waren ohne jedwede bedenklichen Stoffe.

Als „Skandal” bezeichneten die Tester eine Tunika einer beliebten Marke, in der sie große Mengen Benzidin fanden. Das Ausgangsprodukt für bestimmte Farben ist für den Menschen krebserregend und kann zu Blasentumoren führen. Es wird durch die Haut aufgenommen, wirkt blutschädigend und schwächend auf das Knochenmark. Verboten ist es schon seit vielen Jahren.

Zudem stieß Ökotest auf dem krebserregenden Farbstoff Dispers Gelb 3 und das allergieauslösende Dispers Orange 37/76. Auch sie gehören zu den sogenannten Azofarben, die in der Europäischen Union fast ausnahmslos verboten sind.

Die illegalen Chemikalien kämen vor allem durch Importe in deutsche Geschäfte, sagt Rüdiger Filbrich, Schadstoff-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie. Das Etikett „Made in China” berge ein höheres Risiko als „Made in Germany”, sagt er.

Hermann Kruse, Toxikologe am Universitätsklinikum Kiel, will die deutschen Firmen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: „Ein Importeur, der auf seinen Ruf achtet, sollte vor Ort - in den Produktionsländern - prüfen lassen. Die Hauptursache sind lasche Kontrollen. Und es gibt schwarze Schafe.” Oft kombinierten die Subunternehmer die Textilien und Chemikalien falsch - aus Unwissenheit oder Kostengründen.

„Ein Flammschutzmittel beispielsweise wird nicht fest an den Stoff gebunden, es kann ausdampfen und über die Haut in Organe gelangen”, sagt Kruse. Solche Flammschutzmittel gehören jedoch zu den Ausrüstungsstoffen in vielen Kleidern. Wäsche wird zunehmend chemisch behandelt, damit sie nicht knittert, weich und pflegeleicht ist. Vielfaches Waschen und Tragen soll ihr nichts anhaben.

Neu sind nun schmutzabweisende oder antibakterielle Textilien. „Auf Veredelungs-Substanzen aus praktisch allen Kategorien wurden Unverträglichkeitsreaktionen beobachtet”, berichtet der Dermatologe Walter Wigger-Alberti von der Hautklinik der Universität Jena. Zu den besonders kritisch beäugten Chemikalien zählen Weichmacher. Sie machen die Plastik-Aufdrucke auf T-Shirts, Sweatshirts oder auch Baby-Stramplern geschmeidig.

Die Weichmacher könnten durch die Haut gehen, befürchten Umweltmediziner, und wirken ähnlich wie Östrogene. Damit stehen sie unter Verdacht, in den Haushalt der Sexualhormone einzugreifen und die Fruchtbarkeit zu mindern.„ Auf alle Fälle haben sie nichts auf Baby-Kleidern verloren”, wettert Filbrich, „denn Kinder sind besonders empfindlich”.

Ausgerechnet in Matschhosen für die Kleinsten fand Ökotest in einer früheren Untersuchung hohe Werte der zinnorganischen Verbindung Tributyl-Zinn. Das ist das „modernste Gift”, urteilt Filbrich. Es findet sich vielfach in Sportkleidung wie T-Shirts, Lauf- oder Radlerhosen. Diese Chemikalie soll Schweiß-Geruch verhindern und Bakterien hemmen. In hohen Konzentrationen steht sie ebenfalls unter Verdacht, den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Der Gesetzgeber erlaubt sie derzeit in geringen Mengen.

Um möglichst giftfrei zu schenken, raten Experten, die Etiketten genau zu studieren. Der Hinweis „separat waschen” oder „blutet aus” könne ein Alarmzeichen sein. Verbraucher sollten Ihrer Nase trauen: Was „chemisch” rieche, besser liegen lassen, ebenso Kleider mit gummiartigen Aufdrucken. Grelles rot oder orange, aber auch schwarz sind Farben, die häufig Allergien auslösen.

Viele Hersteller werben mit Umweltzeichen. Nach Angaben der Verbraucherzentralen haben diese Gütesiegel die strengsten Kriterien und besten Kontrollen: das Europäische Umweltzeichen, Naturtextil best, Naturtextil better und Öko-Tex-Standard 1000. - Damit geht auch das Christkind auf Nummer sicher.