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Biallos Ratgeber: Von Demenz und Geldgeschäften

Biallos Ratgeber : Von Demenz und Geldgeschäften

Der Zeitpunkt kommt, da Demenzkranke Geld- und Bankgeschäfte nicht mehr selber erledigen können. Oft tun sie Unsinniges dabei. Was kann man unternehmen, damit sie sich finanziell nicht schaden – oder andere die Lage ausnutzen?

Probleme im Alltag: Menschen im Umfeld von Demenzkranken beobachten immer wieder die gleichen Phänomene, vor allem im Zusammenhang mit Bargeldversorgung, Bankaufträgen sowie Einkäufen, Haustür- und Fernabsatzgeschäften. Auch auf kriminelle Praktiken wie den „Enkeltrick“ sollten Angehörige gefasst sein. Häufig zu erleben ist, dass demente Menschen beklagen, sie hätten kein Bargeld – obgleich sie welches erhalten haben. Sie verlegen Geld oder verstecken es und vergessen wohin. Bei Betroffenen, die Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere haben, muss man mit völlig abwegigen Transaktionen rechnen.

Es sind Vorkehrungen nötig, damit Demenzkranke sich finanziell nicht schaden – oder andere die Lage ausnutzen. Gleichzeitig gilt es, sie in ihrer Selbstbestimmung so wenig wie möglich einzuschränken. Ein sensibler Punkt: „Bargeld zu haben, gehört zum Selbstwertgefühl des Menschen“, betont Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG).

Vorsorgevollmacht: Zeigen sich Anzeichen einer Demenz, wird es höchste Zeit, in rechtlicher Hinsicht vorzusorgen. Das geht mit einer Vorsorgevollmacht. Rechtsgültige Vollmacht erteilen kann nur, wer voll geschäftsfähig ist. Damit Geld- und Bankgeschäfte möglich sind, muss die Vorsorgevollmacht den „Aufgabenkreis“ Vermögenssorge enthalten. Betroffene können innerhalb dieses Aufgabenkreises vorgeben, was ihre Vertrauensperson regeln darf – und was nicht. Niemand verbietet sich mit der Unterschrift unter die Vollmacht selber Geld- und Bankschäfte. Solange man geschäftsfähig ist, kann man sich weiter darum kümmern.

Einwilligungsvorbehalt: Handelt ein demenzkranker, geschäftsfähiger Mensch gegen jede Vernunft, bleibt unter Umständen nur der Weg zum Betreuungsgericht. Das Gericht kann zusätzlich zur Betreuung einen Einwilligungsvorbehalt anordnen. Geschäfte hängen dann von der Zustimmung des Betreuers ab. Voraussetzung für einen Einwilligungsvorbehalt ist, dass er „zur Abwendung einer erheblichen Gefahr für die Person oder das Vermögen des Betreuten erforderlich ist“ (BGB Paragraf 1903). Der Vorbehalt schützt den Demenzkranken nur, wo es notwendig ist. Doch das geht nicht gegen den Willen eines Geschäftsfähigen. Lehnt dies der Betroffene ab, läuft es im Antragsverfahren auf ein fachärztliches Gutachten hinaus.

Tipps im Alltag: Verschwindet zu Hause wiederholt Geld, hilft zur Aufbewahrung vielleicht eine auffällige Dose oder Kassette, die sich stets am gleichen Platz befindet. Notfalls könnte auch der ambulante Pflegedienst die tägliche Bargeldversorgung übernehmen. „Generell sollte man im Umfeld kommunizieren, dass ein Fall von Demenz vorliegt“, sagt DAlzG-Sprecherin Susanna Saxl.

Nachbarn, Bäcker, Friseur, Mitarbeiter der Hausbank und andere Menschen, mit denen der Betroffene öfters zu tun hat, sollten Bescheid wissen. Sie können ihn diskret unterstützen. Und aufpassen, wenn Langfinger glauben, ein leichtes Spiel zu haben.

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