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Berlin: Ärztepräsident: Medizinische Leistungen müssen rationiert werden

Berlin : Ärztepräsident: Medizinische Leistungen müssen rationiert werden

Kurz vor Beginn des Deutschen Ärztetages an diesem Dienstag hat Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe den Patienten eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung in Aussicht gestellt.

„Es ist inzwischen so, dass wegen der strikten Ausgabenbegrenzung nicht mehr alles für alle bezahlbar ist. Das heißt, eine Form von Rationierung medizinischer Leistung ist unumgänglich”, sagte der Präsident der Bundesärztekammer der Zeitung „Die Welt” (Montag).

„Es gibt seit Jahren eine heimliche Rationierung”, sagte Hoppe weiter. Die Ärzte hätten bisher versucht, sie zu kompensieren. „Inzwischen ist klar, dass es Rationierung in jedem Land der Welt gibt, eben auch bei uns in Deutschland.” Hoppe forderte, diese Rationierung solle „transparent” sein und nicht vom behandelnden Arzt getroffen werden müssen. „Die Ärzte müssen endlich aus der Rolle entlassen werden, dass sie es sind, die den Patienten sagen müssen, wenn sie bestimmte Behandlungen nicht mehr bekommen.”

Stattdessen solle ein Gremium geschaffen werden, in dem Ärzte mit Juristen, Ökonomen und Ethikern beraten. „Dieser Rat soll der Politik Empfehlungen geben, welche Prioritäten es bei der medizinischen Versorgung geben soll.”

Hoppe verwies auf Schweden, wo bereits eine politisch verantwortete Priorisierung existiere. „Dort ist es so, dass zuerst eingegriffen wird, wo die Not am größten ist, also beispielsweise bei Tumoren oder bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.” Alles andere werde nachrangig finanziert. „Bestimmte Behandlungen müssen Patienten dann selbst bezahlen, natürlich sozial abgefedert. Das gilt vor allem für den Wellnessbereich.”