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Düsseldorf: Ärzte warnen vor Versorgungslücken

Düsseldorf : Ärzte warnen vor Versorgungslücken

Ärztevertreter und Krankenkassen streiten über Veränderungen im Gesundheitswesen. Während Mediziner vor dem am Dienstag in Mainz beginnenden Deutschen Ärztetag eine Unterfinanzierung und die steigende Zahl von Direktverträgen mit Krankenversicherern beklagten, verlangte der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen Veränderungsbereitschaft.

Eine gute Versorgung der Patienten gehöre in das Zentrum der Debatte, nicht Arzthonorare oder Spekulationen über Leistungskürzungen, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, am Wochenende in Berlin.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung” (Samstagsausgabe) sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung die flächendeckende medizinische Versorgung in Deutschland gefährdet, weil immer mehr Kassen und Ärztegruppen Direktverträge schließen. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sagte dem Blatt, das Sicherheitsnetz der Kassenärzte werde immer weiter durchlöchert.

Seine Organisation werde daher zu Beginn des Ärztetags die Politik zu einem klaren Bekenntnis für den sogenannten Kollektivvertrag mit den Vereinigungen der Kassenärzte auffordern. Kassensprecher Lanz nannte die zusätzlichen Einzelverträge eine Bereicherung für die Versorgung der Versicherten. „Wir brauchen auf allen Seiten den Mut zur Veränderung, ohne das Bewährte über Bord zu werfen”, sagte er. Selektivverträge seien eine gute Ergänzung zum Kollektivvertrag, aber kein Ersatz.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post” (Samstagsausgabe), das Geld, das die Politik zur Verfügung stelle, reiche für eine wirklich gute Gesundheitsversorgung nicht aus. Kassenpatienten, die an Demenz oder Multiple Sklerose leiden, würden aus finanziellen Gründen nicht so gut versorgt, wie es sein müsste. Selbst bei Krebskranken würden Kassen sparen.

Hoppe forderte, dass die Krankenkassen für bestimmte Sportunfälle nicht mehr zahlen: „Für Unfälle bei gefährlichen Sportarten wie Skifahren sollten die Kassen nicht aufkommen müssen”, sagte er der Zeitung. Auch Übergewichtige sollten in die Pflicht genommen werden. „Es sollte dort gespart werden, wo sich die Menschen vielleicht sogar am besten selbst helfen können”, sagte der Ärztevertreter.

Der „Berliner Zeitung” (Samstagsausgabe) sagte Hoppe, Deutschland gebe nur etwa sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die gesetzlich Krankenversicherten aus. Als anstrebenswertes Beispiel nannte er Schweden, wo etwa 1,5 bis 2 Prozentpunkte mehr für die Gesundheitsversorgung ausgegeben würden.

Im Mittelpunkt des 112. Deutschen Ärztetages, der von Dienstag bis Freitag in Mainz stattfindet, stehen die Zukunft des Arztberufs, Patientenrechte und die medizinische Versorgung behinderter Menschen. Zu ihrer jährlichen Tagung entsenden die 17 deutschen Ärztekammern insgesamt 250 Delegierte.