Hamburg: Wenn Policen den Versicherten überleben

Hamburg: Wenn Policen den Versicherten überleben

Bei Todesfällen in der Familie gibt es vieles zu erledigen - und die Bürokratie macht auch vor den Versicherungspolicen nicht halt.

Bei einem Todesfall in der Familie sollte sich ein Familienmitglied möglichst schnell mit den Versicherungsverträgen des Verstorbenen beschäftigen, damit Ansprüche nicht verlorengehen und keine unnötigen Kosten für Policen entstehen, die gar nicht mehr benötigt werden. Ganz oben auf der To-do-Liste stehen Lebens- und Unfallversicherungen.

Bei diesen Policen geht es um Tage, die Versicherer müssen oft innerhalb von zwei bis drei Tagen informiert werden. Andernfalls steht der Versicherungsschutz auf dem Spiel. Hält man die Frist nicht ein, kann der Versicherer sich im schlimmsten Fall weigern, die Todesfallsumme zu zahlen. Die Versicherer verlangen in der Regel die Versicherungspolice sowie eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde.

Auch andere Verträge stehen im Fokus, wenn ein Familienmitglied stirbt. Die meisten Personenversicherungen wie beispielsweise Lebens-, Unfall- oder private Krankenversicherungen enden automatisch, wenn der Versicherte verstirbt. Aber der Todesfall muss natürlich mitgeteilt werden.

Bei der gesetzlichen Kasse kommt oft ein weiteres Problem hinzu. Familienversicherte müssen nach dem Tod des Hauptversicherten den eigenen Versicherungsschutz klären, da die Mitversicherung naturgemäß nicht mehr möglich ist. Sie haben drei Monate Zeit, um ihre Weiterversicherung zu klären. Sie können in den Vertrag des Verstorbenen eintreten und so den eigenen Schutz sichern.

Auch bei Sachversicherungen gibt es einiges zu beachten. Im Erbfall ist der Hausrat des Versicherten zunächst noch bis zu zwei Monate nach seinem Tod versichert. Übernimmt der Erbe das Haus oder die Wohnung des Verstorbenen, so gilt der Vertrag der Hausratversicherung automatisch weiter. Nur wenn er bereits anderweitig eine Hausratversicherung abgeschlossen hat und die mit in die neue Bleibe nimmt, steht ihm ein Sonderkündigungsrecht des „geerbten” Vertrages zu. Wird der Hausstand des Verstorbenen aufgelöst, fällt das Risiko des Hausratvertrages weg und der Vertrag wird aufgelöst. Eine zu viel gezahlte Prämie wird erstattet.

Spezielle Regelungen gelten bei Wohngebäudeversicherungen. Mit Übergang des Eigentums an den Erben entsteht ein Sonderkündigungsrecht, das innerhalb eines Monats schriftlich wahrgenommen werden muss. Wird nicht gekündigt, geht der Vertrag auf den Erben als neuen Eigentümer über.

Die private Haftpflichtversicherung endet automatisch beim Tod des Versicherten. Besonderheiten gelten jedoch, wenn in dem Vertrag auch Familienangehörige wie der Ehegatte oder die Kinder mitversichert sind. Dann bleibt der Vertrag bis zur nächsten Beitragsfälligkeit bestehen. Zahlt die Familie dann die nächste Prämie, geht der Vertrag automatisch auf den Ehepartner über. Gibt es keine Verwandten, wird der Vertrag aufgehoben und der anteilige Jahresbeitrag zurückerstattet.

Etwas komplizierter ist es mit der Rechtsschutzversicherung. Bietet diese nämlich höchstpersönlichen Schutz wie beim Berufsrechtsschutz oder beim Fahrerschutz im Verkehrsrechtsschutz, so endet der Vertrag in aller Regel mit dem Tod der Versicherten. Sind die Verträge aber übertragbar - wenn etwa beim Verkehrsrechtsschutz ein bestimmtes Auto versichert ist -, besteht die Versicherung auf jeden Fall bis zur nächsten Beitragsfälligkeit weiter. Wird dieser Beitrag dann auch noch gezahlt, geht der Vertrag auf den Beitragszahler über.

Auch bei der Kfz-Versicherung ist das Auto versichert, nicht der Fahrer. Im Todesfall geht deshalb der Vertrag auf die Erben über. Die Versicherung kann den Vertrag jedoch an die Risikomerkmale des neuen Kunden anpassen. Kündigen können die Erben den Vertrag nur, wenn der Wagen verkauft wird oder der Erbe im Kfz-Brief als neuer Eigentümer vermerkt wird.