Wer die Privatinsolvenz durchhält, ist am Ende schuldenfrei

Biallos Ratgeber : Wer die Privatinsolvenz durchhält, ist am Ende schuldenfrei

Lassen sich Schulden nicht mehr regulieren, kann die Privatinsolvenz ein möglicher Ausweg sein. Wer das langjährige Verfahren durchhält, ist am Ende alle Schulden los und kann einen finanziellen Neustart machen.

Privatinsolvenz: Die Privatinsolvenz ist eine Form der Schuldenregulierung. Bei dem Verfahren wird über sechs Jahre hinweg der pfändbare Teil des Einkommens zur Tilgung der Schulden verwertet. Schulden, die nach Ablauf dieses Zeitraums noch offen sind, verfallen und der Betroffene hat die Chance zu einem finanziellen Neustart.

Voraussetzung: Fast jeder Zweite, der eine Schuldnerberatungsstelle aufsucht, strebt eine Privatinsolvenz an, schätzt Thomas Zipf, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Hessen. Doch so einfach geht das nicht. „Voraussetzung für ein Verfahren ist, dass ein ernsthafter Versuch einer außergerichtlichen Schuldenregulierung gescheitert ist.“ Das heißt: Der Schuldner muss mit allen Kräften versucht haben, die Schulden zu begleichen. „Ein Insolvenzverfahren eignet sich dann, wenn eine gut vorbereitete und durchdachte Regulierung der Schulden an der Kooperation der Gläubiger scheitert.“

Schuldenregulierung: Bei der Schuldenregulierung helfen beispielsweise kostenlose Schuldnerberatungsstellen. Anlaufstellen sind die Kommunen, die Stadt oder auch Wohlfahrtsverbände. Leider sind die Stellen oft überlaufen und man muss erst einmal mit einem Platz auf einer Warteliste rechnen. Fachanwälte für Insolvenzrecht können dagegen schnellere Hilfe anbieten, sie kosten aber Geld. Ein guter Schuldnerberater hilft dem Betroffenen etwa dabei, einen Überblick über die finanzielle Situation des Schuldners zu gewinnen, mit den Gläubigern zu verhandeln und das Insolvenzverfahren einzuleiten.

Pflichten: „Privatpersonen müssen sich genau überlegen, ob sie sich ein solches Verfahren antun wollen“, sagt Zipf. Betroffene haben Pflichten zu erfüllen. Dazu gehört unter anderem, während des Verfahrens nur dann neue Schulden zu machen, wenn diese auch bezahlt werden können. Außerdem ist der Betroffene im Falle der Arbeitslosigkeit verpflichtet, sich einen Job zu suchen, auch ein Gelegenheitsjob kommt in Frage. „Es sollte schon vor dem Antrag auf Privatinsolvenz sichergestellt sein, dass auch wirklich ein ressourcengerechter Umgang mit Geld garantiert ist, man also mit dem vorhandenen Einkommen auskommt.“

Insolvenzverfahren: Wird das Insolvenzverfahren eröffnet, verteilt ein Treuhänder den pfändbaren Teil des Einkommens und des vorhandenen Vermögens unter den Gläubigern. Eine Immobilie wird zwangsversteigert, wertvolle Möbel und Gemälde, Schmuck und teilweise auch Autos kommen ebenfalls unter den Hammer, ebenso ist eine Erbschaft abzutreten. Dann folgt die Wohlverhaltensperiode: Über sechs Jahre hinweg erhält der Treuhänder den pfändbaren Teil des Einkommens. Erst am Ende des Zeitraums winkt die Schuldenbefreiung. In der EU wird die Verkürzung des Verfahrens auf drei Jahre empfohlen. „Ob Deutschland dieser Empfehlung folgen wird, ist zweifelhaft“, meint Zipf.

Alternativen: Die Alternative zur Privatinsolvenz heißt: „Lernen mit den Schulden zu leben“, sagt Zipf. Das klingt abwegig, ist aber für manche eine Option. Nämlich dann, wenn der Schuldner nur so viel verdient, dass er von einer Pfändung verschont bleibt. Die Pfändungstabelle zeigt, einem Alleinverdiener mit Ehepartner und zwei Kindern stehen rund 2100 Euro netto zu im Monat, plus Kindergeld, plus eventuell Wohngeld. Dieses Einkommen ist unpfändbar. Die Schulden bleiben bestehen, aber den Gläubigern sind die Hände gebunden. Ob das der richtige Weg ist, bleibt eine Einzelfallentscheidung.

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