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7 Fakten: Warum wir schwitzen und das ziemlich gesund ist

Lebenswichtige Körperfunktion : 7 Fakten: Warum wir schwitzen und das ziemlich gesund ist

Sie schwitzen schnell und finden das unangenehm? Keine Sorge, das ist wahrscheinlich vollkommen natürlich. Warum wir unseren Schweiß zu schätzen wissen wollten - und was gegen seinen Geruch hilft.

Der eine ist nach fünf Minuten schweißgebadet, wenn er auf dem Fahrrad fest in die Pedale tritt. Bei der anderen legt sich nach fünf Kilometer Jogging nur ein feuchter Film über die Haut. Jeder gesunde Mensch schwitzt, allerdings unterschiedlich stark. Schwitzen ist gesund. Aber warum?

Fakten und Tipps rund um eine lebenswichtige Körperfunktion.

Fakt 1: Schwitzen ist überlebenswichtig

Vielen Menschen ist es unangenehm, wenn sie beim Sport, bei Stress oder bei hohen Temperaturen viel schwitzen. Doch der Körper reagiert damit auf gesunde Weise. Er schützt sich durchs Schwitzen vor Überhitzung, was gerade bei Hitze enorm wichtig ist.

„Schwitzen nutzt der Temperaturregulation, damit die Solltemperatur von etwa 37 Grad nicht überschritten wird“, erklärt Professor Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten an der Uniklinik Jena. „Der Schweiß auf der Körperoberfläche dient der Abkühlung durch sogenannte Verdunstungskälte.“

So funktioniert es: Das Gehirn aktiviert über Sensoren die Schweißdrüsen, die millionenfach unter der Hautoberfläche sitzen. Diese sondern den Schweiß ab, der verdunstet und so die Haut kühlt. Bei trockener Wärme funktioniert das besser als bei hoher Luftfeuchtigkeit. Ein Windstoß oder Ventilator wirkt darum doppelt erfrischend.

Hintergrund: Der Organismus muss die Körpertemperatur konstant halten, damit alle Funktionen intakt bleiben. Entsteht zu viel Wärme durch hohe Außentemperaturen oder Anstrengung, droht Überhitzung. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit sind die Folge.

Fakt 2: Was gegen zu viel Schwitzen helfen kann

7 Fakten: Warum wir schwitzen und das ziemlich gesund ist
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Auch ohne Sport oder Hitze verliert der Körper nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) täglich ungefähr einen halben Liter Schweiß - in der Regel eher unbemerkt.

Manche Menschen neigen zu besonders starkem Schwitzen. Betroffenen ist das oftmals sehr unangenehm - gerade, wenn es die Handflächen oder Achselhöhlen betrifft.

Hier gibt es verschiedene Ursachen:

  • Erkrankungen wie Hyperidrose, also übermäßiges Schwitzen, oftmals zum Beispiel unter den Achseln oder an den Händen
  • genetische Faktoren
  • besonders empfindliche Schweißdrüsen

Was kann dann helfen?

Für diese Patienten gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Professor Elsner nennt einige Beispiel:

  • Dermatologische Behandlungen mit örtlich wirksamen Präparaten, zum Beispiel Antitranspirante, Gele, Lotionen, Salben und Tabletten.
  • Elektrische Verfahren, um die Schweißproduktion zu regulieren. Bei der Iontophorese wird zum Beispiel schwacher elektrischer Strom durch die Haut geleitet. Das führt zu einem vorübergehenden Rückgang der Schweißdrüsenaktivität.
  • Operative Maßnahmen, bei denen Ärzte die Schweißdrüsen veröden oder entfernen.
  • Dermatologen können Botulinumtoxin (Botox) unter die Haut spritzen und dadurch die Schweißdrüsen blockieren.
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Schwitzt der Körper extrem viel oder gar nicht, kann dies auch an hormonellen Veränderungen liegen, etwa in den Wechseljahren. Oder die Ursache sind Stoffwechselkrankheiten, Tumore oder neurologische Erkrankungen.

„Es gibt seltene, erbliche Hautkrankheiten, bei denen die Schweißdrüsen nicht funktionieren“, sagt Elsner. „Für Menschen mit einer solchen Erkrankung gilt es, gefährliche Hitzesituationen zu vermeiden.“ Er empfiehlt dann eine differenzierte dermatologische Diagnostik und Beratung.

Fakt 3: Schweiß braucht Luft

Das Prinzip der Verdunstungskälte funktioniert in einer engen Jeans und einem Langarmshirt schlecht. Damit die Verdunstung ihren kühlenden Effekt entfalten kann, braucht es Luft. Am besten leichte, lockere Kleidung aus Naturfasern tragen, unter der die Haut atmen kann.

Tipp: Um unschöne Schweißflecken unter den Achseln zu vermeiden, empfiehlt Stilberater Andreas Rose Achselpads, die diskret an die Innenseite der Kleidung geklebt werden. Dort saugen sie Feuchtigkeit auf. Solche Pads gibt es zum Beispiel im Drogeriemarkt.

Gut zu wissen: In Körperfalten wie den Achseln oder im Genitalbereich kann Schweiß schlecht bis gar nicht verdunsten. „Das kann zur Durchfeuchtung der Haut und damit zu einem höheren Risiko für bakterielle und Pilzinfektionen führen“, erklärt Elsner. Dagegen hilft nur eines: Diese Körperregionen täglich waschen.

Fakt 4: Wer schwitzt, muss trinken

Ob nach dem Sport oder während einer mehrtägigen Warmwetterperiode: Trinken ist wichtig, um den Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen auszugleichen. Sonst kann im schlimmsten Fall der Kreislauf versagen, sagt Elsner.

Zwar besteht Schweiß zu 99 Prozent aus Wasser. Doch im winzigen Rest sind Salze - Elektrolyte - enthalten.

„Wichtig ist, dass man nicht nur Leitungswasser oder Tee trinkt, sondern auch Elektrolyte zu sich führt. Andernfalls kann es zu einer Hyponatriämie kommen, also einem Natriummangel“, erklärt Professor Clemens Becker, Internist am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.

Tipp: Wer Mineralwasser mit einem hohen Natriumgehalt trinkt, beugt vor. Das Wasser erkennen Sie an dem Vermerk „natriumhaltiges Wasser“. Ein hoher Gehalt liegt bei etwa 200 Milligramm pro Liter.

Gut zu wissen: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung soll ein Erwachsener rund 1,5 Liter pro Tag trinken. Der Mehrbedarf an Flüssigkeit erhöht sich bei Hitze etwa um einen halben Liter.

Fakt 5: Wann Schweiß müffelt - und was dagegen hilft

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Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Ob Schweiß unangenehm riecht oder nicht, hängt davon ab, wie alt er ist und wo er erzeugt wurde. Im menschlichen Körper gibt es Organe, die bestimmte Substanzen absondern: Drüsen.

Zwei unterschiedliche Drüsenarten erzeugen Schweiß:

  • Die ekkrinen Schweißdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt. Aus ihnen strömt der erst einmal nahezu geruchlose Schweiß, der hauptsächlich aus Wasser besteht. Erst wenn der Schweiß älter ist und Bakterien ihn zersetzen, beginnt er zu müffeln.

Dermatologe Elsner erklärt: „Unter Stress beispielsweise werden mit dem Schweiß noch weitere Stoffe ausgeschüttet, wodurch sich auch der Geruch verändern kann.“

  • Die apokrinen Schweißdrüsen tragen den Beinamen Duftdrüsen und sitzen vornehmlich in den Achselhöhlen, an den Brustwarzen und im Genitalbereich. Sie haben mit der Kühlung des Körpers nichts zu tun, sondern verbreiten die individuelle Duftnote eines Menschen.

An diesen Körperstellen kann der Schweiß schnell markant riechen. Denn seine Zusammensetzung ist fetthaltiger und zähflüssiger. Bakterien lieben das. Werden sie in den Feuchtgebieten aktiv, entsteht der typische Schweißgeruch.

Was hilft dagegen?

Körperbehaarung fördert die Geruchsbildung, weil sich Schweiß und Bakterien in ihnen sammeln. Abhilfe können Sie schaffen, wenn sie zum Beispiel Ihre Achselhöhlen rasieren.

Exkurs: Auch ein Deodorant oder Antitranspirant kann oft helfen. Doch worin unterscheiden sich eigentlich die beiden Produkte?

Ein Deo überlagert mittels parfümierter Inhaltsstoffe den Körpergeruch. Ein Antitranspirant enthält Aluminiumsalze, die die Ausgänge der Schweißdrüsen verkleinern und das Schwitzen hemmen.

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Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Weitere Tipps:

  • Luftige Kleidung tragen, am besten aus Naturfasern wie Leinen oder Baumwolle.
  • Salbei ist ein natürliches Mittel, um die Schweißproduktion zu bremsen. Salbeiblätter als Teeaufguss verwenden und drei Tassen am Tag davon trinken.
  • Natron und Backpulver bei Schweißgeruch zu einer Paste anrühren, unter der Achsel verteilen, eine Viertelstunde einwirken lassen und anschließend abspülen.
  • Apfelessig ist auch ein beliebtes Hausmittel gegen vermehrtes Schwitzen. Er bewirkt, dass sich Schweißdrüsen zusammenziehen. Vor dem Schlafen gehen die Achselhöhlen damit einreiben, über Nacht einwirken lassen und morgens abduschen.

Fakt 6: Wer schwitzt, wird schneller braun - stimmt das?

Ein Gerücht hält sich hartnäckig: Wer in der Sonne schwitzt, wird schneller braun.

„Wissenschaftliche Daten darüber, dass Schwitzen den Bräunungsprozess beschleunigt, existieren meines Wissens nach nicht“, sagt Elsner.Aber: „Schwitzen kann die Wirkung von Sonnenschutzmitteln beeinträchtigen und rascher zu Sonnenbrand führen.“

Die Erklärung: Schweiß kann die Sonnencreme auf der Haut verdünnen und damit ihre Wirkung abschwächen.

Durch die Verdunstungskälte beim Schwitzen bleiben Menschen unter Umständen länger in der Sonne. Wenn dann noch ein laues Lüftchen weht, kann das den Bräunungsprozess schon etwas fördern. Aber eben auch die Gefahr eines Sonnenbrands, erklärt Elsner.

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Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Fakt 7: Schwitzen macht schön

Schwitzen ist nicht nur wegen seiner kühlenden Wirkung bei Hitze oder Sport notwendig. Es bringt noch eine Reihe anderer positiver Effekte mit sich, erklärt Elsner. Einige Beispiele:

  • Rosiger Teint: Beim Schwitzen ist die Haut gut durchblutet und wird automatisch mit Feuchtigkeit versorgt. Dadurch sieht sie straffer und strahlender aus.
  • Reinigende Funktion: Schweiß transportiert beispielsweise Abfallstoffe und abgestorbene Hautzellen ab.
  • Schutzmantel: Rund um die Uhr wehrt die Haut Keime ab. Schweiß hilft dabei. Sein saurer ph-Wert tötet viele Bakterien und Viren ab.
  • Dermcidin: Dieser Stoff, den die Schweißdrüsen produzieren, hat eine antimikrobielle Wirkung und trägt zur gesunden Hautflora bei.

© dpa-infocom, dpa:220317-99-561533/31

(dpa)