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Biallos Ratgeber: Wenn das Kurzarbeitergeld nicht reicht

Biallos Ratgeber : Wenn das Kurzarbeitergeld nicht reicht

Jeder dritte Betrieb hat in Deutschland Kurzarbeit angemeldet. Einige Millionen Arbeitnehmer sind auf Kurzarbeitergeld angewiesen. Gerade bei Geringverdienern reicht dieses oft nicht aus. Eine Erhöhung kommt frühestens im Juni. Was tun bis dahin?

Späte Erhöhung: Wer beispielsweise im April in Kurzarbeit gegangen ist, bekommt bis einschließlich Juni 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns als Kurzarbeitergeld. Ab Juli gibt es drei Monate lang je 70 und von Oktober bis Dezember 80 Prozent. Dauert die Kurzarbeit länger, dann geht es nächsten Januar wieder die Treppe runter auf 60 Prozent. Für Eltern kindergeldberechtigter Kinder sind es jeweils sieben Prozentpunkte mehr. Diese verzögerte Erhöhung, die der Koalitionsausschuss am 22. April beschlossen hat, gibt es zudem nur für die, deren Arbeitszeit mindestens um 50 Prozent verkürzt wurde.

Erste Hilfe: Für viele Kurzarbeiter wird es finanziell sehr eng werden. Ratsam ist deshalb oft ein schneller Antrag auf aufstockendes Hartz IV (ALG II) beziehungsweise den Kinderzuschlag. Für die Leistungen gelten jetzt erleichterte Bedingungen. Anträge können Betroffene online stellen. Vermögen wird großzügig oder sogar gar nicht geprüft. Für eine vierköpfige Familie sind zum Beispiel aktuell Rücklagen von bis zu 150.000 Euro erlaubt. Zudem werden immer die vollen Wohnkosten akzeptiert – auch Mieten, die als „übertrieben hoch“ gelten.

Hohe Freibeträge: Eigenes Einkommen wird sowohl bei Hartz IV als auch beim Kinderzuschlag angerechnet. Aber: Kurzarbeitergeld gilt als Arbeitseinkommen und wird somit günstiger behandelt als andere Einkommensarten wie zum Beispiel Eltern- oder Krankengeld. Bis zu 330 Euro (ohne minderjährige Kinder: 300 Euro) monatlich bleiben deshalb anrechnungsfrei. So viel bleibt den Betroffenen maximal zusätzlich zu den beiden Sozialleistungen. Von einem Kurzarbeitergeld von 1600 Euro werden deshalb 1270 Euro berücksichtigt. Eine vierköpfige Familie, die monatlich 1000 Euro Miete zahlen muss, könnte vom Jobcenter einen monatlichen Aufstockungsbetrag von etwa 600 Euro erhalten. Vorausgesetzt, die Familie hat außer Kurzarbeitergeld und Kindergeld keine weiteren Einkünfte.

Kinderzuschlag plus Wohngeld: Viele Familien stehen allerdings mit Kinderzuschlag plus Wohngeld besser da als mit ALG II. Zudem hat mancher lieber mit der Familienkasse der Arbeitsagentur als mit dem Jobcenter zu tun. Häufig ist unklar, auf welche der beiden Leistungen Anspruch besteht. Was also tun? „Grundsätzlich können Kunden gleichzeitig beide Leistungen beantragen“, erklärt Christian Ludwig von der Bundesagentur für Arbeit. Wichtig ist: In diesem Fall muss man den „Leistungsträger über die Antragstellung beim anderen Träger informieren“.

Faustregel: Arbeitnehmer in Kurzarbeit mit einem monatlichen Kurzarbeitergeld ab 900 Euro sollten in jedem Fall den Kinderzuschlag plus Wohngeld beantragen. Bei Alleinerziehenden gilt dies ab einem monatlichen Kurzarbeitergeld in Höhe von 600 Euro. Wird der Antrag auf Kinderzuschlag abgelehnt, so kann rückwirkend ALG II gewährt werden.

Nur Wohngeld: Für manche Kurzarbeiter kann es auch reichen, zusätzlich Wohngeld zu beantragen. Allerdings:  Gerade bei hohen Unterkunftskosten ist ein Antrag auf Wohngeld oft keine Option. Denn hier wird die Miete – anders als bei ALG II oder dem Kinderzuschlag – nur begrenzt berücksichtigt. Wer bisher bereits Wohngeld erhalten hat, hat als Kurzarbeitergeld-Bezieher meist Anspruch auf einen höheren Mietzuschuss.

Nebenjob: Mancher wird die Krisensituation auch ohne Hilfe der Ämter meistern können. Denn bis Ende 2020 sollen beim Kurzarbeitergeld in puncto Nebenjob günstige Regeln gelten: Bezieher dürfen per Nebenjob ihr Einkommen anrechnungsfrei aufstocken – maximal bis zum Betrag, den sie vor der Kurzarbeit netto verdient haben. Vorausgesetzt, die Beschlüsse des Koalitionsausschusses werden wie geplant umgesetzt.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers.